Corona: Feiertage werden für Pflegeheim zum Risikofaktor

Bislang ist die Einrichtung des DRK in Werdau gut durch die Pandemie gekommen. Aber das könnte sich bald ändern, befürchtet der Leiter. Auf das Gesundheitsamt ist er nicht gut zu sprechen.

Werdau.

Denkt Werner Meissner an die Weihnachtsfeiertage, wird ihm ganz mulmig zumute. "Das ist in diesem Jahr für unsere Bewohner und auch die Beschäftigten eine ganz neue Situation", sagt der Leiter des DRK-Seniorenheimes an der Zwickauer Straße in Werdau. Bisher blieb die Einrichtung von der Coronapandemie weitgehend verschont. "Lediglich zwei Mitarbeiterinnen hatten Covid-19. Es bestand der Verdacht einer Ansteckung, der sich jedoch nicht bestätigte. Derzeit haben wir eine weitere Beschäftigte mit Symptomen, bei der das Untersuchungsergebnis noch aussteht." Was ihn freut: Keiner der 83 Frauen und Männern, die in der Einrichtung ihrer Lebensabend verbringen, war bisher an Covid-19 erkrankt.

Das, so befürchtet der Heimleiter, könnte sich in wenigen Wochen ändern. Ein Teil der Bewohner möchte den Heiligabend und die Feiertage bei ihren Angehörigen im Kreis der Familie verbringen. "Die sozialen Kontakte sind gewünscht, können und wollen wir auch nicht verbieten. Doch wir wissen nicht, ob sich während der Zeit einer der Senioren ansteckt und die Krankheit nach der Rückkehr mit in die Einrichtung bringt", sagt Werner Meissner. Ihm bereitet dabei der bauliche Zustand des Hauses Sorgen. Das Gebäude wurde 1980 errichtet und nach der Wende modernisiert. Doch der Zuschnitt der Räume ist geblieben. "Wir haben etliche Zweitbett-Zimmer, in der sich die beiden Bewohner eine Nasszelle teilen. Da besteht trotz aller Hygienemaßnahmen ein Ansteckungsrisiko, das wir nicht vermeiden können."

Was Meissner ärgert, ist die Arbeit des Zwickauer Gesundheitsamtes. "Nicht nur für uns war die Situation nach Auftreten der ersten Fälle in Deutschland im März neu, sondern auch für die Behörde. Dafür habe ich volles Verständnis. Doch nach neun Monaten müsste das Gesundheitsamt die Situation doch im Griff haben. Ich habe aber den Eindruck, dass die Mitarbeiter total überfordert sind", sagt Meissner. Für ihn sind die Beschäftigten im Gesundheitsamt die Experten, auf deren Rat er hört. "Vor der Pandemie sind Vertreter des Amtes regelmäßig bei uns im Heim aufgetaucht und haben manchmal die kleinsten Kleinigkeiten bemängelt. Jetzt ist der Kontakt quasi abgebrochen."

Meissner fühlt sich mit seinen Problemen rund um die Pandemie oftmals alleingelassen. "Die Coronabestimmungen ändern sich ständig und sind manchmal auch nicht eindeutig definiert. Braucht man einen fachlichen Rat, bekommt man von der Behörde den Hinweis, sich im Internet zu informieren. Oder man erhält die Antwort, dass ein Mitarbeiter zurückrufen würde. Das geschieht in den seltensten Fällen und wenn, dann Tage später", ärgert sich der Heimleiter.

Er und sein Team versuchen, sich mit der Situation zu arrangieren, so gut es geht. "Bisher haben die Angehörigen unserer Bewohner für die Hygienemaßnahmen und Einschränkungen viel Verständnis gezeigt. Es gibt jedoch auch ganz wenige Ausnahmen, bei denen wir uns üble Beschimpfungen anhören mussten." Werner Meissner versucht, die kritischen Äußerungen schnell wieder zu vergessen. "Bei uns stehen die Bewohner im Mittelpunkt. Denen wollen wir den Lebensabend so angenehm wie möglich gestalten, daran kann uns auch Corona nicht hindern."

Die Kritik am Gesundheitsamt ist kein Einzelfall. Erst vor wenigen Tagen hatte die Geschäftsführung eines Pflegeheimes in Hartenstein nach einem Coronaausbruch der Behörde des Kreises vorgeworfen, zu spät reagiert zu haben. Unzufrieden mit der Arbeit der Behörde zeigte sich auch der Geschäftsführer des Kreisverbandes der Volkssolidarität Zwickauer Land, Jens Heinz. Er bemängelte die lange Wartezeit auf die Durchführung einer Testreihe im Pflegeheim Langenreinsdorf. In der Einrichtung wurde am Dienstag vergangener Woche bei einer Bewohnerin Covid-19 festgestellt. Ein Test aller Bewohner erfolgte erst am Sonntag, fünf Tage später.

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