"Die große Mehrzahl fährt rücksichtsvoll"

Jens Wappler, Leiter der Straßenmeisterei Hermsdorf über die Ziele des Winterdienstes, Kritik von Kraftfahrern und Wetterprognosen

Hermsdorf.

Heute könnte es aufgrund der prognostizierten leichten Niederschläge noch einmal spannend werden, doch für die nächsten Tage versprechen die Meteorologen eine Wetterberuhigung. Das erleichtert dem Winterdienst die Arbeit. Über die Herausforderungen hat Markus Pfeifer mit Jens Wappler, Leiter der Straßenmeisterei in Hermsdorf, gesprochen.

Freie Presse: Der Winterdienst hat stressige Tage hinter sich. Wie fällt ihr Fazit bisher aus ?

Jens Wappler: Es gab Situationen, die nicht einfach waren. Aber wir konnten die Straßen fast immer befahrbar halten. Unsere Aufgabe ist es ja nicht, die Straße "schwarz", also bis auf den Asphalt zu räumen. Natürlich gab es einige Stellen, bei denen es während des Starkschneefalls schwierig war.

Was hat die Wetterlage mit wechselnden Temperaturen um den Gefrierpunkt und viel Niederschlag besonders gemacht?

Heute ist so eine Wetterlage ungewöhnlich, vor 30 Jahren waren solche Schneemengen ja normal. Es war sehr schwerer Schnee, aber das schaffen unsere Fahrzeuge. Schwierig wird es, wenn es im Berufsverkehr stark schneit. Wir können ja nicht zur gleichen Zeit überall sein. Wenn es erst einmal eine festgefahrene Schneedecke gibt und der Verkehr zum Erliegen kommt, gibt es eine Kettenreaktion und wird es auch für uns schwer. Räumfahrzeuge kommen ja auch nicht so einfach an stehenden Autos oder LKW vorbei.

Aus Wüstenbrand hab es in der vergangenen Woche Kritik am Winterdienst auf den Kreis- und Staatsstraßen. Gab es dort Probleme?

Wir waren ab 3 Uhr nachts im Einsatz. Die Probleme kamen im Berufsverkehr. Ein Grund war, dass sich LKW festgefahren hatten, die nicht unbedingt mit den besten Winterreifen unterwegs waren.

Am Montag war es dann nach kurzen Niederschlägen noch einmal spiegelglatt auf einigen Straßen. Wurden Sie da überrascht?

Wir wussten, dass Niederschläge kommen. Aber es war ja viel intensiver als gemeldet, also eine Art Wintergewitter und nach einer Viertelstunde waren alle Straßen weiß. Da kann man natürlich auch nicht sofort überall sein.

Welche Wettervorhersagen nutzen Sie?

Wir bekommen eine professionelle Straßenwettervorhersage vom Deutschen Wetterdienst. Bei besonderen Ereignissen kommt zweimal täglich ein Warnwetterbericht. Dazu gehört auch ein Wetterradar. Aber wir können natürlich nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen und das für jedes Gebiet durchgängig im Auge haben.

Wie lang ist das Straßennetz, das zu betreuen ist?

Wir als Straßenmeisterei Hermsdorf sind im Gebiet des Altkreises Hohenstein-Ernstthal und rund um Limbach-Oberfrohna für rund 170 Kilometer Bundes-, Staats- und Kreisstraßen zuständig. Normalerweise sind wir von 3 bis 22 Uhr im Einsatz, wenn nötig, dann auch rund um die Uhr.

Dafür haben wir sechs Fahrzeuge. Vergangene Woche waren sie von Mittwoch bis Freitag insgesamt 286 Stunden im Einsatz, haben dabei zusammen 6165 Kilometer zurückgelegt und 265 Tonnen Streusalz verbraucht.

Ganz klassisch gestreut wird das Salz aber nicht. Wie funktioniert das?

Es handelt sich um eine Feuchtsalztechnologie, also eine Mischung aus Salz und ein einer Lauge. Dadurch wirkt das Salz schneller, aber es braucht eben trotzdem eine gewisse Zeit. Wenn der Verkehr darüber rollt, funktioniert es besser.

Waren die Winterdienstfahrer mit dem Verhalten der Verkehrsteilnehmer zufrieden?

Beim ersten Wintereinbruch brauchen die Leute eine gewisse Zeit, um sich darauf einzustellen. Dann klappt das schon. Die große Mehrzahl fährt rücksichtsvoll. Vor unseren Fahrzeugen haben die meisten schon Respekt.

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