Ein echter Seelsorger verabschiedet sich

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Am Sonntag endet die Dienstzeit von Pfarrer Matthias Große in Glauchau. Doch sein letzter Gottesdienst muss deutlich kleiner ausfallen als geplant.

Glauchau.

Vor elf Jahren wurde Matthias Große Pfarrer in der Glauchauer Georgengemeinde. Nun endet dieser Lebensabschnitt des 46-Jährigen, der sich künftig in der Polizeidirektion Dresden um den Bereich Polizeiseelsorge kümmern wird. Außerdem wird er als Koordinator der Notfallseelsorge für die Landeskirche Sachsen arbeiten. "Es ist gut, dass es solche Wechsel gibt", sagt er über die Veränderung. Denn sie bietet nicht nur für ihn neue Möglichkeiten, sondern auch für die Gemeinde. Und nicht nur die personelle Veränderung schafft Raum für Neuerungen, sondern auch die noch immer fast alles bestimmende Coronapandemie. Ist sie einmal vorbei, bietet das laut Matthias Große auch viele Chancen für die Kirche, die beispielsweise aufgrund schrumpfender Gemeinden neue Formen des christlichen Miteinanders finden muss. "Derzeit findet ja fast nichts statt. Wer sagt, dass danach wieder alles so sein muss, wie vorher", fragt Große. Er erwartet einen Prozess, bei dem deutlich wird, was eine Gemeinde und Christen wirklich brauchen und was vielleicht auch nicht.

Die Glauchauer Christen werden diese neuen Wege vorerst ohne Nachfolger von Matthias Große finden müssen, denn bis die Stelle neu besetzt sein wird, dürfte einige Zeit vergehen. Glauchauer bleibt der gebürtige Erzgebirger aber, denn zusammen mit seiner Familie wird er auch künftig in der Muldestadt wohnen. Die Georgenkirche, in der aktuell Restaurierungsarbeiten an der Kanzel laufen, kann er dann als ganz normaler Kirchgänger besuchen. Am Sonntag betritt er sie noch einmal als Pfarrer, der dann von Superintendent Harald Pepel und geladenen Gästen verabschiedet wird. In der Kirche dürfen nur reichlich 80 Personen dabei sein, weshalb der Gottesdienst nicht als öffentliche Veranstaltung stattfinden kann. "Es wird wieder eine Liveübertragung im Internet auf unserem Youtube-Kanal geben. Die Verabschiedung von Gemeindemitgliedern soll im Sommer nachgeholt werden", sagt Große.

In seiner Dienstzeit in Glauchau hat er viel Besonderes miterlebt. Die Gedenkwoche "300 Jahre Stadtbrand", das 775. Stadtjubiläum Glauchaus oder "150 Jahre Friedhof" waren größere Veranstaltungen mit aktiver Beteiligung der Gemeinde. Herausforderungen wie zur Zeit der Flüchtlingskrise vor fünf Jahren oder die aktuelle Coronapandemie waren oder sind zu meistern, gerade auch mit Blick auf die unterschiedlichen Meinungen, die es gibt. "Eine Gemeinde bildet da die Gesellschaft ab. Christen sollen aber auf der Seite stehen, die nicht am lautesten schreit", sagt Große, dem es sehr wichtig ist, offen und intensiv zu diskutieren, aber am Ende hinter Beschlüssen zu stehen und auch andere Meinungen zu akzeptieren. Positiv sei bei den zu meisternden Herausforderungen der Vergangenheit und der Gegenwart auf jeden Fall das sehr gute Miteinander in der Gemeinde, mit der Stadtverwaltung und anderen Institutionen in der Stadt gewesen.

Am kommenden Montag wird Matthias Große seinen Dienst bei der Polizei antreten und in einem Gespräch mit dem Dresdner Polizeipräsidenten die ersten Schritte planen. Ganz unbekannt ist das was kommt für ihn nicht, denn der 46-Jährige hat schon einmal ein Praktikum in diesem Bereich absolviert. In seiner neuen Tätigkeit bei der Polizei wird es aber nicht vorrangig um die Begleitung der Beamten in konkreten Ausnahmesituationen, sondern eher um die Vor- und Nachsorge gehen. Da Große in Glauchau wohnen bleibt, wird er künftig mehr Zeit im Auto verbringen. "Ich muss aber nicht jeden Tag nach Dresden fahren", sagt er und nennt auch eine Tätigkeit, die ihn wieder in seine erzgebirgische Heimat führen wird. Denn er wird auch an der Polizeischule in Schneeberg-Wolfgangmaßen unterrichten. In der Bergstadt ist Große in die Schule gegangen und stammt aus Hundshübel, das nur ein paar Kilometer entfernt ist. Für seine zweite Aufgabe, die Koordination der Notfallseelsorge der Landeskirche Sachsen, bringt er ebenfalls bereits Erfahrung mit. Denn Matthias Große ist seit mehreren Jahren ehrenamtlich im Bereich der Krisenintervention tätig, in der es darum geht, Menschen in Ausnahmesituationen beizustehen.

Die Liveübertragung des Gottesdienstes zur Verabschiedung, der am Sonntag, 10 Uhr beginnt, ist über die Internetseite oder auf dem Youtube-Kanal "Kirchgemeinde Glauchau" erreichbar.

www.kirchgemeinde-glauchau.de

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