Geburtstagsgäste schicken Boten voraus

Die Ötztaler Alpen sind um eine Attraktion reicher. Denn die Zwickauer Hütte macht ihrem Namen mehr Ehre denn je.

Pfelders/Zwickau.

Bei manch einem steht ein Pferd auf dem Flur - Heinz Leitner hat einen Trabi vor der Hütte. Das ist sicher in Südtirol eine Seltenheit. Doch Leitners Hütte steht in knapp 3000 Metern Höhe. Und der Trabant ist - vermutlich ähnlich wie das Pferd - nicht aus eigener Kraft dort angekommen.

Ende Juli feiert die Zwickauer Hütte, feiert ganz Pfelders das 120-jährige Bestehen dieses Geschenks des Deutschen Alpenvereins. Der Ort veranstaltet in der letzten Juliwoche einiges an Tamtam für das Bauwerk - und jede Menge Zwickauer sorgen dafür, dass dieses Tamtam noch größer wird. Das Jugendblasorchester beispielsweise. Oder die Mauritius-Brauerei, die flüssige Grüße nach Tirol schickt. Karl Remitz hat den Ausflug der Westsachsen nach Südtirol organisiert, schon zum fünften Mal. Mehrere Busse sind im Anmarsch, dazu noch zahlreiche Gäste im eigenen Wagen. Bereits am 24. Juli soll es in Pfelders eine Festveranstaltung geben. Der eigentliche Höhepunkt - im wahrsten Sinn des Wortes - aber ist das Anstoßen in der Zwickauer Hütte selbst. "Start zur Wanderung ist am 26. Juli, morgens 6.30 Uhr", sagt Karl Remitz. Laut Hinweisschild dauert der Aufstieg vier Stunden. Oben gibt es Zwickauer Bier und den "Steigermarsch" - begleitet vom Jugendblasorchester. Das muss seine Instrumente übrigens nicht schultern. So wie das goldene Getränk kommt auch das goldene Blech per Lastenaufzug auf den Berg. Da hat sich in 120 Jahren doch einiges getan. Zwar ist der Aufstieg für Wanderer immer noch anspruchsvoll. Doch der Warentransport hat sich verbessert. "Die Erbauer der Hütte haben alles in Rucksäcken schleppen müssen", sagt Remitz. Die zwölf wackeren Männer sind Teil der Geschichte der Hütte. Diese Historie hat Heinz Leitner in einer Chronik festgehalten, die - wenn der Druck rechtzeitig fertig wird - zum Jubiläum zu kaufen sein soll.


Wer an der Hütte ankommt, genießt einen traumhaften Ausblick - heute wie damals. Nur steht heute, genau seit dieser Woche, ein Trabant neben der Tür. Der reiste erst per Anhänger, dann per Hubschrauber auf den Berg. "Die Idee dazu stammt von Hüttenwirt Heinz Leitner", sagt Stephan Förster von TV Westsachsen. Er hat sich von Matthias Dehmer vom Verein "Intertrab" ein Auto organsieren lassen. Klar, für die Westsachsen schien es eine tolle Idee, einen Trabi auf den Berg zu hieven. Die Südtiroler waren nicht alle auf Anhieb begeistert, immerhin steht das Auto in einem Naturschutzgebiet. Doch es steht nur da - mit abgelassenen Betriebsstoffen, ein himmelblauer Gruß aus Zwickau.

Einen sehr stillen Gruß wollen die Zwickauer Gäste beim Abschied vom Berg weitergeben. An der Stelle, an der Baubürgermeister Rainer Dietrich vor fünf Jahren starb, wollen sie für eine Gedenkminute innehalten, sagt Karl Remitz.

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