Glauchaus Freie Wähler wollen Kita-Gebühren einfrieren

Eltern zahlen überdurchschnittlich viel. Mit dem Anstieg der Betriebskosten erhöhen sich ihre Beiträge seit Jahren. Damit soll nun Schluss sein. Doch ist das eine gute Idee?

Glauchau.

Eine Familie, die ihr Kind in einer der Glauchauer Kinderkrippen für neun Stunden am Tag betreuen lässt, zahlt derzeit 217,55 Euro pro Monat. Dies gilt seit dem 1. Januar 2019, und es deutet sich an, dass es zum 1. Januar 2020 noch mehr wird. Das jedoch wollen die Freien Wähler in Glauchau verhindern. Ihre Stadtratsfraktion brachte einen Antrag durch. Demnach soll die Stadtverwaltung prüfen, ob die Gebühren 2020 stabil bleiben können. Zur Erklärung: Die Höhe der Elternbeiträge für Kindertagesstätten ist anhängig von der Höhe der Betriebskosten - dahinter verbergen sich Personal- und Sachkosten, die im Durchschnitt bei allen Einrichtungen anfallen, das Ganze versetzt um zwei Jahre. Das heißt, die Betriebskosten aus dem Jahr 2017 sind bestimmend für die Elternbeiträge im Jahr 2019. Und für die Beiträge der Eltern ab 2020 sind die Betriebskosten von 2018 maßgeblich. Die sind im Vergleich zu 2017 gestiegen. Das würde eben dazu führen, dass die Elternbeiträge erneut steigen. "Im Landkreisvergleich liegen die Glauchauer Kita-Beiträge bereits sehr hoch", sagt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Stadtrat, Stephan Wusowski.

Doch ist es eine gute Idee, die Beiträge der Eltern gewissermaßen einzufrieren? Die Betriebskosten sind in den vergangenen Jahren permanent gestiegen, somit auch die Beiträge der Eltern. Und es steht zu befürchten, dass ab 2021 die Steigerung für die Eltern höher ausfällt. "Deshalb haben wir einen Prüfantrag gestellt", sagt Wusowski. Man brauche verlässliche Zahlen. Denn was die Eltern nicht zahlen, müsste dann die Stadt Glauchau aufbringen. Und ob das innerhalb des gesetzlichen Rahmens funktioniert, ist fraglich. Laut geltendem Kita-Gesetz sind es neben den Eltern die Kommune und der Freistaat, die für die Betriebskosten aufkommen. Dabei kann die Kommune den prozentualen Anteil der Eltern verändern. Die Spannweite liegt im Bereich der Kinderkrippen zwischen 15 und 23 Prozent, in den Kindergärten zwischen 15 und 30 Prozent. Weiter runter darf die Stadt nicht. Wobei im letzten Kindergartenjahr der Elternanteil bei null liegen darf. In der Hortbetreuung liegt der Anteil der Eltern in der Spanne von null bis 30 Prozent. In Glauchau werde aktuell in allen Kategorien der höchstmögliche Prozentsatz den Eltern auferlegt: Krippe 23 Prozent, Kindergarten und Hort jeweils 30 Prozent.


Der FDP-Stadtrat Nico Tippelt wartet auch auf konkrete Zahlen. "Ist es ein Automatismus, dass jedes Jahr die Personal- und Sachkosten und somit die Beiträge der Eltern steigen?", fragt er. Die Veröffentlichungen seitens der Stadt Glauchau zeichnen ein eindeutiges Bild: Seit Jahren steigen die Kosten. Im Jahr 2011 lagen die Betriebskosten, heruntergerechnet auf einen Neunstundenplatz in der Krippe, bei 756,69 Euro pro Monat. Davon waren 591,10 Euro Personalkosten. Die Zahlen für 2017, maßgeblich für die Höhe der jetzigen Elternbeiträge: Die Personalkosten lagen 764,29 Euro, die Sachkosten bei 181,56 Euro. In der Summe ergibt dies Betriebskosten pro Platz und Monat von 945,85 Euro. Davon zahlen die Eltern 217,55 Euro. Mittlerweile sind auch die Betriebskosten des Jahres 2018 bekannt, die für die Berechnung der Elternbeiträge ab 2020 bestimmend sind. Sie liegen bereits im vierstelligen Bereich, nämlich exakt bei 1036,07 Euro, wobei der Anteil der Personalkosten bei 849,54 Euro liegt. Von diesen 1036,07 Euro müssten die Eltern für einen Neunstundenplatz in der Krippe 23 Prozent bezahlen, wenn sich die Freien Wähler mit ihrem Plan nicht durchsetzen. Das wären rein rechnerisch dann etwas mehr als 230 Euro.

Doch Freie-Wähler-Chef Wusowski hat als Ziel ausgegeben: "Wir wollen bei den Elternbeiträgen das Niveau von 2017 erreichen." Damals lagen der Elternbeitrag für ein Neunstundenplatz in der Krippe bei 186,55 Euro pro Monat.

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