"Meerane könnte in 15 Jahren schuldenfrei sein"

Kämmerin Kerstin Eis über Investitionen, aktuelle Bauvorhaben, den demografischen Wandel und dessen Auswirkungen

Meerane.

Nach der Auflösung der Stadtentwicklungsgesellschaft im Jahr 2000 hatte Meerane 25 Millionen Euro Schulden. Jochen Walther hat darüber mit der Kämmerin Kerstin Eis gesprochen.

Freie Presse: Die Stadt Meerane schiebt immer noch einen riesigen Schuldenberg vor sich her. Wann sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?


Kerstin Eis: Der derzeitige Schuldenstand, der sich aus Kreditaufnahmen für Investitionen ergibt, beläuft sich auf 12,9 Millionen Euro. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 890 Euro. Wenn wir kontinuierlich und in gleicher Höhe tilgen, könnte die Kommune in etwa 15 Jahren schuldenfrei sein.

Sie hatten Ende 2018 erklärt, dass in diesem Jahr 2,94 Millionen Euro in die Verbesserung der Infrastruktur fließen - mit Fördermitteln und Schlüsselzuweisungen. Sind Sie da auf einem guten Weg?

Ich denke schon. Immerhin liegen alle geplanten Investitionsvorhaben im Zeitplan. So wird der zweite Bauabschnitt sowohl in der Kita "Buratino" als auch im Volkshaus Ende Oktober beendet sein. Die Baumaßnahme an der Kindertagesstätte "Arche Noah" soll Ende September abgeschlossen werden. Und auch die Errichtung des Wirtschaftsweges an neuen S 288 im Gewerbegebiet liegt wir im Zeitplan.

Der Demografiewandel greift weiter in alle Bereich des gesellschaftlichen Lebens ein. Welche Auswirkungen hat der anhaltende Rückgang der Einwohnerzahl auf die Einnahmen und die damit verbundene Investitionskraft?

Sie haben recht. Die Anzahl der Einwohner in Meerane nimmt weiter ab. Dadurch müssen wir in Zukunft mit weniger Schlüsselzuweisungen rechnen. Gleichzeitig wird auch der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung geringer, sodass der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer ebenfalls rückläufig sein wird. Das heißt aber nicht, dass wir weniger investieren können. Vielmehr muss nun das Geld in den Umbau der vorhandenen Infrastruktur fließen, damit es uns gelingt, die Stadt so auszurichten, damit der Schrumpfprozess nicht zum Problem wird. So sind zum Beispiel die Schülerzahlen wieder rückläufig, was Auswirkungen auf die Nutzung der Schulgebäude hat. Andererseits nimmt die Zahl der Senioren zu, was zum Teil mit einem erhöhten medizinischen und Pflegebedarf verbunden ist. Ich will die Sache daher so zusammenfassen: Es wäre schön, wenn durch den Finanzausgleich auch der demografische Wandel berücksichtigt wird. Denn das würde im Endeffekt für eine finanzielle Entlastung der Kommunen sorgen. Davon würde auch Meerane profitieren.

Wie werden angesichts dieser Entwicklung die Hebesätze für die Steuern zukünftig aussehen?

Um es gleich vorweg zu nehmen. Es sind im Moment keine Erhöhungen der Hebesätze geplant. Wichtig ist, dass die Grundsteuer erhalten bleibt und nicht verloren geht. Für die Stadt sind das 1,9 Millionen Euro.

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