Mehr vom Stoff

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Sch(m)erzhaft: Was die Region die Woche bewegte

Stoff, die Menschen brauchen Stoff. Der Schneider für die Kledage, der Autor für sein Machwerk, der Poet für seine Reimjuwelen, der Leser für seine Erbauung, der Abhängige für seinen Rausch, der Impfling für sein Immunsystem. Impfstoff ist ja geradezu schon zu einer Währung geworden. Und da ist es natürlich teuer, im gesamten Landkreis Zwickau die Impf-Reihenfolge aufzuheben, wie Landrat Christoph Scheurer es gefordert hat. Das kostet Serum, starke Nerven und, wenn es in der (Arzt)Praxis nicht klappt, wie wir diese Woche gesehen haben, auch eine gehörige Portion gute Laune. Kein Astra für alle, Biontech für Berechtigte. Johnson? Sputnik?

Mini-Reim über den Mangel mit angehängtem negativen Dealer-Spruch: Sirum, Serum Löffelstiel - von dem Impfstoff gibt's nicht viel. Nicht heute und nicht morgen, kann er was besorgen. Der Druck wird größer. Viele Zeitgenossen lechzen nach ihrer ersten Spritze. Andere, zumindest die Spechte unter den Menschen, warten, bis die Schluckimpfung da ist.

Apropos Schlucken. Das mussten diese Woche die Fernsehzuschauer im MDR auch, als der Waldenburger Bürgermeister Bernd Pohlers einen Wettbewerb im Flaschenöffnen verlor. Er trat gegen einen TV-Moderator an und musste Sekt-, Bier- und Weinflaschen auf Schnelligkeit öffnen. Da schwappte auch mal aus auf den Tisch. Die Schluckspechte unter uns Menschen krähten, weil es ja schließlich Alkohol ist, der da vergeudet wird. Die anderen unter uns, die Corona bekämpfen wollen, schimpfen auch. Wenn es wenigstens Serumflaschen gewesen wären. Dann hätten die Pfützen auf der Platte wenigstens noch einen kleinen Sinn. Nicht zum Schlecken, wie der Schluckspecht vielleicht denkt, sondern anders. Beim Verdunsten der Serumpfütze auf dem Tisch steigen die Moleküle nach oben, vermischen sich mit den Aerosolen der unmaskierten Umsitzenden und machen den Viren ein für alle Mal den Garaus.

Da kann doch die Gastronomie wieder öffnen, frohlockt der Schluckspecht und greift leise zum Stoff. Das klappt doch nie, doziert der Gesundheitsexperte lauter am Bach. Weg mit den Regeln, schreien die Ignoranten quer über den Platz.

Und wir, die wir das alles von unserem Pult aus beobachten? Wir bleiben gelassen mit gebührendem Anstand und nötigem Abstand. Aber das hier musste mal raus.

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