Schule: Studentin forscht zu Technik für Behinderte

Digitalisierung unterstützt den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung - wie ein Beispiel in Glauchau deutlich macht.

Glauchau/Dresden.

Obwohl sich Victoria Kopitz derzeit durch unzählige Bücher wälzt, ist die 23-Jährige eher ein praktischer Mensch. So verwundert es kaum, dass sie die Unterstützung von behinderten Schülern im Unterricht von der praktischen Seite betrachtet. Also: Wie können technische Geräte den Schulalltag von behinderten Kindern erleichtern, beim Lernen helfen?

Genau das untersucht Kopitz an der Internationalen Grundschule in Glauchau, wo die Zweitklässlerin Katalie Scheurer unterrichtet wird. Das Mädchen sitzt in einem Spezialrollstuhl, kann nicht sprechen. "Verstehen kann sie aber alles", stellt Kopitz klar, die Sportpädagogik studierte und nunmehr ihren Master im Studiengang "Weiterbildungsforschung und Organisationsentwicklung" an der TU Dresden macht.

So steht Katalie im Unterricht ein Computer mit Bildschirm zur Verfügung, den sie über ihre Augen steuern kann. Überhaupt erobern Kopitz zufolge besonders Tablets und interaktive digitale Tafeln, die mit einem Computer verbunden sind, die Klassenzimmer. Das kommt auch Katalie zugute, deren Computer mit der digitalen Tafel verbunden sei, betont die Studentin. "Hier wird Inklusion, also der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung, durch den Einsatz von Technik erst möglich und auch gelebt", erläutert Kopitz weiter.

Doch die gebürtige Glauchauerin will tiefer bohren. Sie will hinterfragen, inwieweit technische Lernmittel auch für behinderte junge Leute in Oberschulen und Gymnasien nutzbar sind? Kann Technik auch Behinderten den Zugang zur Hochschule besser erleichtern als bisher? Und: Sind die Lehrkräfte in allen Bereichen überhaupt darauf vorbereitet? Für die Studentin gibt es weiter mehr Fragen als Antworten. "Das liegt auch daran, dass es dazu zwar schon Forschungen gibt. Die stehen aber meist für sich, lassen kaum Rückschlüsse auf die damit verbundenen eigentlichen Probleme zu", sagt die junge Frau, die sich in Kürze mit einem Hersteller technischer Hilfsmittel für behinderte Schüler trifft. Dann beschäftigt die Studentin eine weitere Frage: Gibt es Grenzen bei der Entwicklung von Bildungstechnologien speziell für Behinderte? Oder ist das Gegenteil der Fall, liegen in dem Bereich große Hoffungen, da die Digitalisierung an den Schulen nicht mehr aufzuhalten sei. Kopitz weiß in dem Zusammenhang nur zu gut, dass das Thema "sehr durch die Bildungspolitik bestimmt wird". Auch das dürfte in die Forschungsarbeit einfließen.

Auf deren Ergebnis ist neben der TU Dresden auch Schulchefin Bianka Teichmann gespannt. "Wir sind stolz, dass diese Forschungsarbeit an unserer Schule entsteht." Nicht nur deshalb hat Kopitz bereits einen Vorvertrag für eine Anstellung an der Internationalen Grundschule erhalten. Die Studentin übernimmt ab Schuljahr 2019/20 eine erste Klasse.

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