Abschied vom "Braunen Ross"

Mit der Grundsteinlegung für einen Neubau hat die Karl-May-Stadt gestern ein Kapitel Baugeschichte am Altmarkt beendet.

Hohenstein-Ernstthal.

Rein mit der Hülse, drei Hammerschläge - schon ist der Grundstein gelegt für das Wohn- und Geschäftshaus am Hohenstein-Ernstthaler Altmarkt 21, das an jener Stelle entstehen wird, wo einst das Gasthaus "Braunes Ross" Geschichte schrieb.

Ganz so einfach war das nicht. Arnd Pahling, der als Geschäftsführer der WG Hot zur Grundsteinlegung gestern als Bauherr auftrat, erinnerte vor 60 Gästen noch einmal an den steinigen Weg, der mit dem Kauf des historischen Gemäuers im Jahr 2013 begann. Dem folgte der umstrittene, aber unvermeidbare Abriss im Februar 2016, nachdem das Haus viele Jahre leer gestanden hatte. "Altes zu erhalten und zu bewahren, ist zwar ehrenhaft, aber nur dort, wo es sich lohnt", begründete Pahling. Er sprach hinsichtlich des Abrisses von einer rein wirtschaftlichen Entscheidung. Bis 2013 hatte sich kein Investor für das Haus gefunden, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1446 zurückreichen. Da soll es an der Stelle schon ein Haus gegeben haben, das im März des Jahres 1683 zusammen mit acht weiteren Gebäuden abgebrannt ist. Das Haus entstand danach neu. Anfang des 18. Jahrhunderts soll es dort schon Bewirtung gegeben haben. Die war allerdings illegal. Aus dem Jahr 1715 ist bekannt, dass sich deswegen mehrere Wirte der Stadt darüber beklagten. Der Name Gasthaus "Braunes Ross" stammt aus jener Zeit, als Kutscher hier ein Mahl fanden und Fuhrwerke umspannen konnten. In den Stallungen fanden bis zu 80 Gäule Platz. In DDR-Zeiten bewirtschaftete die HO den Laden. Später stand das Haus Jahre leer.

Inzwischen ist die Betongrundplatte gegossen. Darauf wächst ein 2,7 Millionen Euro teures Wohn- und Geschäftshaus, in dem auf zwei Etagen Büroräume für die WG Hot und in den Obergeschossen sechs Wohnungen entstehen. Die Fassade soll sich ins Gebäudeensemble einfügen. Einen historischen Nachbau wird es aber nicht geben. "Wir sollten uns also langsam von dem Begriff 'Braunes Ross' verabschieden", sagte Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU), der vor dem symbolischen Einsetzen der Kupferhülse die Kelle schwang. Er dankte vor allem den Nachbarn für ihre Geduld. So auch Barbara Bernhard, deren Haus mit etlichen zwei bis drei Meter langen Ankern gesichert werden musste. Weder an ihrem Haus noch am Hotel "Drei Schwanen" auf der anderen Seite habe es beim Abriss Beschädigungen gegeben. "Die haben ganze Arbeit geleistet", lobte Kluge, der von Barbara Bernhard einen handtellergroßen Stein übergeben bekam. Der hatte für das einzige Malheur gesorgt, als er gegen die Scheibe des Schlafzimmerfensters fiel. Kluge hatte die Lacher auf seiner Seite, als er das kommentierte: "Jener junge Bauarbeiter, der hier fensterln wollte, hat heute die Gelegenheit, direkt Kontakt aufzunehmen." Die Seniorin nahm diese Version des Vorkommnisses ebenso amüsiert zur Kenntnis wie die Gäste. Für die WG Hot ist der Neubau nicht da erste bauliche Engagement am Altmarkt. Die Gesellschaft hat auch bereits das Haus der Kleinen Galerie und den Zugang zum Stadtgarten saniert. Die 100-prozentige Tochter der Stadt verwaltet derzeit 1350 eigene Wohnungen und erbringt ähnliche Dienstleistungen für andere Hauseigentümer.

Die Kupferhülse findet erst in wenigen Wochen ihren endgültigen Platz. Mit ihr werden die Bauherren eine "Freie Presse", ein Amtsblatt, einen Stadtplan, die aktuelle Ausgabe der Miederzeitschrift der WG Hot, Münzen und anderes versenken.

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