Ärztemangel: Vier Mediziner zu wenig

Am 1. Juli öffnet in der Innenstadt von Hohenstein-Ernstthal eine neue Arztpraxis. Dennoch sehen einige Stadträte noch immer Probleme bei der Versorgung. Und die Situation könnte schlimmer werden.

Hohenstein-Ernstthal.

Auf den ersten Blick ist es eine deutliche Verbesserung der Situation. Wenn der Allgemeinmediziner Dr. Jürgen Rietzschel am 1. Juli in der Stadtpassage von Hohenstein-Ernstthal seine Arbeit aufnimmt, dann ist er der sechste Hausarzt direkt in Hohenstein-Ernstthal. Doch wirklich neu ist der Mediziner hier nicht. Bisher praktizierte er in Wüstenbrand und zieht jetzt nur in die Innenstadt um.

Geht es nach dem ehemaligen Hausarzt und heutigen CDU-Stadtrat Klaus Stiegler, dann fehlen noch immer mindestens vier Ärzte in Hohenstein-Ernstthal. "Zwei weitere Hausärzte würden uns guttun. Außerdem fehlt ein Hautarzt und ein Chirurg", sagt Stiegler im Gespräch mit der "Freien Presse". Insgesamt fehlen also mindestens vier Mediziner. Besonders schwierig ist die Lage aktuell bei den Hautärzten. In dieser Fachrichtung gibt es in Hohenstein-Ernstthal derzeit keine Praxis. Hinzu kommt, dass in den nächsten Jahren einige der hier praktizierenden Fachärzte in den Ruhestand gehen werden. Dazu gehören laut Stiegler unter anderem ein Lungenarzt und einige HNO-Ärzte. "Die Stadt hat ein Facharztproblem", sagt er.


Linken-Stadtrat und Bürgermeisterkandidat Alexander Weiß kann diese Liste sogar noch mit zwei Kinderärzten ergänzen. "Die werden ebenfalls in den nächsten zehn bis 15 Jahren in den Ruhestand gehen", sagt er. Aus seiner Sicht liegt die Ursache des Ärztemangels in Hohenstein-Ernstthal nur bedingt bei der Stadt selbst. "Es gibt zu wenig Studienplätze für Mediziner", sagt er und fordert, dass künftig auch in Chemnitz neue Ärzte ausgebildet werden sollen. "Viele bleiben nach dem Studium in der Region. Das würde uns sicher helfen", meint er. Aus seiner Sicht würden die Kommunen bei diesem Thema derzeit noch zu wenig Druck auf die Landespolitik ausüben. "Eine Stadt allein kann da wenig machen. Aber etwa über den Städte- und Gemeindetag könnte da sicher auch von der Basis etwas bewegt werden."

Auch Klaus Stiegler meint, dass mehr Druck sinnvoll sei. Doch von der Idee, dass auch in Chemnitz ein Arztstudium angeboten werden soll, hält er wenig. "Die Technische Universität in Chemnitz ist dafür zu klein. Besser ist es, wenn dort die Kapazitäten erhöht werden, wo es bereits ein Medizinstudium gibt", so der CDU-Stadtrat. Die nächsten Ausbildungsstätten befinden sich in Dresden, Leipzig und Jena.

Zuständig für die Zulassungskriterien der Studienplätze sind die Länder. Auch wenn die Stadt daran kaum etwas ändern kann, so muss sie zumindest möglichst attraktiv für neue Ärzte sein. Darin sind sich Klaus Stiegler und Alexander Weiß einig. "Wir müssen uns darum kümmern, dass es für die Partner der Ärzte ausreichend Arbeitsplätze gibt", meint der Fraktionsvorsitzende der Linken im Stadtrat, Alexander Weiß. "Die Stadt kann zumindest gute Rahmenbedingungen schaffen, etwa für ausreichend Bauland sorgen", sagt CDU-Stadtrat Stiegler.

Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass die Ärzte selbst vor dem Ruhestand nach möglichen Nachfolgern suchen. Er selbst hat das auch bei seiner Praxis getan und ist dabei in Spanien fündig geworden. "Einfach ist das aber nicht", gibt er zu.

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