Alte Rennpappen lassen es rauchen

Der Duft von Zweitakter-Gemisch zieht durch Hohenstein-Ernstthal. Schuld ist ein Rendezvous der schnellen Trabis.

Hohenstein-Ernstthal.

Streng geheim gehaltene PS aus 600 Kubikzentimeter Hubraum, drumherum eine Knautschzone aus naturfaserverstärktem Kunststoff und der prasselnde Räng-täng-täng-täng-Sound aus der Auspufftüte - das war die Rennversion der DDR-Plastikbomber.

Aus dem Straßenbild sind die Zwickauer Zweitakter fast verschwunden. Doch am Sonnabend füllt sich das Areal am Textil- und Rennsportmuseum (TRM) in der Antonstraße in Hohenstein-Ernstthal wieder mit schnellen Vertretern der Marke Trabant. Dort steigt das TRM-Rennpappentreffen. Von 10 bis 17 Uhr werden die Fahrzeuge, Besitzer und Rennfahrer zu Gast sein. Obwohl der Trabant im Normalzustand alles andere als rennsporttauglich war, gab es zu DDR-Zeiten viele Enthusiasten, die ihn mit Geschick und technischem Sachverstand aufpeppten, um Tourenwagen in Rallye- oder auch Formel-Rennwagen zu verwandeln. Kaum einer weiß heute noch, dass zwei Duroplast-Renner 1970 bei der Rallye Monte Carlo einen Doppelsieg in der Klasse bis 850 ccm einfuhren - die internationale Konkurrenz war plötzlich in Schockstarre.

Die Veranstaltung im TRM soll die Vielfalt des Trabis im Rennsport aufzeigen. Viele der Fahrzeuge werden noch heute im historischen Rennsport eingesetzt. So kümmert sich die "Historische A 600 Interessengemeinschaft" des HMC Wünschendorf um den Erhalt und Einsatz von Renntrabis im Straßenrennsport und organisiert den ADMV-Trabant-RS-Cup. Und so ist es wohl auch nicht abzusehen, dass der beliebte Zweitakter aus dem historischen Rennsport verschwindet.

Während manche den Trabi damals wie heute vornehmlich als Einstieg in den Rennsport nutzen, konzentrieren sich andere voll und ganz auf dessen professionelle technische Weiterentwicklung. Namen wie Helmut Assmann, Klaus Schumann, Hartmut Krüger und Siegfried Schulz sind in der Szene gut bekannt. Rund um Kommentatoren-Legende und Ex-Trabi-Pilot Lutz Weidlich werden in entspannter Atmosphäre aktuelle und ehemalige Akteure der Trabant-Rennsport-Szene zu Wort kommen, spannende Geschichten erzählen, Fahrzeuge und Technik präsentieren. Die Gesprächsrunden sollen 11 und 14 Uhr stattfinden. Nicht nur echte Rennpappen sind am Samstag willkommen. "Wir laden auch andere Trabant-Besitzer ein, mit ihrem Fahrzeug vorbeizukommen", sagt Museumsmitarbeiter Randy Kämpf, Mitorganisator des Treffens. Er hofft auf viele Besucher, die einen Blick auf die Kult-Flitzer werfen wollen.

Die Antonstraße wird gesperrt, damit die Fahrzeuge Aufstellung nehmen können. Besonders freuen dürfen sich Teilnehmer und Gäste auf ein Wiedersehen mit dem wohl erfolgreichsten Renntrabant aller Zeiten - die legendäre Nummer "5" von Klaus Schumann. Auch der schnellste Trabi der Welt hat sein Kommen angekündigt.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...