Aus Wut Gardine angezündet

Was sich am 20. Juli 2016 in Limbach-Oberfrohna abspielte, war eine der skurrilsten Beziehungskisten des Jahres. Dort brannte nicht nur die Luft. Nun musste Justitia ran.

Hohenstein-Ernstthal.

Bürgerpolizist Frank Michael Klaua glaubt eigentlich, seine Pappenheimer zu kennen. Nicht zum ersten Mal muss er am 20. Juli 2016 in Limbach-Oberfrohna anrücken, weil ein Rentnerpaar miteinander im Clinch liegt. Doch diesmal hat der Polizeibeamte den kompletten Rettungsdienst im Schlepptau. Gegen 12 Uhr rücken auch Feuerwehr und Rettungswagen an der Chemnitzer Straße an.

Gestern stand ein 75-jähriger Rentner vor dem Amtsgericht in Hohenstein-Ernstthal. Anklage: Brandstiftung! Er soll aus Wut und Ärger über seine Partnerin die Gardine in der Wohnung angezündet haben.

In ihr sieht es wüst aus, als der Bürgerpolizist dazu kommt. Verbrannte Gardinenreste, eine verrußte Wand, Rauch und ein angesäuselter Rentner im Sessel, der sofort einräumt, die Gardine in Brand gesetzt zu haben. Stein des Anstoßes: die nackte Forelle auf dem Küchentisch. Sie sollte längst in der Pfanne brutzeln. So hatte sich das der 75-Jährige für sein Mittagessen vorgestellt. Doch seine Lebensgefährtin weigerte sich zu kochen. Das brachte bei dem Senior das Fass zum Überlaufen. "Dann brenne ich eben die Gardine an", soll er damals gesagt haben. Als seine Mitbewohnerin antwortete, er sei zu feige dazu, griff er tatsächlich zum Feuerzeug. Das Dumme nur: Der aus Dederon bestehende DDR-Vorhang fackelte sofort ab. Das Feuer erlosch aber von selbst, als ihm das Material ausging. "Glücklicherweise griffen die Flammen nicht auf den Schaumstoffsessel oder anderes brennbares Material über", sagte später ein Brandursachenermittler.

"Ich weiß nicht, welcher Teufel mich da geritten hat", zeigte sich der Rentner vor Gericht reumütig. Man habe sich im Vorfeld gestritten. "Sie trinkt mehr als ich, räumt nicht auf und will nicht kochen", schimpfte der Rentner, der zum Tatzeitpunkt - 12 Uhr mittags - nach Rückrechnung der gemessenen Blutalkoholkonzentration bereits 1,5 Promille intus gehabt haben soll. Um sich ein Bild von den Trinkgewohnheiten des Angeklagten zu machen und dazu, was er sich so leisten kann, fragte Richter Manfred Weber nicht nur nach der täglich konsumierten Menge, sondern auch nach dem Lieblingsbier. Über die Schleichwerbung in der Antwort des Angeklagten hätte sich Astrid Peiker, Chefin der Glückauf-Brauerei, sicher gefreut. Die Ansage des Rentners war kurz und prägnant: "Abends mal fünf Flaschen, am liebsten Gersdorfer." Warum er allerdings schon mittags so alkoholisiert war, dafür hatte er keine Erklärung.

Weil der Rentner zwar schon mehrfach für Polizeieinsätze gesorgt hat, aber noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, ließ Justitia Gnade vor Recht ergehen. Das Gericht rechnete außerdem seine Alkoholisierung an sowie die Tatsache, dass der Brand nur minimale Schäden verursachte. Das Urteil: 600 Euro Geldstrafe wegen Versuchs der schweren Brandstiftung in minderschwerem Fall.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...