Autor reist weit in die Vergangenheit

HEIMATGESCHICHTE: Der Hohenstein-Ernstthaler Schriftsteller Werner Legère und seine Verbindung zu Bar Kochba.

Hohenstein-Ernstthal.

Im Staatlichen Museum für Archäologie in Chemnitz läuft eine hochkarätige Sonderausstellung zum Thema "Leben am Toten Meer". Dem Besucher begegnet dabei der Name Bar Kochba. Was hat der, wenn auch indirekt, mit Hohenstein-Ernstthal zu tun?

Der Hohenstein-Ernstthaler Schriftsteller Werner Legère, Ehrenbürger der Stadt, hat den Juden Bar Kochba zum Haupthelden eines seiner Werke gemacht. Eigentlich wollte Legére in Karl Mays Fußstapfen treten. Er wurde 1912 geboren, in dem Jahr, in dem Karl May starb. Aber schließlich wurden, außer wenigen Abenteuerromanen, historische Romane sein hauptsächliches Betätigungsfeld.

Am 28. Mai 1912 erblickte Legère als Sohn eines Ratsexpedienten und einer Schneiderin in Hohenstein-Ernstthal das Licht der Welt. Der Vater fiel im Ersten Weltkrieg. Legère wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Firma Berends und arbeitete dann viele Jahre als Fremdsprachenkorrespondent im Oberlungwitzer Textilunternehmen von Louis Bahner.

1940 wurde seine berufliche Laufbahn durch die Einberufung zur Wehrmacht jäh unterbrochen, so kam er unter anderem als Fernschreiber nach Frankreich. 1945 bis 1947 litt der seit 1942 mit Ruth Corsa verheiratete Mann in russischer Kriegsgefangenschaft. Mit verschiedenen Anstellungen, journalistischer Tätigkeit und als Fotograf in seiner Heimatstadt schlug sich Werner Legère mit seiner Familie durchs Leben.

Seinen Start als Schriftsteller legte er mit zwei Abenteuerromanen hin: "Ich war in Timbuktu" (1953) und "Unter Korsaren verschollen" (1955). In seinem fünften Buch "Stern aus Jacob" (1963) widmete er sich Bar Kochba, dem Anführer eines Aufstandes gegen die Römer im "Heiligen Land". Damit griff der Autor weit in der Geschichte zurück, ins Jahr 132 n. Christi. In jener Zeit hatte das Römische Imperium eine Größe, die von Gibraltar bis an den heutigen Iran und von Schottland bis Ägypten reichte. Die Römer, etwa 80 Millionen Menschen, unterdrückten diese Ländereien und Völker, so auch die Juden - etwa sechs Millionen Menschen. Mehrfach erhoben sich diese gegen die Besatzer, so im 1. Jüdischen Krieg im Jahre 66. Ein zu den Römern übergetretener Jude namens Joseph ben Matthias erhielt unter Kaiser Vespasian (9 - 79 nach Christus die Genehmigung, sich fortan Flavius Josephus zu nennen. Eben dieser wurde zum Chronisten jenes Krieges. Dadurch wissen wir relativ viel darüber.

Ganz anders verhielt es sich in den Jahren 132 bis 135 nach Christus beim Bar-Kochba-Aufstand. Da gab es keinen Geschichtsschreiber Flavius Josephus (37 - 100 nach Christus) mehr, aber auch keinen anderen Schreibenden. So ist unser Wissen über diesen Aufstand gegen die Römer ziemlich spärlich. Beschwerlich war die Recherche, die Werner Legère in Sachen Bar Kochba, der in der Geschichte auch als Simeon ben Koseba bekannt war, anstellte. Im Alten Testament der Bibel wurde im 4. Buch Mose die Ankunft eines "Sternensohnes" verkündet, der den Freiheitskampf des jüdischen Volkes führen wird: "Es wird ein Stern aus Jacob aufgehen ..." Für diesen Erlöser hielten die Juden Bar Kochba, der sie vom Joch der römischen Besatzung befreien sollte, dem sie schon mehrfach erfolglos die Stirn geboten hatten.

Der Aufstand der Juden unter Bar Kochba brach für die Römer völlig unerwartet los. Sie wurden überrascht und erlitten zunächst große Verluste. Schließlich wendete sich das Blatt. Die Römer gewannen die Oberhand. Die Juden mussten fliehen und zogen sich mit einigen Habseligkeiten in schwer zugängliche Höhlen in den Felsen der Westseite am Toten Meer zurück. Dort wurden sie von den Römern ausgehungert.

Im Jahre 135 nach Chr.istus war damit der Bar-Kochba-Aufstand endgültig niedergeschlagen. Legère ließ historische Personen im Roman wieder aufleben, fügte sie mit seinen Romanfiguren und den wenigen, bekannten historischen Fakten auf 670 Seiten seines Buches spannend geschildert aneinander.

Die Ausstellung im Chemnitzer Archäologiemuseum "Leben am Toten Meer" gewährt Einblicke in die einzigartige Kulturlandschaft am Toten Meer anhand neuester Forschungen. So werden Geschehnisse und gegenständliche Zeugnisse in diesem einstigen Handlungsraum der Römer im Heiligen Land präsentiert. Somit wird auch die Geschichte Bar Kochbas, wie sie Legère beschrieb, wieder lebendig. 1961/63 fand man in der "Cave of letters", der Höhle der Briefe, an der westlichen Seite des Toten Meeres, wo einige jüdische Familien um Bar Kochba ihre letzte Zuflucht fanden, Briefe Kochbas und Alltagsgegenstände jener frühen Jahre. Insgesamt belegt diese Ausstellung ein Stück weit den Exkurs Legères in die Tage des Bar Kochba.

Die Sonderausstellung im Staatlichen Museum für Archäolgie in Chemnitz, Stefan-Heym-Platz 1, ist bis zum 29. März zu sehen.


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