Böden leiden unter Wassermangel

Trotz der erst wenigen heißen Tage ist der Boden in Westsachsen ungewöhnlich trocken. Wie wirkt sich das auf das Leben in der Region aus?

Zwickau/Hohenstein-Ernstthal.

Bereits zu Beginn des Sommers leiden die Böden in Westsachsen unter erheblichem Wassermangel. Das geht aus dem Dürremonitor Deutschland hervor, den das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig erstellt hat. "Es fehlt Regen", sagte UFZ-Klimaforscher Andreas Marx. "Um das Grundwasser aufzufüllen, müsste es vier bis fünf Monate überdurchschnittlich regnen." Die Hitze sei zwar erst im Juni gekommen und damit später als im vergangenen Jahr, bereits im Winter sei allerdings zu wenig Niederschlag gefallen. Das habe die jetzige Dürre begünstigt.

In weiten Teilen der Region ist der Boden laut UFZ bis zu 25 Zentimeter trocken. In tieferen Bodenschichten bis 1,80 Meter zeigt der Monitor großflächig eine außer- gewöhnliche Dürre an. Das betrifft den Bereich zwischen der Landesgrenze zu Thüringen und den Städten beziehungsweise Gemeinden Crimmitschau, Mülsen, Wildenfels und Hirschfeld. Als ungewöhnlich trocken und moderat dürr bezeichnet das UFZ hingegen den Bereich von Wildenfels bis Hirschfeld zum Vogtland.


Die Bodentrockenheit führt laut Marx zu Problemen in der Landwirtschaft sowie erhöhter Waldbrand- gefahr. Sie senkt auch die Widerstandskraft der Bäume gegen Schädlinge. Die Auswirkungen für den Forstbereich seien dramatisch. Vor allem der Borkenkäfer habe sich rasant entwickelt. Teilweise würden drei bis vier Populationen vorgefunden, normal seien es zwei. Zudem breiteten sich wegen des niedrigen Wasserstands in kleineren Seen Algen aus.

Besonders an diesem Wochen- ende ist die Waldbrandgefahr in der Region sehr hoch. Bei Temperaturen um 36 Grad prophezeit das Landesforstamt Sachsen für Sonntag die höchste Waldbrandstufe. Bis 2014 war das Stufe 4, danach wurde das System um eine Stufe erweitert, sodass inzwischen Stufe 5 als höchster Wert gilt. "Ich kann mich nicht daran erinnern, wann es Stufe 5 das letzte Mal gegeben hat", sagte der Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Meerane, Kai Götze. Betroffen sind den Voraussagen nach auch Mittelsachsen und Chemnitz. Im Erzgebirgs- und Vogtlandkreis ist die Situation leicht abgemildert. Dort herrscht Stufe 4.

Im Wald ist es oft tatsächlich die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe, die einen Brand auslöst. Feld- und Wiesenbrände werden häufig ausgelöst durch heiße Teile an Erntemaschinen oder wenn Steine von der Maschine erfasst werden und dadurch Funkenflug entsteht. In Zwickau gab es 2018 trotz der großen Trockenheit nur einige wenige Brände auf Wiesen- und Getreidefeldern. Auch in diesem Jahr erwartet die Feuerwehr in Zwickau keine außergewöhnlichen Einsätze. "Im vergangenen Jahr blieb die Brandhäufigkeit im Rahmen und ist nicht vergleichbar mit den zahlreichen Bränden in Brandenburg", sagte Heinrich Günnel, Leiter der Feuerwehrleitstelle. Dort gibt es im Vergleich zum stark besiedelten Westsachsen viel mehr land- und forstwirtschaftliche Flächen, wo Hitze und auffrischende Winde Feuer auf trockenen Böden begünstigen können.

Trotz gesunkenen Grundwasserstands müsse niemand in der Region Wassermangel befürchten. Die Zwickauer Wasserwerke verfügen zwar nicht über eigene Quellen. "Wir beziehen unser Wasser aus der Talsperre Eibenstock, und die ist gut gefüllt", sagte Geschäftsführerin Heike Kröber. Das Unternehmen versorgt rund 220.000 Einwohner. Auch Klimaforscher Marx gibt Entwarnung. Man dürfe nicht dramatisieren: "2018 war ein Extremereignis. Diese sind sehr selten, vor allem in aufeinanderfolgenden Jahren."

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