Callenberger laufen Sturm gegen Neubau der Straßenmeisterei

Im Internet ist eine Bürgerin aus Callenberg auf die Pläne zum Bau der neuen Straßenmeisterei an der Nordstraße gestoßen. Jetzt läuft eine Bürgerinitiative Sturm gegen die Pläne des Landkreises. Die Anwohner befürchten ein neues Lärmproblem.

Callenberg.

Viele Jahre lebten die Anwohner am Ende der Nordstraße in Callenberg ruhig. Dann eröffnete 2017 die neue Skateboardanlage am Sportplatz. Der Lärm, den die Rollen der Skateboards auf der Halfpipe produzierten, zerrte am Nervenkostüm der Anwohner. Fast ein Jahr dauerte der Kampf um eine Lärmschutzwand. Jetzt droht den Bürgern das nächste Problem.

Auf den Flurstücken 392/15 und 392/17 an der Nordstraße soll die neue Straßenmeisterei entstehen. Der Landkreis beabsichtigt, die Straßenmeistereien in Hermsdorf und Reinholdshain aufzugeben und am neuen Standort zu konzentrieren. Für die Planungen hat der Landkreis zur Sitzung des Wirtschafts-, Bau- und Verwaltungsausschusses im August den Weg geebnet. Auf einem 18.760 Quadratmeter großen Areal sollen ein Betriebsgebäude und vier Hallen für Lkw, Technik sowie Salzlager entstehen. Die Gesamtlagerfläche beträgt 2400 Quadratmeter. Das sieht zumindest die Ausschreibung vor. Auf diese ist eine Callenbergerin aufmerksam geworden. Seitdem läuft die neugegründete Bürgerinitiative "Grünes Band" gegen die Pläne Sturm.


"Die Flurstücke liegen direkt an der Wohnbebauung, obwohl es Empfehlungen gibt, Straßenmeistereien mindestens mit 300 Meter Abstand zur Wohnbebauung zu errichten", sagt René Engelhardt, ein Sprecher der Bürgerinitiative. Die Anwohner fürchten den Verlust der Wohnqualität. "Nicht nur, wenn die schwere Technik nachts zum Winterdienst ausrückt. Allein das Piepen der Fahrzeuge beim Rückwärtsfahren erzeugt mehr als 80 Dezibel (dB). Dazu kommen nachts die Lichtemissionen", sagt Heiko Scheu. Er ist selbst Planer. "Wir projektieren die Standorte von VW." Er kennt sich mit planerischen Aspekten und Gesetzen aus, hat sich vergleichbare Straßenmeistereien in mehreren Städten angesehen und hält den Standort für völlig ungeeignet. Die schalltechnischen Orientierungswerte der DIN 18005 für Wohngebiete von 55/45 dB(A) würden tags und bei Weitem nachts überschritten. Selbst die Orientierungswerte für Mischgebiete von 60/50 dB(A) tags/nachts, in denen ebenfalls Wohnen ohne Einschränkung zulässig ist, würden nicht eingehalten.

Das Landratsamt hatte ursprünglich auch eine Alternativfläche neben an der Staatsstraße S 248 neben dem Paketdienst geprüft. Die Fläche dient der Straßenmeisterei Hermsdorf bereits als Lagerplatz. "Dieser Standort musste wegen zu geringer Breite verworfen werden", teilte das Straßenbauamt des Landkreises auf Anfrage mit. Wie die Behörde weiter ausführt, "liegt auf der für die Errichtung der Straßenmeisterei in Callenberg vorgesehenen Fläche kein naturschutzfachlicher Schutzstatus. Auch geschützte Biotope sind auf den für die Errichtung der Straßenmeisterei vorgesehenen vorderen Bereich der Grundstücke an der Nordstraße 18 auszuschließen."

Das sieht die Bürgerinitiative ganz anders. Der vordere bebaubare Teil, rund 2000 Quadratmeter groß, wäre schon kleiner als die vorgesehene Hallenfläche. "Also müsste der hintere Teil mit bebaut werden, will man alle vorgeschriebenen Abstandsflächen einhalten", sagt Scheu. Doch dieser Teil ist aus Sicht der Bürgerinitiative ein Schutzgebiet. Nach dem Ende des Nickelerzabbaus hat sich die Natur hier das Terrain zurückerobert, ein grünes Band ist so entstanden. Heute sind diese Flächen und die Nickelerzbahntrasse mit einem "N" deklariert. Das steht für "Geschützter Landschaftsbestandteil". Für den Bau der Meisterei müsste dort eine große Fläche Grün fallen. Damit gehe wieder ein Stück Lebensraum für Fauna und Flora verloren. Was dort schützenswert ist, listet die Bürgerinitiative in einer Expertise auf. Im "Grünen Band" der ehemaligen Nickelerzbahn sind 51 Vogelarten registriert worden, darunter Goldammer, Waldohreule, Rotmilan, Grünspecht, Zaunkönig. Um den Bahndamm haben sich Weiden-, Birken- und Pappelgehölze ebenso wie die Stieleiche angesiedelt. Es gibt Buschwindröschen, echtes Johanniskraut, Wiesen-Bärenklau und Holunder.

Der Landkreis hat zwar zugesichert, der Bürgerinitiative die ersten Pläne sofort vorzustellen, sobald diese vorliegen. Doch die Bürger trauen dem Frieden nicht, fürchten, dass sie einmal mehr vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Die Bürgerinitiative hat bereits mehr als 100 Unterschriften gegen die Pläne gesammelt.

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