Das Comeback der Hochsitze

Der Motorrad Grand Prix 2019 auf dem Sachsenring läuft. Die Veranstaltung bei Hohenstein-Ernstthal ist berühmt geworden für ihre Besonderheiten und ihre verrückten Fans.

Hohenstein-Ernstthal.

Die Kerle hatten echt Humor. Bis zu zwölf Meter waren die merkwürdigen Konstruktionen hoch, auf denen sie es sich bequem machten. Na ja, von bequem kann eigentlich keine Rede sein, aber von hier oben aus gab es mit die beste Aussicht auf die Rennen auf dem Sachsenring. Indes hatte der gute Ausblick eine Kehrseite: Auf diesen Sitzen war es kreuzgefährlich, man riskierte Kopf und Kragen.

Die Rede ist von den legendären, selbst gebastelten Hochsitzen aus den 60er- und 70er-Jahren, die einst zuhauf an der Strecke standen. Es gab zu wenig Tribünenplätze, und die Leute in der DDR waren Weltmeister im Improvisieren. So wurden die Hochsitze zu einem Markenzeichen. Jetzt feiern sie ihr Comeback, zumindest in gewisser Weise. Beim Motorrad Grand Prix 2019 auf dem Sachsenring von Freitag bis Sonntag stehen drei dieser Konstruktionen - jeweils 4,50 Meter hoch - neben dem ADAC-Turm. Natürlich nachgebaut, keine Originale, und auch die Personen, die auf ihnen Platz genommen haben, sind nicht echt, sondern Puppen. Aber die Sitze, wie sie jetzt einfach so dastehen, lassen erahnen, wie abenteuerlich die Sache einmal war.


Die Idee dazu hatte Lutz Oeser, einer der beiden Geschäftsführer der Sachsenring Event GmbH, die den Grand Prix ausrichtet. "Der Sachsenring war schon immer etwas Besonderes. Die Fans haben mit den legendär gewordenen Hochsitzen aus der Not eine Tugend gemacht. Sich das immer mal wieder in Erinnerung zur rufen, finde ich gut", sagt er. Hergestellt hat die drei neuen Hochsitze das Unternehmen Metallbau Maltitz aus Gersdorf, das auch Namenssponsor für die Tribüne T 1 ist. Firmenchef Dirk Maltitz: "Es war eine reizvolle Aufgabe. Unsere Konstruktion ist stabil, die steht sicher, da kann nichts passieren." Ob er sich an diesem Rennwochenende selbst auf einen der Hochsitze setzen würde? Der rennsportbegeisterte Unternehmer antwortet, dass man es nun auch nicht gleich wieder übertreiben müsse.

Früher wurde das Stahlrohr einen halben Meter in die Erde gerammt. Ein Teller am Fuß sollte die Standfestigkeit erhöhen. Gesichert wurden die Konstruktionen mit Stahlseilen. Angeschweißte Stäbe dienten als Klettersprossen. Oben kam die Plattform drauf. Fertig war der Stahlrohr-Hochsitz made in Hohenstein-Ernstthal. Vom Ein- bis Viersitzer war alles möglich. "Die Sicherheit war aber relativ", berichteten in diesen Tagen einige Motorsportfans, die die Zeit damals miterlebt haben. Die gespannten Seile waren schlecht oder gar nicht markiert, sodass Zuschauer darüber stolperten und die Sitze aus der Verankerung rissen. Manche, die auf die hohen Sitze kletterten, hatten auch ein Bier zu viel getrunken. War auch nicht ungefährlich. Als es 1972 zu einem tödlichen Unfall kam, wurden die Sitze verboten.


Tipps und Wissenswertes

Der allererste Sieger, den es jemals auf dem Sachsenring gab, heißt Willi Weichel. Der Kinobesitzer aus Oelsnitz im Erzgebirge gewann am 26. Mai des Jahres 1927 das erste Rennen des Tages, den Lauf der Seitenwagengespanne. Erst vor zwei Jahren war sein Siegerpokal wieder aufgetaucht.

Der Veranstalter informiert, dass es auf den Großparkplätzen P 12 und P14 ausreichend kostenlose Parkmöglichkeiten gibt. Die Fans werden bei der Abfahrt von der Autobahn automatisch auf einen der beiden Parkplätze geleitet. Von den Parkplätzen zur Strecke fahren kostenlose Shuttle-Busse.

Campingmöglichkeiten gibt es auf dem Ankerberg (ankerberg-festival.de) und auf dem Campingplatz an der Goldbachstraße (sachsenring-camping.de).

Für alle Fälle: An der Wüstenbrander Straße 4 in Hohenstein-Ernstthal befindet sich das Fundbüro. Es ist durchgängig besetzt und zudem telefonisch unter der Nummer 03723 4411270 erreichbar.

Der Online-Ticketverkauf ist beendet. Aber es gibt noch Eintrittskarten vor Ort. Die Tageskassen befinden sich am Parkplatz P 11 und an der Goldbachstraße. Sie sind am Freitag und am Samstag von 6 bis 18 Uhr und und am Sonntag von 6 bis 14 Uhr geöffnet. Die Fans haben am Haupteingang an der Goldbachstraße die Möglichkeit, gegen eine Gebühr von 5 Euro ihre Papiertickets in Plastiktickets umzutauschen. Für alle Fragen hat der Veranstalter eine Info-Hotline geschaltet: Telefon 03723 8099111 (8-19 Uhr)

Zum Lebensretter werden können Besucherinnen und Besucher quasi nebenher, ganz schmerzlos mit dem Wattestäbchen: der Verein "Erzgebirge gegen Blutkrebs" sucht heute und morgen einen genetischen Zwilling für den krebskranken Sebastian aus St. Egidien.

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