Der "Fälscher von Bernsdorf" kann es einfach nicht lassen

... Dietmar Faßmann? Er wurde bekannt, weil er berühmte Bilder abmalte.

Bernsdorf.

Können Sie sich noch an Konrad Kujau (1938-2000) erinnern? Na klar können Sie das. Der Sachse hatte, nachdem er einst für die "Junge Welt" und die "Frösi" malte und dann in den Westen abhaute, 1983 die sogenannten Hitler-Tagebücher gefälscht. Nach der Haftentlassung wurde er halbwegs seriös und malte Original-Kujau-Fälschungen. Dabei handelte es sich um gefälschte Bilder von Malern unterschiedlicher Epochen und Stile, die neben der jeweiligen Künstler-Signatur auch den Schriftzug Kujau trugen.

Was hat das alles mit Dietmar Faßmann (64) zu tun? Der Mann aus dem Örtchen Bernsdorf bei Hohenstein-Ernstthal wurde vor ungefähr 15 Jahren bekannt, weil er das Gleiche gemacht hat wie Konrad Kujau: Bilder gefälscht. "Na ja, Bilder gefälscht stimmt ja nicht ganz. Ich habe die Bilder am Ende genau wie Kujau mit meinem Namenszug versehen. Ich sage immer: Die Bilder sind kopiert."

Im Zeichenunterricht in der Schule hatte Faßmann eine Vier. Man glaubt es kaum. Aber wenn es darum ging, alte Meister abzumalen, da war er Spitze. Das monumentalste Werk, das er je gemalt hat, ist die "Nachtwache" von Rembrandt. Da war er Mitte 20 und wohnte noch in Stollberg, seiner Geburtsstadt. Er war Schlosser von Beruf, als das Bild entstand, das heute noch in seinen durchaus stattlichen Maßen von 1,40 Meter mal 1,80 Meter in einem Zimmer in seinem Haus hängt.

Ausgestellt hat er es öffentlich ein- oder zweimal. Dietmar Faßmann ist selbstkritisch: "Jeder, der ein klein wenig Ahnung von Kunst hat und etwas genauer hinsieht, wird bemerken, dass es nicht das Original ist. So gut kann ich nicht malen. Ganz davon abgesehen hat es ja auch nicht die Maße des echten Rembrandts."

Irgendwann, nachdem Faßmann von Stollberg nach Bernsdorf gezogen war, wurde er arbeitslos. Das Arbeitsamt schickte ihn mit einigen seiner Bilder zur Industrie- und Handelskammer, die Mitarbeiterinnen dort waren begeistert. So bekam er einen Existenzgründerzuschuss und wurde Maler - oder Fälscher, wie man will. Er kopierte zum Beispiel das "Schokoladenmädchen" oder das "Mädchen mit dem Perlenohrgehänge". Faßmann freundete sich mit dem berühmten Gersdorfer Künstler Heinz Tetzner an. Der war überhaupt nicht begeistert. "Wenn Du mit der Malerei Erfolg haben willst, musst Du Deinen eigenen Weg gehen", sagte Tetzner damals. Und er wurde noch deutlicher: "Hör' auf mit der verflixten Kopiererei."

Der "Fälscher von Bernsdorf" schlug sich so durch, mehr schlecht als recht, malte auch noch eigene Bilder, Landschaften zum Beispiel. Nach dem großen Aufsehen, für das er anfänglich gesorgt hatte, blieb der große Erfolg aus. Im Oktober wird er 65, seit 63 ist er schon in Rente.

Aber die Katze lässt bekanntlich das Mausen nicht. Er arbeitet an einer neuen "Nachtwache" von Rembrandt, an einer neuen "Fälschung". Das Bild soll besser werden als das erste, das er vor 40 Jahren gemalt hat. Rentner Faßmann hat im Internet bestimmte Details, zum Beispiel Gesichtszüge der Personen, die auf dem Bild aus dem Jahre 1642 zu sehen sind, studiert. Das konnte er früher zu DDR-Zeiten ja nicht. Er hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder Dokumentationen zu Rembrandt und dem Bild angeschaut. "Meine Kopie wird unverkäuflich sein, wenn sie fertig ist", sagt Faßmann überzeugt und steht stolz vor der Staffelei. Er weiß auch, warum. Es wird eben keinen geben, der die Original-Faßmann-Fälschung kaufen wird. "Keiner würde mir den Preis bezahlen, den ich dafür verlangen würde", sagt Faßmann. Und abspeisen lassen will er sich nicht.

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