Der Kampf gegen Drogen ist sein Beruf

Stephan Weiß feiert in diesen Tagen ein besonderes Jubiläum. Der Fraureuther ist seit 25 Jahren in der Drogen- und Suchtberatung tätig - mit Höhen und Tiefen.

Fraureuth.

Eigentlich könnte sich Stephan Weiß aus Fraureuth zur Ruhe setzen und sein Rentendasein genießen. Macht der 65-jährige aber nicht. Noch immer ist er mit seinem Auto in ganz Westsachsen unterwegs, um an Schulen und anderen Einrichtungen über die Gefahren und Folgen von Alkoholmissbrauch oder die Einnahme von Drogen und anderen Suchtmitteln aufzuklären. Das tut er bereits seit 25 Jahren. "So lange mein Rat gefragt ist, mache ich weiter", sagt Stephan Weiß.

Angefangen hat der Fraureuther 1993 beim Kreisverband der Volkssolidarität in Werdau mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, kurz ABM genannt. "Der Wohlfahrtsverband suchte damals jemanden, der über den Missbrauch von Drogen aufklärt. Das war nur wenige Jahre nach der Wende. Mit dem Fall der Mauer kam auch das Rauschgift in den Osten der Republik", blickt Stephan Weiß zurück. Er wusste damals nicht mehr über Haschisch und die anderen Drogen, wie die meisten anderen Bürger auch.

Doch er machte eine Umschulung zum Drogen- und Sozialberater und wurde dann bei der Volkssolidarität fest angestellt - bis 1999 dem Wohlfahrtsverband das Geld ausging. Stephan Weiß fiel dem Rotstift zum Opfer, fand aber bei der Aids-Hilfe in Zwickau eine neue Anstellung. Dort konnte er auch sein bereits begonnenes Studium zum Sozialpädagoge beenden. Inzwischen ist er seit 18Jahren bei der Aids-Hilfe tätig - ein Job mit Höhen und Tiefen. "Wir haben vor ein paar Jahren mit unserer Spritzen-Umtausch-Aktion für Drogenabhängige bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Bis zu 20 Drogenabhängige haben bei uns pro Woche regelmäßig ihre Spritzen getauscht. Ein Zeichen dafür, dass das Thema Drogen längst auch in Westsachsen angekommen ist, auch wenn das oft totgeschwiegen wird", sagt Weiß.

Gewandelt haben sich im Laufe der Zeit die Arten von Drogen. Waren es am Anfang Haschisch oder Koks, so folgten einige Jahre später Ecstasy und nun die chemische Droge Crystal. "Ein Teufelszeug, dessen Wirkung immer wieder unterschätzt wird", sagt Weiß. Deshalb tingelt er von Schule zu Schule, um über die Wirkungen aufzuklären. Anzutreffen ist Stephan Weiß aber auch bei der älteren Generation. Dort setzt er sich dann hauptsächlich mit dem Missbrauch von Medikamenten oder Alkohol auseinander. "Die Palette der Drogen- und Suchtmittel ist vielseitig. Abhängig werden kann man ganz schnell. Spätestens dann sollte man die angebotene Hilfe auch annehmen."

Geprägt waren die 25 Berufsjahre als Drogen- und Suchtberater von traurigen und schönen Momenten. "In Erinnerung bleiben wird mir der Tod einer 30-jährigen Zwickauerin. Sieben Jahre lang haben wir die junge Frau begleitet, die stark drogenabhängig war. Am 24. Oktober 2007 ist sie an einer Überdosis gestorben", blickt der Fraureuther zurück. Aber es gab auch Erfolgserlebnisse. "Als ich beim Friseur in Zwickau war, sprach mich ein junger Mann an und sagte, dass wir uns kennen würden. Er sei immer zum Spritzentausch gekommen, aber jetzt clean. Stolz berichtete er weiter, dass er inzwischen sein Abitur nachgeholt habe und nun Maschinenbau studieren würde." Solche Momente hätte sich Stephan Weiß noch viel mehr gewünscht.

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