Der lange Weg von der Vision bis zur Umsetzung des Traums

Ehrensache! Vor mehr als 20 Jahren hat Hertha Sellmair die Schlossruine Hartenstein mit dem Ziel erworben, dort wieder den Prinzenraub aufzuführen. Sie gründete einen Förderverein und arbeitet mit weiteren Enthusiasten engagiert daran, dass ihr Traum wahr wird.

Hartenstein.

Mit ihrer Vision, in der Hartensteiner Schlossruine wieder wie schon in den 1950er-Jahren das Stück vom sächsischen Prinzenraub aufzuführen, hat Hertha Sellmair 1998 den Hartensteiner Stadtrat überzeugt und damals den Zuschlag für das Areal bekommen. "In meiner früheren Heimat zieht die Landshuter Hochzeit von 1475, ein historisches Spiel mit mehr als 2000 Mitwirkenden, alle vier Jahre ungezählte Menschen aus aller Herren Länder an. Der Prinzenraub ereignete sich 24 Jahre früher hier. Ich sagte mir: Was die Bayern können, das können die Sachsen allemal", erklärt die Frau, die in den 1990er-Jahren ein Hotel am Rande von Hartenstein eröffnete, ihre Motivation.

Damals wusste die heute 71-Jährige allerdings noch nicht, wie viel Kraft, Geld und Zeit die Umsetzung ihres Traums kostet. Ob sie heute noch einmal so entscheiden würde? "Das haben mich schon viele gefragt", berichtet die Frau. "Aber auch wenn alles viel länger dauert, als ich geahnt habe: Ich habe meinen Entschluss von damals nie bereut."

Die engagierte Frau suchte und fand Mitstreiter. 2001 wurde der "Förderverein Schlossruine Hartenstein" mit damals zehn Mitgliedern gegründet. Derzeit sind es etwa 45. Die kommen nicht nur aus der Stadt. Heimatfreunde und Mittelalterfans aus der näheren und ferneren Umgebung machen ebenfalls mit. Sogar zwei andere Vereine sind zum Förderverein gestoßen. So hat sich die "Compagnia delgi Scoiattoli Neri" (Gesellschaft der schwarzen Eichhörnchen) aus Bad Schlema die Schlossruine als Stammburg auserkoren, genau wie die "Schlosswachse 1757 zu Schönburg-Glauchau". Mitglieder beider Vereine lassen in den alten Mauern nicht nur die Vergangenheit wieder lebendig werden, sondern packen wie viele andere Mitglieder des Fördervereins bei Arbeitseinsätzen kräftig mit zu.

"Wir haben in den zurückliegenden Jahren jede Menge Bäume aus der Ruine entfernt, 15 Meter hohe Schuttberge beseitigt, Keller von Müll beräumt und Wände gesichert", erzählt Hertha Sellmair. Anfangs halfen auch über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen Beschäftigte, später Ein-Euro-Jobber und Leute auf 451-Euro-Basis. Die Rüstkammer kann inzwischen, versehen mit einem Notdach, genutzt werden, genau wie einige Kellerräume. Ein kleines Museum entstand. Das Areal ist eine beliebte Kulisse für Hochzeitsfeiern im Stile des Mittelalters und andere Veranstaltungen. "Die Vermarktung der Schlossruine ist eine wichtige Einnahmequelle für den Förderverein", sagt dessen Vorsitzende und versichert: "Jeder Cent, den wir hier einnehmen, wird auch wieder hier reingesteckt."

Von der Theatergruppe der Hartensteiner Oberschule ist das Stück vom Prinzenraub vor Jahren bereits wieder aufgeführt worden. Wie lange es noch dauert, bis der Traum von Hertha Sellmair endlich Wirklichkeit wird? "Genau kann ich das nicht sagen", gibt sie zu. "Doch ich habe schon mal die Landesbühnen Sachsen, die unter anderem die Freilichtbühnen in Rathen, Kriebstein und Bad Elster bespielen, für die Schlossruine begeistern können. Bevor aber Zuschauermassen in die Burgruine strömen können, muss unser Verein unbedingt das Torhaus retten, das alle passieren müssen."

Die Kosten für die komplette Dachsanierung einschließlich der Tragebalken sind auf 128.000 Euro veranschlagt. "So eine Summe können wir natürlich trotz aller Sponsoren und Eigenleistungen nicht stemmen", sagt Hertha Sellmair. "Ich werde jetzt auf unseren sächsischen Ministerpräsidenten zugehen, der sich ja für die Tourismusförderung engagiert. Wir hoffen, dass er uns bei der Finanzierung der Kosten fürs Torhaus weiterhelfen kann."

Die Schlossruine, August-Bebel-Straße 28 in Hartenstein, öffnet am 28. April anlässlich des 74. Jahrestages der Zerstörung von 10 bis 16 Uhr zu Führungen. Eintritt: 3 Euro, Kinder unter zehn Jahren frei.


Geschichte reicht weit zurück

Die Schlossruine ist mit einer mehr als 800-jährigen Geschichte eine der ältesten Schlossanlagen in Sachsen. Die erste urkundliche Erwähnung von 1173 trägt die Unterschrift von Kaiser Barbarossa.

1455 stand das Schloss im Mittelpunkt sächsischer Geschichte. In der Nacht vom 7. zum 8. Juli hatte Kunz von Kaufungen mit Helfern die sächsischen Prinzen Ernst und Albrecht aus Schloss Altenburg geraubt. In einer Felsenkluft (heute Prinzenhöhle genannt) im Hartensteiner Forst versteckten sich die Entführer Wilhelm von Mosen und Wilhelm von Schönfels mit Prinz Ernst. Nach Zusicherung von freiem Geleit und Straffreiheit übergaben sie den Prinzen am 11. Juli an Friedrich von Schönburg auf Schloss Hartenstein. Kunz von Kaufungen wurde auf dem Freiberger Markt enthauptet.

Am 20. April 1945 wurde das Schloss durch US-amerikanische Brandbomben zerstört. Im selben Jahr wurde der Fürst enteignet. 1998 erhielt Hertha Sellmair mit Stadtratsbeschluss das Areal von der Stadt Hartenstein. Sie gründete 2001 den "Förderverein Schlossruine Hartenstein". (vim)

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