Der uralte Enkeltrick lebt weiter

Um Kriminalität im Alltag ging es bei einer Inforunde in der Verbraucherzentrale in Zwickau. Ein Experte warnte dort vor außerdem vor teuren Telefonaten.

Zwickau.

Kriminalhauptmeister Volker Flemig kann sich selbst gut daran erinnern, als er das erste Mal vom Enkeltrick hörte. Es war im Westfernsehen: "Aktenzeichen XY ungelöst" mit Moderator Eduard Zimmermann, das er zu DDR-Zeiten mit Antenne auf dem Dach anschauen konnte. Seither sind Unmengen an Wasser die Mulde herabgelaufen und das Gesellschaftssystem hat sich komplett gewandelt. "Doch der Enkeltrick klappt heute wie damals," versicherte der langjährige Sachbearbeiter der Kripo am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung in der Zwickauer Verbraucherzentrale. Dabei ging es um Kriminalität im Alltag. Und die Enkeltrickmafia gehörte dazu.

Deren Opfer: meist alte, alleinstehende Menschen. "Da gehen schwindelerregende Summen über den Tisch", sagte Flemig. Ganz neu ist demnach, dass die Betrüger die auf dem Display angezeigte Telefonnummer manipulieren. Sein Rat ist ebenso alt wie der Trick selbst: Betroffene sollen sofort auflegen und den richtigen Enkel selbst anrufen. Auflegen empfiehlt er auch bei Gewinnspielanrufen. Sigrid Woitha, Leiterin der Zwickauer Verbraucherzentrale, ergänzte: "Das mag unhöflich erscheinen, aber Sie haben in diesem Fall das Recht, unhöflich zu sein."

Flemig warnte zudem davor, Telefonnummern, die man nicht kenne, zurückzurufen. Erst kürzlich saß ein Mann bei ihm in der polizeilichen Beratungsstelle, der das getan hatte. Er war bei einer Sex-Hotline in Prag herausgekommen, die dann 90 Euro von ihm verlangte. Aus Scham habe er bezahlt. Auch Sigrid Woitha kennt diese Masche. Sie rät von einer Bezahlung dringend ab. Wie ihr Kunden berichteten, haben sie danach auch noch eine zweite Rechnung bekommen.

Wo bewahrt man zu Hause am besten sein Geld auf, wollte eine andere Besucherin wissen. Flemig schüttelte den Kopf: "Kein Versteck ist wirklich sicher. Die Einbrecher müssen es riechen." Er rät zu einem Tresor.

Wer auf der Straße von einem Handtaschenräuber angegriffen wird, dem empfahl Flemig, Räuber und Tasche ziehen zu lassen. Mit zu vielen Frauen, die ihre Tasche festhielten, hatte er bereits Kontakt - im Krankenhaus: "Alles ist ersetzbar. Die Täter sind den Opfern meist überlegen."

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...