Die Sechs-Brunnen-Stadt

Mit den steigenden Temperaturen beginnen die Brunnen in Hohenstein-Ernstthal wieder ihr Wasserspiel. Einige davon haben eine lange und bewegte Geschichte hinter sich.

Hohenstein-Ernstthal.

Ohne Wasser geht nichts. Auch nicht in Hohenstein-Ernstthal, das im Gegensatz zu vielen anderen Städten nicht an einem Gewässer gegründet wurde. Es war 1510, als die Stadt entstand - geprägt vom Erzbergbau. Es waren dann auch die Bergleute, die schlussendlich für Wasser in der Stadt gesorgt haben. Wie der heutige Bauamtsleiter der Stadt, Ulrich Weber, erklärt, gruben die Bergarbeiter damals kurzerhand selbst Brunnen aus dem Gestein. In einigen alten Gebäuden finden sich heute noch Wasserlöcher von damals in den Kellern. Heute ist so etwas nicht mehr notwendig. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden großflächig Wasserleitungen verlegt - der Wasserhahn hielt Einzug. Die Brunnen aber gingen nicht ganz verloren. Statt als Wasserspender dienten sie von da an als Dekoration der Städte. Auch in Hohenstein-Ernstthal wurden mit der Zeit einige gebaut, andere abgebaut. Heute stehen noch sechs aktive Brunnen auf dem Stadtgebiet:

Der Marktbrunnen vor dem Rathaus sollte eigentlich zum Stadtjubiläum 1910 gebaut werden. Fertig wurde er aber ein Jahr zu spät - also 1911. Etwa ein Vierteljahrhundert später löste sich die Figur vom Sockel, stürzte ins kalte Brunnenwasser und prägte so den Namen "Kalte Hedwig". 1972 wurde der Brunnen abgebaut, weil er als nicht mehr zeitgemäß betrachtet wurde. Nach der Wende wurde die Figur aber wieder aufgestellt und der Brunnen wieder aufgebaut.


Den Stadtrechtsbrunnen gibt es tatsächlich nur, weil die "Kalte Hedwig" sich damals um ein Jahr verspätete. Diese sollte eigentlich zum 400. Stadtjubiläum eingeweiht werden. Weil daraus nichts wurde, hat sich die Stadt damals kurzerhand entschieden, auch noch den Stadtrechtsbrunnen zu bauen. Der wurde pünktlich zu der Feierlichkeit fertig und stand damals auf dem Altmarkt. Erst 2010 zog der Brunnen dann an seinen heutigen Standort im Durchgang des Textil- und Rennsportmuseums (TRM).

Der Bergbaubrunnen soll, wie es der Name schon sagt, an die bergmännische Tradition der Stadt erinnern. Entworfen wurde der Brunnen von Volker Beier, der auch den Neubau der "Kalten Hedwig" entworfen hat. Schon in den Siebzigern wurde an der Stelle des heutigen Bergbaubrunnens ein anderer Brunnen errichtet, der 2000 aber wieder abgebaut wurde.

Der Kugelbrunnen auf dem Zillplatz ist eine besondere Konstruktion. Denn der runde Stein kann trotz seines Gewichtes von rund einer Tonne ohne Probleme bewegt werden. Grund dafür ist die glatte Oberfläche von Sockel und Kugel und der Wasserfilm dazwischen. Selbst Kinder können so das schwere Granit ohne Probleme in eine Drehbewegung versetzen. 1991 wurde der Brunnen eingeweiht, der aus bayrischem Granit besteht.

Der Kugelbrunnen in Wüstenbrand trägt zwar den gleichen Namen, sieht dann aber doch anders aus. Etwas jünger als sein Namensvetter wurde er Mitte der 1990er- Jahre während der Sanierung des Volkshausteiches aufgestellt. Eigentlich hat der Brunnen gar keinen offiziellen Namen - der Begriff Kugelbrunnen hat sich mit der Zeit aber eingebürgert.

Der artesische Brunnen im Stadtgarten kommt ganz ohne Pumpe aus. Möglich macht das ein physikalisches Phänomen. Weil der Brunnen unter dem Grundwasserspiegel liegt, ist dort der Wasserdruck besonders hoch. Dadurch schießt das Wasser von ganz allein nach oben und benötigt keine Pumpe. Benannt sind Brunnen dieser Art nach der Französischen Landschaft Artesien, wo im 12. Jahrhundert erstmals eine solche Anlage gebaut wurde.

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