Diebin kommt mit blauem Auge davon

Eine drogenabhängige Frau stiehlt 2016 zwei Mopeds von einem Schulhof. Erst jetzt kam die Sache vor Gericht.

Hohenstein-Ernstthal.

Was hat die junge Frau in ihrem Leben bisher überhaupt auf die Reihe gebracht? Eine Frage, die sich die 35-jährige Angeklagte, der die Staatsanwaltschaft einen besonders schweren Fall des Diebstahls vorgeworfen hat, offenbar einfach nicht stellt. Zwei hingeschmissene Ausbildungen, Drogen, abgebrochene Drogen-Therapien, Haft, ein Leben mit Hartz IV und immer wieder ein Platz auf der Anklagebank.

Was Staatsanwalt Jürgen Pfeifer im aktuellen Fall aus der Anklageschrift verliest, klingt mehr als dreist: Ein weißer Transporter mit Leipziger Kennzeichen biegt am Morgen des 26. Mai gegen 9 Uhr an der Lindenstraße in Glauchau auf den Parkplatz an der Wehrdigtoberschule ein. Der Sportlehrer der Schule sieht den Transporter, denkt sich aber nichts dabei. Als die beiden Schüler Marc Bauer und Lukas Kircheis in der Pause nach ihren Mopeds schauen wollen, sind die Simson S 50 und S 51 wie vom Erdboden verschluckt. "Obwohl sie gesichert waren. Wir haben viel Arbeit und Geld reingesteckt, neu aufgebaut, frisch lackiert und waren richtig stolz drauf", sagt Marc Bauer. Die Angeklagte und ihr Komplize hatten die Mopeds einfach aufgeladen und mitgenommen. Ein Zeuge merkte sich das Kennzeichen. Über die Autovermietung kam die Polizei schließlich an die Täter.

Falsche Freunde und Drogen bringen die Angeklagte schon mit 14 Jahren auf die schiefe Bahn. Zeitweise lebt sie ohne festen Wohnsitz, kommt bei einem Bekannten in Leipzig unter. Die Drogenkarriere nimmt ihren Lauf. Crystal macht sie abhängig. Eine Lehre als Friseuse und eine als Kinderpflegerin bricht sie ab. Nach einer Entgiftung wird sie rückfällig, bei einer späteren Langzeittherapie im Klinikum in Wiesen fliegt sie 2018 aus disziplinarischen Gründen raus. Justitia und Staat reichen ihr immer wieder die Hand. Doch das nützt nichts. Sie rutscht weiter in den Abgrund der Beschaffungskriminalität.

Das Amtsgericht aus Leipzig verurteilt sie zuletzt wegen Diebstahls und Hehlerei zu einem Jahr und neun Monaten. Weil das Urteil im aktuellen Fall nicht mehr nennenswert ins Gewicht fallen würde, beantragte die Verteidigung, das Verfahren zum Moped-Klau einzustellen. Richter Michael Respondek sieht angesichts der Einkommenssituation der Frau auch keine Chance auf Wertersatz für die Geschädigten. Die haben bis heute ihre Mopeds nicht wieder, trotz intensiver Recherche im Internet. "Manchmal wird ja so etwas dort angeboten. Die sind aber nirgends aufgetaucht. Wir mussten uns dann neue Mopeds aufbauen", sagt Lukas Kircheis. Er hat die Geschichte für sich abgehakt.

Die Angeklagte kam mit dem blauen Auge davon. Richter Respondek stellte das Verfahren tatsächlich ein. Die Angeklagte will jetzt noch einmal Anlauf nehmen, um in ihrem Leben endlich die Kurve zu kriegen. In Kürze steht für sie eine halbjährige Langzeittherapie an.

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