DNA reicht nicht als Beweis

Im Mai 2018 sprengen Diebe in Lichtenstein einen Zigarettenautomaten. Ein Mann stand deshalb vor Gericht. Der Prozess kann nun zu den Akten. Doch der Fall bleibt ungelöst.

Lichtenstein.

Es ist die Nacht vom 26. zum 27. Mai 2018. Vermutlich gegen 2.30 Uhr gibt es einen Knall in der Ernst-Thälmann-Straße. Wenige Minuten später eine zweite Explosion. Nur ein Zeuge bemerkt überhaupt etwas davon. Ein Kellner aus dem griechischen Restaurant, der nach dem langen Arbeitstag am Wochenende gewöhnlich erst gegen 3 Uhr ins Bett geht, schaut aus dem Fenster. Er sieht, wie zwei Männer aus der Deckung der Sträucher an dem kleinen Parkplatz hervorkommen und auf der Straße etwas aufsammeln.

Erst am Morgen gegen 9 Uhr rückt die Polizei an. Die massive Frontplatte des Zigarettenautomaten liegt auf der anderen Straßenseite, ist rund acht Meter durch die Luft geflogen. Das gesamte Innenleben des Automaten liegt auf der Fahrbahn verstreut. Die war kurz vor Abschluss der Bauarbeiten noch voll gesperrt. Von der Geldkassette und den Zigaretten fehlt jegliche Spur. Das einzige, was die Beamten finden, sind einige Blutstropfen auf dem Fußweg, zwei Meter vom demolierten Automatengehäuse entfernt. Die DNA identifiziert den 39-jährigen Angeklagten.


Der saß am Mittwoch auf der Anklagebank und bestritt die Sprengstoff-Attacke. Dem Angeklagten lieferte die Polizei in Lichtenberg sogar ein wackeliges Alibi. Offenbar war der Angeklagte an jenem Abend in Lichtenberg bei einer Party. Dort hatten ihn Polizisten nach Mitternacht zweimal angehalten und zu einem Alkomattest aufgefordert. An den Namen des Fahrers konnten sich die Beamten nicht mehr erinnern, aber an den schwarzen Audi. Die Verteidigerin legte dazu ein Schreiben der Polizeibehörde vor. Zu den Blutstropfen auf dem Weg sei es tatsächlich in jener Nacht gekommen. Gegen 5.20 Uhr hatte der Lichtensteiner sein Auto abgestellt und sei auf dem Heimweg zu Fuß an dem gesprengten Automaten vorbeigekommen. Da noch zwei Schachteln Zigaretten in den Überresten der Mechanik klemmten, habe er sie rausgezogen und sich dabei verletzt. Auch die Aussagen des griechischen Zeugen entlasteten den Angeklagten. "Ich kenne ihn, er hat einen ganz anderen Gang als die, die ich gesehen habe. Die hatten die typischen O-Beine von Fußballern. Da bin ich mir zu 90 Prozent sicher", sagte er. Nach der Beweisaufnahme mit den Zeugenaussagen musste auch Richter Manfred Weber konstatieren: "Sie sind zwar ein Kleinkrimineller mit gesammelten Werken im Bundeszentralregister, aber das ist die Arbeit von Profis gewesen."

Verurteilt wurde der Angeklagte dennoch, allerdings in anderer Sache. Am 21. Juli 2018 kurz nach Mitternacht hatte er eine Polizeistreife aufs Übelste beschimpft. Sie hatten an Ort und Stelle den Audi zwangsentstempelt, weil die Versicherungsbeiträge nicht bezahlt waren. Einem Beamten drohte er: "Ich zieh deine Knarre und knall dich ab." Das brachte ihm nun eine Geldstrafe in Höhe von 1600 Euro ein.

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