Er prägte das Aussehen der Stadt

Baumeister Louis Richter errichtete wichtige Gebäude in Hohenstein-Ernstthal und der näheren Umgebung. Auch an der Autobahn baute er mit.

Hohenstein-Ernstthal.

Mit der Entstehung der Stadt Hohenstein-Ernstthal dürften vor allem Bergleute die Wohnhäuser der Hohensteiner und später der Ernstthaler gebaut haben. Davon zeugen auch alte Häuser im Umfeld des Altmarktes vor allem am Ziegenberg und an Teilen der Dresdner Straße. Die meisten Häuser weisen dort Gewölbekeller auf, die sehr an den Bergbau erinnern. Viel später übernahmen Bauhandwerker und Baubetriebe die Aufgabe, Gebäude für die Bürger der Stadt zu errichten. Mit der Industrialisierung im 19.Jahrhundert kamen große Industriebauten hinzu.

Die Baumeister kamen vor allem aus der Stadt selbst, aber auch aus Chemnitz und Lichtenstein wie Schlechte und Möckel. Zu den ortsansässigen Baumeistern zählten unter anderem die Firmen Selbmann, Richter, Schellenberger. Besonders Louis Richter hat sich dabei hervorgetan und eine Vielzahl bedeutender Bauten errichtet, die heute an vielen Stellen ganze Straßenabschnitte prägen.

Louis Richter wurde am 7. November 1869 in Hohenstein geboren. 1892 hatte er das Baugeschäft nach dem Tod seines Vaters Gotthilf Richter gemeinsam mit seinem Bruder übernommen. In den Jahren 1892 bis 1914 beschäftigte sein Unternehmen rund 300 Arbeitskräfte.

Im Familienbesitz der Nachkommen existiert ein in Leder gebundenes Fotoalbum mit dem dem Titel "Mein Schaffen", das die Vielfalt seines baulichen Wirkens zeigt. In seinem Unternehmen hatte er vorwiegend Wohn- und Geschäftshäuser errichtet, aber auch Villen, Industriebauten, öffentliche Gebäude wie den Wüstenbrander und den Lugauer Bahnhof. Als Beispiele seiner Bauten seien genannt: die Wagenhalle und das Verwaltungsgebäude der einstigen Straßenbahn an der Goldbachstraße, die Ortskrankenkasse (heute das AOK-Gebäude,) die Fabriken und Firmengebäude der Unternehmen Böttcher, Beck, Haase, Jäckel, Heidel, Oskar und Alfred Zwingenberger, Schulze, Clauß, Rössel & Vetter, Schubert & Salzer, Ebhard, den Bau der heutigen Euroschule, des einstigen Vorrichtungsbaus, der heutigen Stadtpassage (ehemals die Weberei Löffler), die Pfaffenbergturnhalle, die Friedhofskapelle von St. Christophori, das Kino Capitol (eröffnet 1937) und einige mehr. Unter seiner Leitung entstanden auch die Fabrikgebäude und Wohnhäuser der Firmen W.F. Bahner, Friedrich Tauscher, Theodor Günther, Karl Lieberknecht in Oberlungwitz. Auch am Bau der Autobahn während des NS-Regimes war die Firma Richter an einem Abschnitt nördlich der Stadt federführend beteiligt.

Louis Richter hat das Stadtbild über Jahrzehnte zu großen Teilen geprägt. 1939 übergab er sein Baugeschäft an seinen Sohn Friedrich. Seine Gebeine ruhen auf dem Christophorifriedhof unweit der von ihm konzipierten Kapelle.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...