Es warten viele Herausforderungen

In Werdau müssen sinkende Einnahmen bei der Gewerbesteuer und steigende Ausgaben bei den Personalkosten gemeistert werden. Der Stadtrat hat den Finanzplan beschlossen.

Werdau.

Der Haushaltsplan von Werdau ist unter Dach und Fach. Das Zahlenwerk wurde zur Sitzung des Stadtrates in der vergangenen Woche beschlossen - einstimmig. "Ich habe mir die Aufgabe, den Haushaltsplan zu erarbeiten, nicht so schwierig vorgestellt", sagte Oberbürgermeister Sören Kristensen (Unabhängige Liste), der seit August 2019 auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt und nun erstmals für den Finanzplan verantwortlich war. Dabei waren die folgenden Herausforderungen zu meistern:

Gewerbesteuer: 3,4 Millionen Euro sollen in diesem Jahr von den Unternehmen in die Stadtkasse fließen. Diese Prognose hat die Kämmerei vor dem Beginn der Coronakrise aufgestellt. Zum Vergleich: 2019 wurde mit rund 4,1 Millionen Euro geplant, 2018 zahlten die Firmen rund 4,3 Millionen Euro. "Wir kalkulieren mit 700.000 Euro weniger als im Vorjahr. Das ist ein Pfund, was man erst einmal kompensieren muss", sagte Sören Kristensen. Stadträtin Sabine Zimmermann (Linke) forderte, dass die Stadtverwaltung regelmäßig über die Entwicklung bei Gewerbe- und Einkommenssteuer informiert - vor allem mit Blick auf die Folgen der Coronakrise. Zu den weiteren Einnahmequellen gehören die Grundsteuer (2,5 Millionen Euro), Hundesteuer (90.000) und Vergnügungssteuer (70.000).

Zuschüsse: Die städtischen Gesellschaften erhalten eine Finanzspritze. 1.012.000 Euro werden an die Stadtwerke und die Gebäude- und Grundstücksverwaltungsgesellschaft (GGV) überwiesen. "So hohe Zuschüsse waren in der Vergangenheit nicht zu schultern", sagte Kristensen, der noch einmal in Erinnerung rief, dass Energieversorger und Großvermieter an langfristigen Konzepten arbeiten müssen. Kristensen: "Der Finanz-Transfer darf kein Dauerzustand sein."

Personalkosten: Die Ausgaben steigen weiter an - von 9,9 Millionen Euro (2018) und 10,4 Millionen Euro (2019) auf aktuell geplant fast 11,1 Millionen Euro (2020). Das hängt unter anderem mit dem Mehrbedarf an Personal in den Kindertagesstätten und Tariferhöhungen zusammen. Sieben Kita-Mitarbeiter, die bisher bei Leiharbeitsfirmen angestellt waren, erhielten einen Arbeitsvertrag bei der Stadt. Zudem wurde die Verwaltung mit einem Energiemanager und einem Tiefbau-Experten verstärkt. Kristensen: "Die Kosten steigen schneller als die Einnahmen."

Bildung: Handwerker sollen in diesem Jahr in mehreren Bildungseinrichtungen anrücken. Dabei wird ein neuer Anlauf zur Erneuerung des Dachs an der Diesterwegschule genommen. Dafür werden rund 600.000 Euro im Haushalt eingeplant. "Wir haben dafür mutige Entscheidungen getroffen", sagte Kristensen. Das Dach muss aufgrund von Baupfusch bei der ersten Sanierung nun noch einmal erneuert werden. Zudem soll Geld für den Austausch der Fußböden in der Umweltschule bereitgestellt werden. "Da bewegen wir uns ebenfalls im sechsstelligen Bereich", sagte der Stadtchef. Im Haushaltsplan sind zudem 400.000 Euro für die Sanierung der Oberschule im Ortsteil Leubnitz sowie 175.000 Euro für die Erneuerung des Chemiekabinetts im Humboldtgymnasium eingestellt.

Großprojekte: Die Planungen für zwei große Projekte sollen vorangetrieben werden. Im Frühjahr 2021 soll die Umgestaltung am Bahnhof beginnen - nach einer mehr als zehnjährigen Vorbereitungsphase. Zudem wird ein Standort für den Bau eines Feuerwehrgerätehauses gesucht. Für die Umsetzung wird ein städtischer Eigenanteil von 3 Millionen Euro benötigt. Das lässt sich, so Kristensen, künftig nur mit Kreditaufnahmen stemmen.


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