Führt die Spur des Fischräubers Richtung Lungwitzbach?

Im Glauchauer Ortsteil Niederlungwitz verschwinden wertvolle Tiere aus Teichen. Strafrechtlich belangt werden kann der mutmaßliche "Täter" dafür aber nicht.

Niederlungwitz.

Eberhard Nitsch ist ratlos. "Kaum war ich im September aus dem Urlaub zurück, fiel mir morgens mein leerer Teich auf." Seit Jahren hatte der Niederlungwitzer täglich nach seinen zehn Goldfischen geschaut. "Bei fremden Menschen, Katzen oder anderen Störungen versteckten sich die Tiere schnell, bei bekannten Stimmen und den gewohnten Schritten kamen die Fische sogar an den Rand." Doch nun sind sie verschwunden. Wer dafür verantwortlich ist, weiß bisher keiner genau. Und Nitsch ist auch nicht der einzige Betroffene.

"Von der Straße aus sieht man den Teich gar nicht", rätselt der 60-Jährige. Dass seine Fische Opfer eines Waschbären geworden sind, schließt Nitsch aus, denn das viel leichter erreichbare Hasenfutter direkt am Schuppen blieb unberührt. "Zudem wären dann nicht alle Fische weg!"

Nur wenige Tage nach diesem Fall machte ein Nachbar von Nitsch die gleiche Entdeckung. "Mittlerweile wurde mir zum dritten Mal der Teich leer geräumt", sagt Mike Zeuke. "Trotz Tierfalle mit eingelegtem Marshmallow-Köder und aufgestellter Wildkamera hatten wir keine Chance, den Räuber zu fangen oder zumindest zu sichten. Nur meine Schwiegermutter hörte einmal in den frühen Morgenstunden ein verdächtiges Plätschern, leider konnte sie in der Dunkelheit aber nichts sehen." Zeuke und seine Familie bedauern den Verlust, über viele Jahre hinweg überwinterte auch bei ihm der feste Fischbestand im Teich, ganz zur Freude der vielen Kinder, die auf ihrem Schulweg oft neugierig zu den Schleierschwänzen ins Wasser schauten. "Hier wurde auch des Öfteren geklingelt, weil es einem Fisch nicht ganz so gut ging und sich die Kinder Sorgen machten." Zeuke vermutet, dass ein tierischer Räuber hinter dem Verschwinden seiner Fische steckt, aber auch er glaubt nicht, dass es sich um Waschbären handelt. Für ihn ist der Fischotter der Hauptverdächtige. "Im Waldenburger Angelverein hat man zwar auch schon den eingeschleppten amerikanischen Mink in Teichen räubern sehen. Aber der ist wesentlich kleiner und würde nicht in einer Nacht so viele Fische fangen."

Die Spur des Fischräubers zieht sich durch das ganze Dorf: War zuerst in der Nähe des Lungwitzbaches die Straße des Friedens betroffen, weitete sich das Einzugsgebiet schließlich bis zur Hauptstraße aus. Dort erwischte es Bernd Braune, der den Verlust von mindestens fünf großen Kois zu verzeichnen hat. "Meine Fische waren an die zehn Jahre alt, teilweise mit 40 Zentimetern Körperlänge. Jetzt sind nur noch drei übrig", bedauert der 60-Jährige. Den größten Schwund verzeichnet jedoch Volker Hecht. "Seit dem Frühjahr verschwand zunächst hin und wieder ein Koi", berichtet er. "Wir dachten an den Graureiher oder den Rotmilan, der hier seine Kreise zieht. Aber auch mein über das Wasser gespanntes Netz nützte nix." Manchmal saß der 66-Jährige bis weit nach Mitternacht still auf der Gartenschaukel, erwischt hat er den Dieb aber nicht. Und plötzlich im September waren auch die restlichen fünf seiner ehemals acht Kois in einer Nacht spurlos verschwunden. "Es macht uns sehr traurig, mein Mann hat viel Energie und Liebe in sein Hobby gesteckt", sagt Ehefrau Regina. "Die Fische waren sehr zutraulich zu uns, wir konnten sie sogar berühren." Nun bleiben dem Ehepaar nur ein paar Bilder auf der Kamera. "Ich glaube nicht, dass ich mir wieder Kois zulegen werde", sagt Hecht.

Bei der Polizei angezeigt hat den Schaden niemand, denn keiner der Betroffenen geht von einem menschlichen Übeltäter aus. Der verdächtige Fischotter zählt zu den besten Schwimmern unter den Landraubtieren. Das Tier, das zur Familie der Marder gehört, kann laut Internetlexikon Wikipedia eine Körperlänge von 90Zentimetern bei bis zu 13 Kilogramm Körpergewicht erreichen. Seine Zehen sind mit Schwimmhäuten verbunden, an der Schnauze befinden sich lange Tasthaare, die ihm bei der Jagd im trüben Wasser zu Hilfe kommen. Flache Flüsse mit zugewachsenen Ufern zählen zu seinen bevorzugten Lebensräumen - genau solche also wie der Lungwitzbach. Durch die Überwucherung des Bachrandes und den schwindenden Fischbestand im Wasserlauf zieht es den kleinen Räuber möglicherweise weiter ins Dorf hinein: Am Elzenberg und in der Forststraße wurden ebenfalls schon Gartenteiche "geplündert".

Allerdings: Nicht alle halten diese Theorie für wahrscheinlich. "Es würde mich sehr wundern, wenn der Fischotter verantwortlich wäre, denn er ist in unserer Region überhaupt nicht heimisch", sagt etwa Stephan Trtschka vom Anglerverein Crimmitschau. Er könnte sich als "Täter" vielmehr die Bisamratte vorstellen - vielleicht sogar in einer Rotte. Auch kommen seiner Meinung nach Kormorane infrage. Er empfiehlt den Teichbesitzern, eine Fotofalle aufzustellen, um den Verursacher zu finden - was bei Mike Zeuke jedoch nicht funktionierte. Da auch wertvolle Kois verschwunden sind, will Trtschka zudem nicht ausschließen, dass doch Menschen ihre Finger im Spiel hatten. (jwa)

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