Getöter Radfahrer: Täter soll ins Gefängnis

Ein Mann aus St. Egidien soll wegen versuchten Mordes für zwei Jahre und acht Monate hinter Gitter. Der Familie des Opfers ist das zu wenig.

Zwickau.

Für zwei Jahre und acht Monate muss der Todesfahrer von Niederlungwitz ins Gefängnis. Außerdem darf die Behörde dem 37-Jährigen vor Ablauf von drei Jahren keine Fahrerlaubnis erteilen. Dieses Urteil wegen versuchten Mordes, fahrlässiger Tötung, unerlaubten Entfernens vom Unfallort und anderem fällte am Dienstagvormittag die 1. Strafkammer des Zwickauer Landgerichts im Fall des Angeklagten aus St. Egidien. Im November vorigen Jahres hatte er im alkoholisierten Zustand auf der Hohensteiner Straße in Niederlungwitz einen 57-jährigen Radfahrer überfahren, war danach geflüchtet.

Nach der Urteilsverkündung durch den Vorsitzenden Richter Klaus Hartmann verließ die Familie des Opfers aufgebracht den Saal. Die Lebensgefährtin des Opfers hatte sich eine Freiheitsstrafe nicht unter vier Jahren erhofft: "Er war betrunken, hatte keine Fahrerlaubnis und ist noch dazu abgehauen. Mir fehlen einfach die Worte."


Der Angeklagte hatte sich am 12. November nach einem Ehestreit gegen 20 Uhr ins Auto gesetzt und war trotz seiner Alkoholisierung von 1,65 Promille in Richtung St.Egidien gerast, wo er auf die Gegenspur kam und mit dem Radfahrer kollidierte. Statt den Notarzt zu rufen, ergriff er die Flucht, lieferte sich eine Verfolgungsjagd mit einem Zeugen und versuchte auch noch zu Fuß zu fliehen, als er in Rüsdorf in eine Hecke gerauscht war und Polizeibeamte ihn stellten. Das Opfer verblutete unterdessen im Straßengraben. Für den Mann, der erst kurz vorher ein Krebsleiden gut überstanden und neuen Lebensmut gefunden hatte, kam jede Hilfe zu spät. Er erlag seinen schweren Verletzungen - ein Aorta-Abriss und ein offener Bruch des linken Oberschenkels.

In seiner Urteilsbegründung hielt Richter Hartmann dem Angeklagten zugute, dass er am zweiten Verhandlungstag gestanden hat, kurz vor dem Aufprall tatsächlich den Radfahrer wahrgenommen zu haben. Bis dahin hatte er den Verfahrensbeteiligten eine Version der Geschichte erzählt, bei der er behauptete, er habe nach dem Unfall geglaubt, dass er ein Wildschwein angefahren habe. "Diese Einlassung wäre schwerlich zu widerlegen gewesen", räumte Richter Hartmann ein. Das Gericht erkannte an, dass er übliche Verteidigungsstrategien gar nicht erst versucht hat - also etwa behauptete, erst nach dem Unfall getrunken zu haben oder nicht selbst gefahren zu sein. Das sei zu seinen Gunsten berücksichtigt worden. Auf versuchten Mord urteilte das Gericht dennoch. Er habe die Pflicht zur Hilfe eigennützig missachtet. Mit der Flucht wollte er sich der Verantwortung entziehen, die Tat verdecken, um sich zu schützen und habe den Tod des Opfers in Kauf genommen. "Sie haben egoistisch gehandelt. Der besondere Unwert der Tat liegt darin, dass Sie auch nach der Flucht nicht den Rettungsdienst angerufen haben, sondern ihre Ehefrau, um einen Treffpunkt auszumachen, damit Sie nicht mehr mit dem kaputten Auto fahren müssen."

Wie die Polizei bestätigte, liegt eine weitere Anzeige gegen den Verurteilten vor. Er soll weit nach der Tat erneut beim Fahren gesehen worden sein, obwohl er seit 15 Jahren keinen Führerschein hat.

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