GKN bringt Mosel auf Touren

Das Gelenkwellenwerk feierte gestern Jubiläum. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß hatte dabei einen besonderen Wunsch.

Mosel.

Mit einer Tafel, auf der in 16Weltsprachen das Wort "Willkommen" geschrieben steht, werden die Besucher im Verwaltungsbau des GKN Driveline-Werks im Zwickauer Ortsteil Mosel begrüßt. "Dank unserer Kunden weltweit haben wir sehr viel Besuch", sagt Werksleiter Hugo Ramires. Das war gestern zum 25-jährigen Jubiläum der Übernahme des Sachsenring-Gelenkwellenwerks durch die Autozulieferersparte des britischen GKN-Konzerns nicht anders: Zur offiziellen Feier, der heute ein Familientag für Mitarbeiter und Angehörige folgt, waren sogar Simultandolmetscher im Einsatz.

Ramires, Maschinenbauingenieur und seit Anfang 2014 Chef in Mosel, hat dabei nicht nur dieses Jubiläum zu feiern. Denn in diesen zweieinhalb Jahren hat der 40-jährige Portugiese maßgeblich die Restrukturierung mitgestaltet, der sich GKN Mosel gemeinsam mit den anderen 18 Standorten in Europa unterzogen hat. Restrukturierung - das Wort bemäntelt oft Kostensenkung und Personalabbau. In Mosel ging sie mit Stellenzuwachs von rund 200 Beschäftigten auf seit Mai über 1000 einher. Betriebsratschefin Gabriela Scharfenberger bestätigt die positiven Effekte der Umstrukturierung: "Unseren Kollegen wird viel abverlangt, speziell, da sie im Dreischichtbetrieb in rollender Woche arbeiten. Aber die Arbeitsbedingungen haben sich auch deutlich verbessert", sagt sie. Gerade in letzter Zeit seien viele befristet Beschäftigte in feste Arbeitsverhältnisse übernommen worden. GKN kann es sich leisten: Finanzchef Jürgen Weiß verzeichnet ein dickes Umsatzplus von 76 Prozent mehr in drei Jahren. "Wir liegen dieses Jahr bei 350 Millionen Euro. Nächstes Jahr sollen es 400 werden", so der 63-Jährige, der seit 1993 in Mosel arbeitet. All das, so Ramires, sei Folge strategischer Neuausrichtungen, von denen der Standort profitiert habe. Prozesse wurden neu geordnet und optimiert - bei laufender Produktion dabei im Werk rund 350 Maschinen und Anlagen bewegt. Weitere Neuerung ist ein logistischer Pufferbereich, "Supermarkt" genannt. Er wird ständig mit zugekauften und im Werk gefertigten Einzelteilen befüllt. Die Montage nimmt sich daraus, was sie für die Endprodukte braucht: für Systeme zur Kraftübertragung vom Autogetriebe auf die Antriebsräder. 15.000 Gelenkwellen täglich, zuzüglich weitere 25.000 Gelenkkomponenten entstehen in Mosel aktuell in rund 400 Varianten. Abnehmer sind unter anderem BMW, Daimler, Volvo, Fiat und Marken des VW-Konzerns.

So international die Kundschaft, so vielstimmig die Logistik: Leipzig wird täglich beliefert, die USA wöchentlich, China monatlich. Auch hier lag eine neue Herausforderung: "Früher kamen zu uns 20Lkw am Tag. Heute sind es 80, und die wollen alle zwischen 9 und 12 Uhr anrollen", so Ramires.

Wer so dasteht, der sieht sich Begehrlichkeiten ausgesetzt: So äußerte Stadtoberhaupt Pia Findeiß (SPD) gestern in ihrem Grußwort den Wunsch, zur offiziellen Werksbezeichnung solle doch bald der Name Zwickau gehören.

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