Hier sind die frisch gebackenen Gesellen

Manche Lehrlinge haben mit ihrem Abschluss den Traumjob in der Tasche. Manche wollen auch einen anderen Weg einschlagen.

Zwickau/Glauchau.

Um drei Uhr morgens klingelt der Wecker, um vier Uhr beginnt die Schicht. Für Constanze Kraska ist das kein Problem. "Ich mache meinen Job gern", sagt die junge Konditorin, die am Freitag ihre dreijährige Ausbildung erfolgreich beendete. Insgesamt 46junge Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Landkreis wurden in Zwickau frei gesprochen.

Bei ihrer ersten Lehre als Köchin hatte Constanze Kraska gemerkt, dass ihr Süßes besser liegt als herzhafte Speisen - und sich deshalb neu orientiert. Die Lehre hat ihr gefallen. Sie hat dabei unter anderem erfahren, dass die Fachfrau für Torten viel Übung braucht, damit die Produkte filigran und appetitlich aussehen. "Sahne und Buttercreme müssen ordentlich gearbeitet sein. Und man muss das Gebäck den Kunden auch erklären können", sagt die 22-Jährige. Am liebsten backt sie Kekse mit Schokolade. Von ihrer Leidenschaft profitiert nicht nur die Familie, sondern auch ihre Hockeymannschaft in Meerane. Einen Masterplan für die Zukunft hat die junge Frau noch nicht. Vorerst will sie weiter in der Bäckerei Förster in Glauchau arbeiten: "Es ist mir sehr wichtig, dass ich mich bei der Arbeit wohl fühle, und hier läuft es einfach harmonisch."

Ein neues Berufsziel hat indes Moritz Zunder: Er möchte zur Bundeswehr gehen. "Fliesenleger war eigentlich mein Traumjob. Ich habe allerdings während der Ausbildung gemerkt, dass es nicht meins ist", sagte der 20-Jährige. Er hatte seine Lehre um ein Jahr auf vier Jahre verlängert und bereut diese Entscheidung nicht. "Anfangs war ich vor allem schulisch noch nicht so weit." Für seinen Ausbildungsbetrieb Betonstein & Terrazzo Zwickau ist der Entschluss nicht einfach. In den Vorjahren hatte bereits ein Lehrling seine Ausbildung abgebrochen. "Es bringt jedoch nichts, die jungen Leute zu halten. Die Arbeit würde darunter leiden. Sie müssen ihren eigenen Weg gehen", sagte die Büroleiterin des Acht-Mann-Betriebes, Ute Barth. Eines nimmt Moritz Zunder von hier auf jeden Fall mit in ein neues Arbeitsleben: "Ich habe mich mit den Kollegen wohl gefühlt, das ist mir sehr wichtig bei der Arbeit." Unterdessen sind die Handwerksbetriebe bereits auf der Suche nach Lehrlingen für den Ausbildungsstart im Herbst 2019. Viele Firmen nutzen dazu den heutigen Tag des Handwerks. In der Region Zwickau findet traditionell an diesem Tag eine Ausbildungsmesse statt. In der "Neuen Welt" präsentieren sich beim Tag der Bildung von 9 bis 14Uhr unter anderem das Friseurgeschäft "Pro Haar" aus Zwickau, die Zimmerei Gero Gottsmann aus Crimmitschau und die Dachdeckerfirma Christoph Brosius aus Zwickau. "Wir würden uns mehr Teilnehmer wünschen", sagte die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, Annette Bochmann. Für die Firmen ist die Präsentation kostenlos, die Ausstellungskosten zahlt die Kreishandwerkerschaft.

Insgesamt haben im Bereich der Handwerkskammer Chemnitz, zu der Zwickau gehört, im September 1847 Lehrlinge in 101 Berufen ihre Ausbildung begonnen. Das sind in etwa so viele wie im Vorjahr. Unter den Neulingen sind 394 junge Frauen. Die Handwerker setzen sich stark für eine bessere Bildung in den Oberschulen ein. "Wir brauchen junge Menschen mit einer ausgezeichneten Schulbildung, damit der Weg ins Berufsleben optimal verlaufen kann", sagte Ralf Berger, Präsident des Landesamtes für Schule und Bildung.

Nach wie vor fehlt zudem eine Entscheidung zum Azubiticket. "Wenn es Studierendentickets gibt, ist es nur recht und billig, auch den Lehrlingen Mobilität zu einem annehmbaren Preis zu ermöglichen", sagte Handwerkskammer-Präsident Frank Wagner. Derzeit finden intensive Gespräche zwischen der für die Schülerbeförderung und den Nahverkehr zuständigen Städten und Landkreisen und dem Freistaat statt, teilte das sächsische Wirtschaftsministerium dazu am Freitag mit. Daher seien Aussagen zur konkreten Ausgestaltung noch nicht möglich.

Deutlich weiter ist der Verkehrsverbund Mittelsachsen, der ein entsprechendes Ticket beschlossen hat. Es kostet 48 Euro. 16- bis 25-Jährige können damit rund um die Uhr den Verbundraum bereisen. "Wir hoffen, dass nicht jede Strecke mit dem Auto gefahren wird", sagte Zwickaus Landrat Christoph Scheurer (CDU) bei der Freisprechungsfeier.


Kommentar: Ein Ticket für die Umwelt

Die berufliche Ausbildung soll in Sachsen attraktiver werden - nicht nur fachlich, sondern auch verkehrstechnisch. Das hat sich die sächsische Regierung vorgenommen und im Koalitionsvertrag verankert. Doch seit der letzten Wahl im Freistaat sind drei Jahre vergangen, und das Azubi-Ticket ist noch nicht realisiert. Für die sächsische Bildungs- und Umweltpolitik kein Ruhmesblatt. Mit dem Semesterticket für Studenten fördert sie zwar die akademische Bildung, benachteiligt aber die berufliche.

Das hat Folgen für das Finanzbudget der künftigen Facharbeiter und für die Berufsschulen. Erreichen in einer Schule Klassen die Mindestanzahl an Schülern nicht, wird die Schule geschlossen. Zwickauer müssen dann etwa nicht mehr nach Chemnitz, sondern nach Bautzen. Mit Auto sind die Jugend- lichen dann flexibler am weiter entfernten Ausbildungsort ... dabei sollten doch künftig weniger Fahrzeuge auf die Straßen.

Das Azubiticket wird also auch ein Ticket für die Umwelt sein - und muss endlich Realität werden.

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