Hinter dem Badespaß steckt viel Arbeit und eine Portion Chemie

Schwimmmeister stehen am Becken, passen auf die Gäste auf und machen dabei eine gute Figur in der Sonne. Doch hinter dem Job steckt viel mehr. Das sehen die Badbesucher nicht.

Gersdorf.

Eigentlich heißt das spezielle Schraubglas Küvette. Doch Schwimmmeisterin Mandy Wittig nennt es im schönsten erzgebirgischen Jargon "Glasröhrle". Genau zehn Milliliter entnimmt sie damit dem Schwimmbecken des Gersdorfer Sommerbades, tröpfelt sechs Tropfen Lovibond-Pufferlösung aus einem kleinen blauen Plastefläschchen hinein und gibt zwei Tropfen Reagenz aus dem grünen Fläschchen dazu. Kurz schütteln und ab damit auf das digitale Photometer.

"Damit messe ich sozusagen das freie Chlor im Wasser", sagt die erfahrene Schwimmmeisterin, die seit 1997 im Sommerbad arbeitet. Das Methodensymbol des Geräts blinkt drei Sekunden, dann erscheint ein Wert auf der digitalen Anzeige. "Perfekt", sagt Mandy Wittig. "Wenn der Wert unter 0,3 Gramm pro Liter absackt, müssen wir Chlor zugeben. "Das passiert automatisch, wir können aber auch per Hand nachhelfen", erklärt sie. Danach wird das gebundene Chlor getestet, ebenso der ph-Wert des Wassers. "Der sollte zwischen 6,5 und 8,4 liegen", sagt Mandy Wittig. Dreimal täglich entnimmt sie Proben.


"Das müssen wir auch bei schlechten Wetter tun. Unsere Frühschwimmer kommen immer, egal ob es regnet oder die Sonne scheint", sagt die 42-Jährige. Zu den 20Stammgästen gehört auch die 75-jährige Ute Hempfling. Früher schwamm sie 1000 Meter am Stück, heute nur noch 500, aber täglich. "Ich verlasse mich natürlich auf die Schwimmmeister. Ich komme schon seit vielen Jahren hierher und kann mich über die Wasserqualität nicht beklagen", sagt die ehemalige Kindergärtnerin. Sie weiß, dass die rund 3500 Kubikmeter Wasser aus dem badeigenen Brunnen kommen.

Die Wassertests gehören zu den Arbeiten im Sommerbad, von denen die Badegäste kaum etwas mitbekommen. Während deutschlandweit 2500 Schwimmmeister fehlen, hat Gersdorf noch keinen Notstand. Mandy Wittig, die nach der Saison wieder die Bauhof-Mannschaft verstärkt, und ihr Kollege Daniel Baumgärtel teilen sich in die Dienste und die Arbeit. Denn das Klischee - Schwimmmeister stehen in der Sonne am Beckenrand, machen eine gute Figur und passen auf die Besucher im Becken auf - erfüllen die beiden nicht. "Da gibt es in der Saison jeden Tag eine Menge Arbeit. Das geht schon damit los, dass wir früh die Toiletten reinigen", sagt Mandy Wittig. Jeden Tag reinigt der Frühdienst das Planschbecken. "Das ist ungünstig angeordnet, gleich neben dem Sandkasten. Das heißt, wir müssen es jeden Abend ablassen, morgens reinigen und befüllen." Mit dem geplanten Umbau des Freizeitbereiches soll das Problem beseitigt werden. Weil das Bad von riesigen Bäumen umstellt ist, muss der Frühdienst auch mit dem Kescher ran und die Blüten und Blätter, die auf der Oberfläche treiben, aus dem Becken fischen. Schmutz, der sich am Boden sammelt, schnappt sich der Beckensauger. Den lassen die Schwimmmeister regelmäßig zu Wasser. "Natürlich müssen wir darauf achten, dass die Pumpen laufen, die Filter einmal täglich gespült werden, die Liegeflächen und Spielplätze von Unrat befreit werden." Und nicht zuletzt wird der Griff nach der Kreide von den Gästen aufmerksam beäugt. Denn das heißt: Gleich erscheint an der Tafel die aktuelle Wassertemperatur. Die liegt derzeit noch bei 21 Grad Celsius.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...