Kein Luftschloss in Lichtenstein

Schlossherr Mario Schreckenbach will keine Termine für das geplante Hotel nennen, sondern Schritt für Schritt vorgehen. Das Interesse am Projekt ist groß.

Lichtenstein.

Die über 150Plätze im Konferenzraum reichten nicht aus, sodass einige Interessierte stehen mussten oder etwas enttäuscht nach Hause gingen. Der Vortrag mit Torsten Remus vom Landesamt für Denkmalpflege und Schlossherr Mario Schreckenbach am Freitagabend im Daetz-Centrum bestätigte das große Interesse der Öffentlichkeit an Lichtensteins markantestem Gebäude.

Die für viele entscheidende Frage wurde am Ende des Vortrages gestellt. Wann die ersten Gäste in das geplante Schlosshotel einziehen, wurde aus den Besucherreihen gefragt. "Dazu gibt es von mir jetzt keine Auskunft", sagte Schlossherr Mario Schreckenbach. Genau Termine zu nennen, habe er sich bei dem Projekt abgewöhnt.

Doch zuvor hatte er schon darüber informiert, dass sich am Schloss bald noch mehr von außen Sichtbares tut. Denn die Ausschreibungen für komplizierte statische Sicherungsarbeiten im Innenhof laufen, und auch für Tiefbauarbeiten außerhalb der Schlossmauern gibt es sehr konkrete Pläne. "Ich denke, wir können im Frühjahr damit anfangen", sagte Mario Schreckenbach auf Nachfrage der "Freien Presse" während eines kurzen Baustellenbesuches nach dem Vortrag. Dabei zeigte er den Gästen, was sich im Bereich des Schlossberges tut, wo derzeit Stützmauern entstehen.

Dabei betonte er auch, dass in den vergangenen Jahren schon viel geschafft wurde. Er hege keinen Groll gegenüber Denkmalschützern und Archäologen, die sich dem Schloss sehr intensiv gewidmet haben und auch noch weiter an dessen Baugeschichte forschen werden. Bereut habe er es nicht, dass er das Schloss ersteigert habe. "Ich finde es ja selbst auch wirklich interessant, was hier alles entdeckt und herausgefunden wird", sagte der 59-Jährige, der Chef eines 35 Mitarbeiter starken Unternehmens in St. Egidien ist, das deutschlandweit an Restaurierungsarbeiten beteiligt ist.

Ob seine Angestellten irgendwann an der Lichtensteiner Schlossfassade mitarbeiten, ist noch nicht sicher. Denn die Baufirma und die Gesellschaft, die hinter dem Schlossprojekt steht, sind klar getrennt. "Da wir Fördermittel bekommen, müssen alle Leistungen ausgeschrieben werden", erklärte Schreckenbach, der Gesamtinvestitionen von rund 15Millionen Euro für das Schloss kalkuliert hat. Ein Hotel mit rund 50Zimmern, Restaurant und Café mit Außenbereich an der Westseite soll genauso dazu gehören wie ein Wellnessbereich, der unter dem jetzigen Schlosshof Platz finden soll. Ein großes Außenschwimmbecken soll in Richtung Süden gebaut werden, also dem Altmarkt zugewandt.

Jenes Schwimmbecken sorgt bei Denkmalpfleger Torsten Remus nicht für Begeisterung, aber er weiß auch, dass das Hotelkonzept passen muss: "Denkmalschutz ist immer auch ein Kompromiss". In seinem Vortrag legte er dar, warum die Experten so ausdauernd im Schloss forschen. Die Entwicklung der Grundrisse von der Entstehung um das Jahr 1200 bis in die Gegenwart ist genauso von Interesse wie der alte Bergfried der ersten Burg, bestimmte Fugentechniken, besondere Zeichen der Steinmetze, die Datierung der Dachbalken auf das Jahr 1538 oder die im Rahmen eines Umbaus verschwundenen Rundgiebel, wie sie beispielsweise noch am Glauchauer Schloss zu sehen sind. Diese sollen im Rahmen der Sanierung teilweise wieder entstehen.

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