Kinder entdecken die tolle Knolle

Der Erdäpfel-Kochbus hat in Wüstenbrand Station gemacht. Dahinter steckt ein pädagogisches Konzept mit Pfiff.

Wüstenbrand.

Was kann man aus Kartoffeln alles machen? Die Antworten der Grundschüler der Diesterwegschule kommen wie aus der Pistole geschossen: Pommes. Bratkartoffeln. Kartoffelsalat, Kartoffelsuppe, Kartoffelauflauf, Chips. Mit Grünen Klößen ist sogar die Hohe Schule der Erzgebirgischen Kochkunst vertreten.

Eventkoch Martin Schneider ist begeistert: "Die Kinder auf dem Land wissen meist gut Bescheid", sagt er. Schneider hat mit dem Erdäpfel-Kochbus, einem 11,5 Meter langen umgebauten Doppelstockbus für einen Tag einen Stopp an der Wüstenbrander Diesterwegschule eingelegt. Auf Einladung des Weidensdorfer Kartoffelverarbeiters Friweika steuert er auf dieser Tour 19sächsische Schulen an. Das Ziel: Grundschülern die heimische Kartoffel als wertvollen Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung schmackhaft machen.

22 Schüler nehmen in der fahrenden Küche Platz, verziert mit Kochschürze und Kochmütze. Schneider erklärt den Kindern erst einmal das Gegenteil von gesunder Ernährung: Kartoffelchips aus der Fabrik, die alles enthalten, außer Kartoffeln: Öl, Fett, Maismehl, Weizenstärke, natürlich ein klein wenig Kartoffelpüreepulver. Dann kommt die Chemische Keule: Maltodextrin, Emulgator E 471, Mononatriumglutamat, Dinatriumguanylat und Dinatriuminosinat. "Lernt bitte gut lesen, und dann lest das Kleingedruckte. Das wird nämlich extra so klein gedruckt, damit es keiner liest", warnt Schneider. Die Kinder staunen. Nein, sie wollen gesund leben. "Wir machen heute Pommes ohne Fett und dazu eine leckere Tomatensauce", kündigt Schneider zur Freude der Kinder an. Der 48-Jährige rüstet die Kinder mit Schneidbrett, Messer und Kartoffelschäler aus - und los geht's. Für Moritz Stopp ist der Umgang mit den Küchengeräten nichts Neues. Er kocht regelmäßig mit seiner Mama. "Gemüse schneiden macht mir viel Spaß", sagt der Achtjährige. Seine Kartoffel verwandelt sich ruckzuck in Kartoffelstreifen mit der richtigen Größe. Auch Hedda Uhlig stellt sich geschickt an. "Wir kochen zuhause gern Lasagne", sagt sie. Und Sarah Kahl aus Wüstenbrand kocht mir ihrer Mutter gern Nudeln und Suppen.

Schneider zeigt den Kindern die richtige Technik für sicheres Schneiden, damit die Finger heil bleiben. "Vor zehn Jahren habe ich mit dem Kochprojekt angefangen, damals habe ich für meine jungen Köche reichlich Pflaster gebraucht. Inzwischen kommt es ganz selten vor. Ich weiß genau, wie ich die Schneidetechnik erklären muss, damit die Kinder es verstehen." Trotzdem gelingt den Grundschülern nicht alles. Mal sind die Pommes zu kurz oder zu dünn, bei anderen unternimmt das Plastikschneidbrett einen Fluchtversuch vom Tisch. Dennoch: Begeistert werkeln die Mädchen und Jungen vor sich hin, geben ihr Bestes. In den Gesichtern spiegeln sich Anspannung und Ehrgeiz.

Kindgerecht erklärt Martin Schneider jeden Arbeitsschritt. Während die Pommes im Ofen brutzeln, bereitet er mit den Schülern die Soße zu: Lauch, Zwiebeln, Möhren, Sellerie, Birne. Was dabei herauskommt, soll die Lust auf gesunde Ernährung wecken. Am Spaß mangelt es zumindest nicht. Und am Ende haben die Kinder vor allem eines gelernt: Das Tolle an der heimischen Knolle? Sie ist, selbst zubereitet, gesünder als jedes Fertigprodukt.

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