Kirche ist fürs Dorf viel zu groß

Das Gotteshaus in Callenberg ist 160 Jahre alt. Der neoromanische Bau ist eine Fundgrube an Schätzen und Symbolik. Doch warum wurde damals so eingewaltiger Bau im Ort errichtet?

Callenberg.

Braucht ein kleiner Ort wie Callenberg mit knapp 1300Einwohnern eine so große Kirche? Natürlich nicht. Das weiß auch Ullrich Solf. Aber er ist stolz auf "sein" wunderschönes und eindrucksvolles Gotteshaus. "Eigentlich bin ich nur ein einfaches Mitglied der Kirchgemeinde", sagt er bescheiden. Trotzdem hat er sich vor zwölf Jahren eine gewaltige Aufgabe auferlegt und die Geschichte des Hauses in der Chronik und historische Unterlagen für eine Ausstellung zum 150. Geburtstag der St.-Katharinen-Kirche im Jahr 2009 aufgearbeitet. Im Zusammenhang mit dem Ortsjubiläum "775 Jahre Callenberg" konnten nun noch einmal Hunderte Besucher Einblick in die Geschichte des Hauses nehmen.

"Ich habe beim Aufarbeiten des Materials selbst eine ganze Menge über das Haus gelernt", sagt Ullrich Solf. Ihn beeindruckt vor allem die gewaltige Fülle an Symbolik, die sich vom Eingang auf der Seite der Taufkapelle bis zum Altar durch das gesamte Gotteshaus zieht. Ehefrau Carola Solf deutet auf das Taufsymbol im Turmportal, die Taube auf einem Kreuz im Kreis. Die Taube findet sich auch mehrfach im Deckenbogen des Altarraumes wieder. "Es ist ja das Friedenssymbol, für mich ein Zeichen dafür, dass sich die Menschen damals vor allem Frieden gewünscht haben, als die Kirche neu gebaut wurde." Der damalige Pfarrer Moritz Meurer, von Fürst Otto Viktor von Schönburg-Waldenburg 1841 zum Pfarrer von Callenberg ernannt, galt als ein gewissenhafter Mann, der tief gehende Predigten hielt. Von diesem Seelsorger und Theologen seien Liebe, Weisheit und Segen ausgegangen. Sein Werk "Luthers Leben aus Quellen erzählt" erschien sogar in New York in englischer Sprache.

Als die alte Kirche Mitte des 19.Jahrhunderts aus allen Nähten platzte, musste ein Neubau her. Unter Meurers Leitung, der mit meisterlichem Sachverstand und Eifer agierte, entstand von 1855 bis 1859 eine der größten und schönsten Dorfkirchen des Landes. Aber warum in dieser Dimension? "Das Geld war einfach da, es war die Zeit der Industrialisierung", bringt es Ullrich Solf auf den Punkt. Außerdem spendeten reiche Bauern viel Geld. Das Haus befand sich zudem im Einflussbereich der Schönburger und musste etwas hermachen. Inwieweit sich der Fürst an der Finanzierung beteiligte, weiß Solf nicht. Die Einweihung erlebte der Fürst nicht mehr, er starb im Februar 1859, fünf Monate vor dem Fest. Fakt ist, dass die Kirche einige Schätze vorzuweisen hat, wenngleich das Haus in DDR-Zeiten wenig Zuwendung erhielt. Heute ist es nicht nur ein Ort der inneren Einkehr, sondern auch ein bauhistorisches Schmuckstück mit kulturhistorischen Schätzen. Einer davon das Fresco "Die Opferung Isaaks", das der Sohn des Pfarrers, Gottlieb Moritz Meurer, im Auftrag des Vaters an der Nordseite des Chores malte. Das Kruzifix darüber soll vom berühmten Zwickauer Bildschnitzer Peter Breuer stammen. Schmuckstücke sind auch die Kanzel mit den fünf Evangelisten und das Apsisgemälde "Christus, der Welterlöser als Weltenrichter".

Verschwenderisch waren die Erbauer der St.-Katharinen-Kirche trotz reicher Spenden aber keineswegs. Beim Auftrag für die Orgel griff die Gemeinde nach dem preiswerteren Angebot der Firma Kreutzbach aus Borna. Die wollte 2245 Taler dafür, Jehmlich aus Zwickau deutlich mehr.

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