Legenden aus Pappe zurück am Ring

Ein markanter Duft von Zweitakter-Auspuffgasen und das Räng-täng-täng aus 600 Kubikzentimern machten am Wochenende das Textil- und Rennsportmuseum zum Eldorado der Trabant-Rennsportszene.

Hohenstein-Ernstthal.

Es gibt sie noch, die einzig wahre Rennpappe, den schnellsten Trabi der DDR - Himmelblau, und bis auf das Rallyeoutfit sieht er fast wie jeder andere 26-PS-Serienflitzer aus, der im Zwickauer Trabant-Werk vom Band rollte. Doch der vom fünffachen DDR-Meister Klaus Schumann, heute 84 Jahre alt, holte satte 70 PS aus seinem Zweitakter. Und erst bei Tempo 180 war Ende der Fahnenstange.

Beim Rennpappentreffen im Textil- und Rennsportmuseum (TRM) krochen Besucher förmlich unter die Motorhauben der mehr als 40Duroplast-Renner, die es in allen Varianten zu sehen gab - als Rallye-Bolide, Rundstreckenflitzer, Formel-Auto oder in geländetauglicher Auto-Cross-Bauweise. Als die alten Strategen am Sonnabendmorgen anrückten, tummelt sich schon rund 200 Besucher im Museumshof und in der Antonstraße, wo der Großteil der Trabant-Karawane Stellung bezogen hatte. Immer umlagert: der Schumann-Trabant. Er ist heute im Besitz von Wolfgang Hirche aus Großkeyna. Der 68-Jährige kennt jedes Schräubchen am Meisterrenner. Er hatte ab 1969 in der Wartburg-Werkstatt von Klaus Schumann seine Lehre absolviert und war nach seinem Wehrdienst bei der NVA 1976 als Schrauber im Schumanns Rennteam eingestiegen und hat jedes Rennen bis zum Ende im Jahr 1989 miterlebt. Zwischendurch wechselte die Pappe mal den Besitzer, doch Hirche schnappte sie sich und baute sie liebevoll wieder auf.

Rund 100 Besucher erlebten bei Kaiserwetter auf dem Museumshof die erste Talkrunde mit den alten Strategen mit. Unter den mehr als zehn Gesprächspartnern war Hans-Dieter Kessler, einer der besten Tourenwagenfahrer in DDR-Zeiten. Auch Manfred Glöckner, genannt "Glocke", der vor allem im MT 77 auf dem Sachsenring einiges gerissen hat. Ebenso Buchautor Hendrik Medrow, der die Szene von damals brillant aufgearbeitet hat. Moderiert wurde das Ganze von der einstigen Stimme des Sachsenringes Lutz Weidlich, den die DDR-Gewaltigen aus der Funktion des Streckensprechers gekickt hatten, nachdem er beim Weltmeisterschaftslauf 1971 am Sachsenring den westdeutschen Sieger Dieter Braun allzu euphorisch in seinem Kommentar gefeiert hat. "Ich bin dann eben einfach selbst Rennen gefahren", erzählt der Mann mit der markanten Stimme, der vor allem seinem Gesprächspartner Stromhard Kraft immer Fairness im Rennen bescheinigte. Kraft gilt als das wandelnde DDR-Trabant-Rennsportlexikon. Aus ihm sprudelten die Anekdoten nur so hervor. Der Mann mit viel Benzin im Blut hat nicht nur gute Erinnerungen an den Sachsenring. Nach seinem Unfall am 16. Juli 1967 auf dem Sachsenring lag er mit 13 Knochenbrüchen neun Monate im Lichtensteiner Krankenhaus. Die Rennszene war damals noch ganz anders. "Man half sich gegenseitig mit Motoren und Getrieben aus, nutzte die Prüfstände der anderen. Das war eine eingeschworene Truppe. Wir hatten viel Spaß", sagte er.

Cheforganisator Randy Kämpf vom TRM überließ den alten Herren gern die Bühne. "Wir haben viele Besucher, also alles richtig gemacht."

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