Mit viel Mut vors Publikum

Nachdem Horst Barth 2014 an seinem Krebsleiden erlag, veränderte sich für dessen Frau alles. Ihre Gedanken und Gefühle hat Renate Barth danach aufgeschrieben - und stellt sie jetzt öffentlich vor.

Hohenstein-Ernstthal.

Es ist ein relativ dünnes Buch mit sepiafarbenem Einband, das Renate Barth in ihren Händen hält. Mit kräftiger Stimme liest die 85-Jährige daraus die Szene, wie sie 2014 die Beerdigung ihres Mannes erlebte. Fast scheint es so, als könne ihr diese Geschichte nichts mehr anhaben. Doch dann wird sie doch noch von ihren Gefühlen übermannt. Ihre Stimme stockt, Tränen steigen ihr in die Augen.

"Damals hat mein Leben einen Riss bekommen", sagt die heutige Ruheständlerin über den Tod ihres Mannes Horst Barth. Um das zu verarbeiten, entschied sich die Hohenstein-Ernstthalerin dazu, ein Buch über ihre Gefühle und Erinnerungen zu schreiben. Heute gibt es davon bereits zwei Bände. Bei der Hohenstein-Ernstthaler Lesebühne trug sie daraus am Freitagabend erstmals öffentlich vor.


Gespannt lauschten Renate Barth etwa 30 Zuhörer in Rother's kleiner Kaffeestube am Altmarkt in Hohenstein-Ernstthal. "Die Plätze waren alle gefüllt und der Vortrag von Frau Barth hat auf jeden Fall neugierig gemacht", berichtet Veranstalter und Autor Mario Schubert. Auch in Zukunft möchte er weitere Lesungen von Schreibern aus Hohenstein-Ernstthal und Umgebung organisieren. "Dafür suchen wir immer nach weiteren Autoren", sagt der Autor diverser Kriminalgeschichten.

Die Erzählung, die Renate Barth dabei ihren Zuhörern vorträgt, ist eine emotionale. Sie zieht den Leser durch ihre gesamte Lebensgeschichte, reicht vom Zweiten Weltkrieg bis in die heutige Zeit. Ein Großteil ihres Lebens aber spielt in der DDR. Von dort wollte Barth als junge Frau im Alter von 16 Jahren sogar einmal selbst fliehen, doch ihr Mann hielt sie davon ab. "Er war sehr intelligent", sagt sie heute über ihn.

Also blieb sie in ihrer Heimat, wurde Journalistin, arbeitete einige Jahre bei der "Freien Presse". Mit der Geburt ihres Sohnes suchte sie sich eine neue Arbeit und landete schlussendlich bei der Betriebszeitung des VEB Möbelstoff. Schon damals wollte sie ein eigenes Buch schreiben - ein Kinderbuch. Darin sollte das Thema Tuberkulose behandelt werden, ein Tabuthema in der DDR. Ohne Veränderungen hätte sie es nicht veröffentlichen dürfen, also ließ sie es nie erscheinen. Danach wollte sie erst einmal kein Buch mehr schreiben.

Einen großen Schnitt in ihrem Leben erlebte Renate Barth, wie so viele Menschen in der DDR, mit der Wende. Den VEB Möbelstoff gab es plötzlich nicht mehr - die Autorin der Betriebszeitschrift wurde arbeitslos. Eine neue Stelle sollte sie danach nicht mehr finden. Zu alt war sie, zu hoch ihr Bildungsgrad. Auch davon erzählt sie in dem ersten Band der Reihe "Lebensreise".

Immer an ihrer Seite war dabei ihr Mann. Zwei Jahre lang kannten sich die beiden bereits, als sie sich 1954 das Jawort gaben. Wenn sie von Horst Barth erzählt, dann ist ihr die Bewunderung deutlich anzumerken. "Ich kam aus bürgerlichen Verhältnissen. Mein Mann ist dagegen in einer Arbeiterfamilie großgeworden", sagt sie. Dennoch hat er es geschafft zu studieren, wurde Lehrer, später sogar Direktor in Oberlungwitz. Auch er taucht postum in dem ersten Band als Autor auf. Es sind seine Aufzeichnungen, die sie darin immer wieder zitiert.

Diese Geschichte aufzuschreiben, das habe ihr Spaß bereitet. "Aber es war eigentlich nie zur Veröffentlichung gedacht", sagt die Autorin. Davon wurde sie von einer Freundin überzeugt. Noch in diesem Jahr soll der dritte Band erscheinen. Sie betont aber, dass nur der erste wirklich authentisch sei. "Der Rest beruht nur auf meinen Erfahrungen", sagt sie. Derzeit überlegt Renate Barth, noch weitere Bücher zu schreiben. Ideen dafür habe sie genug, sagt die Ruheständlerin.

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