Neuer Edeka-Markt wird als Familienbetrieb geführt

Christian und Carolin Meisel sind die Gesichter des neuen Edeka-Marktes in der Stadt. Ihr Vorhaben ist nicht ohne Risiko.

Hohenstein-Ernstthal.

Anfang des Jahres noch hatte Christian Meisel vor dem öden Gelände gegenüber dem Bahnhof Hohenstein-Ernstthal gestanden. "Soll ich das echt machen?" dachte der 35-Jährige. Der gelernte Einzelhandelskaufmann stand davor, ein geschäftliches Wagnis einzugehen und einen Berg Schulden aufzunehmen. Zehn Monate später herrscht emsiger Betrieb auf dem Gelände. Von der Brache ist nicht mehr viel zu sehen. Auf circa 4000 Quadratmetern ragt nun ein Neubau mit Glasfassade empor. Die Verkaufsfläche des neuen Edeka-Marktes ist halb so groß. In dem Neubau räumen Mitarbeiter Regale ein, die Hälfte ist bereits gefüllt. Christian Meisel schafft es kaum, sich drei Meter von A nach B zu bewegen. Ständig hält ihn jemand an. Hier gilt es, eine Frage zu beantworten, dort muss eine Entscheidung her. Der junge Marktleiter ist in seinem Element. Mit den Helfern und Mitarbeitern ist er per Du. Das ist Teil seiner Philosophie. "Ich renne auch rum wie meine Mitarbeiter. Im Anzug werden Sie mich nicht durch den Markt stolzieren sehen."

Trotz seiner Bodenständigkeit ist es auch der Ehrgeiz gewesen, der den mittlerweile zweifachen Vater nach Hohenstein-Ernstthal gebracht hat. Oder besser gesagt, zurück gebracht. Mit 23 Jahren bereits wurde Christian Meisel zum Bezirksleiter befördert. Dazu musste der in Schlema Geborene ins weit entfernte Mainz ziehen. Fortan hieß es, täglich zwischen zwölf und 16Edeka-Märkten herumzutingeln und nach dem Rechten zu schauen. "Ich war einer der Jüngsten und hatte das größte Gebiet abzudecken." Circa 130.000 Fahrtkilometer seien pro Jahr zusammengekommen.

Doch als vor drei Jahren die erste Tochter zur Welt kam, sollte es so nicht weitergehen. "Höchste Zeit, wieder zur Familie in die alte Heimat zurückzuziehen", dachte sich Christian Meisel, dessen Traum schon immer war, einen eigenen Markt zu leiten. Der Standort Hohenstein war vom Edeka-Konzern ausgeschrieben. "Ich fand das saugeil hier, die Moto-GP und alles, da wollte ich voll mitziehen."

Sämtliche Ersparnisse der Familie Meisel flossen in den Markt. "Wir haften zu 100 Prozent." Auch Kredite wurden aufgenommen. Für die Miete des Gebäudes muss der Marktleiter selber aufkommen. Eigentümer ist Edeka. Leer steht bislang noch eine Fachmarktfläche. Doch es gebe mehrere Interessenten. "Bis Ende des Jahres soll feststehen, wer einzieht. Mehr verrate ich noch nicht", sagt Christian Meisel.

Der am 26. November eröffnende Edeka-Markt soll eine Art Familienunternehmen werden. Ehefrau Carolin hat ihren Job als Intensivpflegerin aufgegeben, um im Büro mitzuarbeiten. "So habe ich auch mehr Zeit für die Kinder", sagt die 32-Jährige. Schon jetzt sei sie bei den meisten Entscheidungen involviert. Ehemann Christian lernt seine Ehefrau an. Die habe auch eine neue Herausforderung gesucht. Und auch der Vater arbeite "seit dem ersten Tag" in dem Markt mit.

Den Meisels ist es wichtig, dass sich der Markt in die Region einfügt. An den Wänden sollen bald nicht nur Bilder Szenen aus der Geschichte des Sachsenringes zeigen. "Im Eingangsbereich wird auch ein Exemplar der Rennstrecke im Miniaturformat von der Decke hängen", verkündet Christian Meisel.

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