Pilze gibt es zurzeit im Überfluss

Noch vor einem Monat hatten Pilzberater in der Region kaum etwas zu tun. Jetzt kommen bis zu 20Sammler am Tag, um ihre Schwamme überprüfen zu lassen. Das ist auch notwendig, denn es sind viele giftige dabei.

Hohenstein-Ernstthal.

Nach dem heißen Sommer sah es gar nicht nach einer guten Pilz-Saison aus. Doch jetzt kommen viele Sammler gar nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Dazu gehört auch Pilzberater Werner Stolpe aus Hohenstein-Ernstthal. Er berichtete am Dienstag: "Solche Massen an Pilzen und so eine riesige Artenvielfalt hat es hier schon lange nicht mehr gegeben." Da war vor ein paar Wochen nicht im Traum dran zu denken. Grund dafür ist der starke Regen in der letzten Zeit. Besonders ergiebig sind momentan die Gebiete am Stausee Oberwald, im Rümpfwald und auf der Langenberger Höhe. Aber auch in Park, in Gärten und auf Friedhöfen sprießen die Pilze. Und: Es gibt zur Zeit nicht nur viele Pilze - sie wachsen auch sehr schnell. Zuletzt habe es im Jahre 2000 ein so gutes Pilzjahr gegeben, sagtWerner Stolpe.


Spannend ist laut Pilzberater Stolpe gegenwärtig auch die Artenvielfalt. Stolpe sagt: "Es gibt Raritäten, die wir seit Jahren nicht mehr gesehen haben." Dazu zählt der Experte zum Beispiel den Taubenblauen Schleimkopf. Erst am Wochenende hat Stolpe einen Großen Erdritterling gefunden. Die Schwamme-Schwemme hat aber auch einen anderen Effekt. Die Pilzberater, die in dem heißen und teilweise sehr trockenen Sommer kaum aufgesucht wurden, haben jetzt viel zu tun. Bei Stolpe klingeln derzeit täglich 20 Sammler und haben Fragen. Denn es tummeln sich auch viele giftige Pilze in der Natur. Zu den tückischsten gehören laut Stolpe der Karbol-Champignon, der fast wie ein essbarer Wiesen-Champignon aussieht. Er empfiehlt, im Zweifelsfall immer einen Pilzberater aufzusuchen.

"Jetzt kommen die Pantherpilze. Sie wachsen vor allem in Parkanlagen und an Waldrändern sowie in Wäldern unter Laubbäumen", warnen andere Pilzberater. Sogar auf einem Schulgelände in Crimmitschau seien mehrere Exemplare entdeckt worden. Die Experten vertreten einhellig die Meinung, dass beim Pilzesammeln auf Wiesen derzeit besondere Vorsicht geboten ist. "Nicht jeder weiße Pilz ist ein leckerer Champignon", heißt es. "Bei Schirmpilzen kann es ebenfalls leicht zu Verwechslungen kommen." Der Grüne Knollenblätterpilz ist den Experten dieses Jahr noch nicht in die Finger gekommen.

Die Pilzberater sind optimistisch, dass die Schwamme-Schwemme in Westsachsen noch eine Weile anhält. Schließlich seien die Herbstpilze, zu denen beispielsweise unterschiedliche Ritterlinge gehören, erst im Kommen, genau wie die Hallimasche. "Letztere sind nur roh giftig, nach 30 Minuten kochen aber eine gute, würzige Pilzmahlzeit", sagt Stolpes Kollege Uwe Vogel.

Eine Pilzausstellung, bei der Pilzberater aus dem Landkreis Zwickau ein breites Sortiment Schwamme präsentieren und über Speise- sowie giftige Pilze anschaulich informieren, findet am Sonntag von 11 bis 17Uhr im Rahmen der Kirmes in Mülsen St. Micheln auf dem Gelände der Schule im Mülsengrund, Schulweg 4 in Mülsen, statt.

www.freiepresse.de/pilzberater

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