Polizei schaut einen Tag lang genauer hin

Ungültige Fahrerlaubnis, abgefahrene Reifen, verfallene Sanikästen - zum bundesweiten Verkehrsaktionstag wurden zahlreiche Fahrzeuge auf Verkehrstauglichkeit geprüft.

Zwickau.

Die Fahrzeughalterin eines weißen Renault Kangoo sucht mit zittrigen Fingern nach ihren Fahrzeugpapieren. Auf dem Parkplatz daneben redet sich ein Mann nervös um Kopf und Kragen. Ein paar Meter weiter verschwindet ein Polizeibeamter mit einer Taschenlampe unter einen Lastwagen. Am Donnerstag hieß es wieder "Kelle raus" beim bundesweiten Verkehrsaktionstag mit dem Motto "Brummis im Blick". Rund 500 Polizisten an etwa 60 Kontrollstellen beteiligten sich daran. Im Fokus stand die Überprüfung des gewerblichen Personen- und Güterverkehrs - also Laster und Busse.

Etwa 35 Beamte der Polizeidirektion Zwickau, die auch für den Vogtlandkreis zuständig sind, prüften insbesondere Lkw, Kleintransporter, aber auch Autos an drei Kontrollstellen. Morgens in Schönberg und nachmittags zeitgleich in Crossen und Großzöbern. Dabei wurden 220Fahrzeuge, darunter 68 Lastwagen und deren Fahrer kontrolliert. In Crossen bremste ein Geschwindigkeitstrichter vor dem Rastplatz an der B 93 in Richtung Meerane die ins Visier genommenen Autofahrer ab, und leitete sie zur stationären Kontrolle. Hauptaugenmerk bei der Begutachtung der Lkw lag auf den Lenk- und Ruhezeiten, auf der Sicherung der Ladung und auf dem technischen Zustand der Fahrzeuge.

Schwerwiegende Verstöße haben die Polizisten nicht aufgedeckt. Doch in einem Fall muss sich ein Lkw-Fahrer wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten. Die Fahrerlaubnis des 58-Jährigen war erloschen, da dieser nicht zu der ab 50Jahren vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchung gegangen war. Dem Halter des Lastwagens droht zudem eine Strafe wegen des Gestattens des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Da dem Verkehrssünder das Weiterfahren verwehrt wurde, rief der sichtlich aufgelöste Mann seinen Arbeitskollegen an, der ihn abholen sollte. Die Polizisten staunten nicht schlecht, als der heraneilende hilfsbereite Kollege mit seinem Mercedes Sprinter mit offener Ladefläche in die Kontrollstelle einbog. Die über einen Meter langen und spitzen Metallstangen, die ungesichert auf der Ladefläche lagen, wurden zwar kurzerhand auf die Rücksitze des Fahrzeugs verstaut, dem Fahrer blieb jedoch eine Strafgebühr von 35 Euro wegen unzureichender Ladungssicherung nicht erspart.

Polizeihauptkommissarin Claudia Walter-Thümmler, die Einsatzleiterin an diesem Tag, ist zufrieden: "Die Personen, die wir kontrolliert haben, waren ruhig und meist sachlich. Es gab keine Auseinandersetzungen. Doch diese Verkehrssicherheitsaktion hat auch den Bedarf an solchen Kontrollen gezeigt."

Am Donnerstag wurden insgesamt 42 Verstöße von den Beamten der Polizeidirektion Zwickau festgestellt, darunter acht wegen Lenk- und Ruhezeiten und zwei Verstöße gegen die Vorschriften für Maße und Gewichte. "Wir hören von vielen Bürgern, dass sie sich mehr Kontrollen wünschen, besonders, was den Verkehr betrifft. Aber dafür fehlt uns oft das Personal", sagt die Einsatzleiterin.

Während noch vor zehn Jahren täglich rund 6100 Laster und Busse über Sachsens Autobahnen rollten, sind es heute mehr als 9300. Im Jahr 2017 kamen bei Unfällen mit Lkw und Bussen auf sächsischen Straßen insgesamt drei und im vorigen Jahr 14 Personen ums Leben. Die Zahl der Schwerverletzten stieg von 141 im Jahr 2017 auf 158 im letzten Jahr, informiert das sächsische Innenministerium.

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