Posten geräumt

Hilmar Pokorny war 22 Jahre lang Streckenposten bei großen Motorsportveranstaltungen. Am Wochenende hat er bei den GT Masters auf Wiedersehen gesagt.

Hohenstein-Ernstthal.

Als die Rennmotoren des ADAC GT Masters und der dazugehörigen Rahmenserien am Sonntagnachmittag verstummten, trat auch Hilmar Pokorny aus Hohenstein-Ernstthal nahezu wortlos den Heimweg an. Nach 22 Jahren war es das letzte Mal, dass er bei einer Großveranstaltung auf dem Sachsenring als Streckenmarshall im Einsatz war.

"Irgendwann muss Schluss sein", waren seine Worte. Auch "nun sollen mal Jüngere ran" ist keine gänzlich neue Lebensweisheit. Dahinter steckt aber mehr, schließlich ist Pokorny, wie so viele hier, von Kindesbeinen an mit dem Motorsport verbunden. Als kurz nach der Wende der Nutzfahrzeug-Hersteller MAN am alten Sachsenring eine Promotion-Veranstaltung durchführte, war der heute 68-jährige Hilmar Pokorny erstmals als Helfer im Einsatz. "Später, als es hier keine Rennen mehr gab, bin ich als Mitglied des AMC Sachsenring zu den Rennen nach Most mitgefahren und habe dort erstmals als Streckenmarshall gearbeitet", erinnert er sich. Seit dem Neustart auf dem neuen Ring im Jahr 1996 war er bei fast allen Motorsport-Veranstaltungen, außer bei den Mini-Bike-Rennen, im Einsatz. "Zwei der großen Rennen habe ich verpasst, das ging nicht anders. Einmal war ich krank und einmal im Urlaub, glaube ich, bin mir aber da nicht so sicher", blickt er nüchtern, ziemlich wortkarg und nach außen mehr oder weniger emotionslos auf eine stolze Bilanz zurück. Und wie wird das zukünftig? Ganz ohne Motorsport in der ersten Reihe? "Nein, nein. Ich war die ganzen Jahre auch immer Zuschauer, bin nach Schleiz, nach Frohburg oder sonst wohin gefahren. Deshalb werde ich wohl auch weiter zum Sachsenring kommen, dann aber halt als Zuschauer. Dass ich zukünftig Eintrittsgeld bezahlen werde und etwas weiter vom Geschehen weg bin, stört mich nicht. Im Gegenteil, da sieht man hier vielleicht einiges mit anderen Augen. Außerdem werde ich bei den Renntrainings weiter für den AMC Sachsenring im Einsatz sein. Langweilig wird es mir bestimmt nicht", erklärt Hilmar Pokorny in einer Rennpause, bevor er dienstbeflissen wieder in "Gefechtsstellung" geht.

Wie dankbar man jedem Helfer ist, ruft sein bis Sonntagnachmittag zuständiger "Chef", der Leiter der Streckensicherung Thomas Putsche aus Langenchursdorf, in diesem Zusammenhang erneut ins Bewusstsein: "Um das Ganze von Zeit zu Zeit mal für die Öffentlichkeit wieder etwas besser einordnen zu können, muss man wissen, dass der Dienst unserer Leute hinter der Leitplanke bei Wind und Wetter zwölf bis 14 Stunden geht. Alle waren schon mehr als einmal bis auf die Haut vom Regen durch und beim nächsten Rennen waren sie wieder dabei. Da kann und muss man bei dieser Gelegenheit, stellvertretend für alle, einfach mal danke sagen."

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