Räte lehnen neuen Wald ab

Am Hirschgrund wollte eine Stiftung eine große Pflanzaktion starten. Daraus wird nichts, denn der Klärungsbedarf unter den Beteiligten ist noch groß.

Oberlungwitz.

Das Landschaftsschutzgebiet Hirschgrund zwischen Oberlungwitz, Ursprung und Erlbach-Kirchberg ist dank des Wechsels von Feldern, Wiesen, Baumreihen und Wäldern ein vielseitiges Areal, zudem mit dem Hirschgrundbach und mehreren Teichen auch Gewässer gehören. Genau diese Vielfalt, die Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten bietet, wollen die Mitglieder des Technischen Ausschusses in Oberlungwitz nicht durch großflächige Baumpflanzungen gefährdet sehen. Die Stiftung "Wald für Sachsen" hatte einen Antrag gestellt, rund 13 Hektar, was etwa 20 Fußballfeldern entspricht, aufforsten zu dürfen. Das wurde einstimmig abgelehnt.

Derzeit bewirtschaftet die Agrargenossenschaft Lungwitztal die Wiesen, die beweidet werden oder Futtermittel liefern. Durch die Bewirtschaftung tragen die Landwirte damit zum Erhalt der besonderen Landschaft bei. "Es ist für uns mit großem Aufwand verbunden", sagt der Vorstandsvorsitzende Andreas Grellmann. Zur ohnehin komplizierten Bewirtschaftung, zum Beispiel auf Hanglagen, kommt hinzu, dass Ärgernisse wie von Menschen zerstörte Weidezäune oder Hundekot auf den Wiesen für Unmut bei den Landwirten sorgen. Deshalb will die Agrargenossenschaft die Flächen abgeben, vorrangig für Baumpflanzungen und weitere Naturschutzmaßnahmen.

Gegen Letztere hatten die Ausschussmitglieder nichts, wohl aber gegen die großflächigen Aufforstungen. "Die Charakteristik des Landschaftsschutzgebietes wird damit zerstört", sagte Stadtrat und Ausschussmitglied Ulrich Hoppe (CDU). Er hatte in der Vergangenheit bereits andere Baumpflanzungen kritisiert, da sie auf artenreichen Mager- und Trockenwiesen sowie auf Feuchtwiesen am Bach erfolgten. Solche Lebensräume seien schützenswert. Das sieht auch ein bereits 1992 von Landschafts- und Naturschutzexperten erarbeitetes Konzept für den Hirschgrund so, das den Erhalt der gegliederten Landschaft empfiehlt.

Mehr Bäume wurden in dem Konzept dennoch angeregt, sollten aber nur auf Ackerflächen im Randbereich erfolgen. Bürgermeister Thomas Hetzel (parteilos) stimmte wie alle anderen Ausschussmitglieder gegen die Aufforstung, regte aber weitere Gespräche an. Da noch weitere Behörden mitzureden haben, schlug er unter anderem einen Vor-Ort-Termin vor, damit aus Interessen der Landwirte, der Kommune und des Naturschutzes eine gute Lösung entwickelt werden könne. "Vielleicht kann man ja verschiedene Teilflächen festlegen", regte Hetzel an.

Ein zweites Aufforstungsprojekt wurde vom Technischen Ausschuss bewilligt. Auf einer Fläche von vier Hektar will der Eigentümer aufforsten lassen.

Derzeit befindet sich auf dem Areal, das östlich des Landschaftsschutzgebietes liegt, Ackerland. Ulrich Hoppe betonte, dass hier darauf geachtet werden solle, dass nicht nur Baumreihen entstehen, sondern auch naturnahe Waldrandbereiche, die mit Hecken und Kräutern zum Lebensraum für verschiedene Arten werden können.


Kommentar: Vielfalt muss bewahrt werden

Die Wiesen im Hirschgrund will die Stiftung "Wald für Sachsen" aufforsten lassen. Wald ist wichtig, gerade in Zeiten, in denen etwas fürs Klima getan werden muss. Auch dem Hochwasserschutz nützt der Wald, vielen Tieren ebenso. Doch die Artenvielfalt ist im Hirschgrund mit seinen Wiesen, Baumreihen, Hecken und Gewässern schon sehr groß. Denn er bietet ein vielseitiges Landschaftsbild, das zwischen Flächen mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung und auf Forstwirtschaft ausgerichteten Wäldern selten geworden ist. Und deshalb ist er Landschaftsschutzgebiet, mit Vorrang für die Natur.

Die Beweggründe der Landwirtschaft, sich hier zurückzuziehen, sind nachvollziehbar. Doch großflächige Baumpflanzungen sind im Hirschgrund der falsche Weg, selbst wenn auf artenreichen Mischwald gesetzt würde. Deshalb ist die Ablehnung richtig. Jetzt müssen nicht nur Wald-, sondern auch Naturschutzexperten mit ins Boot, um gemeinsam mit allen Beteiligten nach besseren und vor allem kleinteiligeren Lösungen zu suchen, die der Vielfalt des Hirschgrundes nützen.

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    2
    cn3boj00
    05.12.2019

    Bäume fürs Klima mögen ein Grund sein, die Bewahrung und Ausdehnung (!) naturnaher Landschaften gegen das Artensterben sind jedoch mindestens genau so wichtig. Man kann das nicht gegeneinander ausspielen. Neuaufforstungen sind deshalb nur auf bisher ökologisch wertlosen Flächen sinnvoll. Eigentlich müsste man dazu Ackerflächen von den Landwirten abkaufen. Naturwiesen aufzuforsten ist ein Unding.

  • 6
    2
    Tauchsieder
    05.12.2019

    Einfach nichts machen!
    Man wird staunen wie sich die Natur ohne das Zutun des Menschen in relativ kurzer Zeit entwickelt. Das wäre dann naturnah, alles andere wird lediglich ein Wirtschaftswald.



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