Reifenstecher: Tatverdächtiger schweigt

Staatsanwaltschaft und Polizei teilten am Donnerstag mit, dass ein 55-Jähriger für die jahrelange Serie verantwortlich sein soll. Der mutmaßliche Täter bleibt aber auf freiem Fuß.

Lichtenstein.

Hat der Spuk jetzt endlich ein Ende? Nach jahrelanger und zermürbender Ermittlungsarbeit ist der Polizei der Reifenstecher von Lichtenstein ins Netz gegangen. Zumindest ist sie sich sicher, dass es sich um den Gesuchten handelt. Der dringend Tatverdächtige ist ein 55-jähriger Mann, wohnhaft in Lichtenstein. Trotz der langen Serie von Sachbeschädigungen und dem hohen Schaden bleibt er auf freiem Fuß.

"Wir haben nie aufgegeben. Wir hatten den längeren Atem", sagte am Donnerstag Oliver Wurdak, Sprecher der zuständigen Polizeidirektion Zwickau. Der mutmaßliche Täter steht im dringenden Verdacht, seit Oktober 2013 in Lichtenstein an insgesamt 273 Fahrzeugen Reifen zerstochen zu haben. Die letzte Tat hatte er offenbar erst vor wenigen Tagen begangen. Laut Polizei endete die Serie erst in diesem Monat. Unmittelbar nach der letzten Tat durchsuchten die Beamten der Ermittlungsgruppe "Reifenstecher Lichtenstein" die Wohnung des Mannes. Die Polizisten konnten dort - wie sich die Presseabteilung der Polizeidirektion ausdrückt - , weitere entscheidende Erkenntnisse gewinnen. Im Klartext: Bei der Wohnungsdurchsuchung tauchte mutmaßliches Tatwerkzeug auf, dass den dringenden Verdacht erhärtete.

Wie der Lichtensteiner ins Visier der Ermittler kam, dazu sagt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nichts. Polizeisprecher Wurdak verriet nur so viel, dass der Mann nicht auf frischer Tat geschnappt wurde. Vielmehr habe die Kriminalpolizei "auch technisch nachgelegt". Ob die Polizei zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Stellen Videokameras installiert hatte, wollte die Pressestelle ebenfalls aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bestätigen. Aber auch die Profiler des Landeskriminalamtes hätten mit ihren Erkenntnissen zur Festnahme des Mannes, der meist im Schutze der Dunkelheit aktiv war, beigetragen.

Der Tatverdächtige soll seit 2013 bis jetzt mit den ihm vorgeworfenen Sachbeschädigungen einen Gesamtschaden von 33.000 Euro angerichtet haben. Eigentlich geht die Serie der Reifenstechereien in Lichtenstein bis in das Jahr 2005 zurück. 2012 wurde schon einmal ein Reifenstecher gefasst. Wegen Schuldunfähigkeit konnte der Mann damals nicht zur Verantwortung gezogen werden. Der jetzt geschnappte 55-jährige Lichtensteiner wurde bereits mehrmals vernommen. Aber er schweigt zu den schweren Vorwürfen. Oliver Wurdak: "Er hat sich bisher nicht eingelassen." Indes bleibt der mutmaßliche Täter auf freiem Fuß. Der Haftgrund der Wiederholungsgefahr greift laut Staatsanwaltschaft Zwickau bei Mord, Totschlag oder Raub, aber nicht bei Sachbeschädigung.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...