Sägen kreischen in Härtensdorfer Kirche

Das weithin sichtbare Gotteshaus ist eingerüstet. Handwerker haben dort zurzeit das Sagen. Bei der Sanierung gab es auch eine böse Überraschung.

Härtensdorf.

Die Kettensäge kreischt. Im Turm der Kirche "Zu den drei Marien" im Wildenfelser Ortsteil Härtensdorf wird das Gebälk saniert. Der mehr als 550 Jahre alte Glockenstuhl darunter ist komplett ausgebaut und wird zurzeit in einer Thalheimer Zimmerei unter Verwendung historischer Hölzer wieder fit für die nächsten Jahrhunderte gemacht. Dass er schon so alt ist, haben Holzuntersuchungen ergeben.

Früher hingen einmal drei Bronzeglocken im Turm. Während des Ersten Weltkrieges sind zwei für Kriegszwecke eingeschmolzen worden. Und nachdem diese 1925 ersetzt worden waren, landeten die neuen bereits im nächsten Weltkrieg 1942 ebenfalls im Schmelzofen. Nur die Marienglocke von 1450 ist noch erhalten. Sie soll nun im Herbst wieder mit den beiden neu gegossenen Glocken gemeinsam läuten. Diese sind am 9.Juni in der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck gefertigt worden. 23Christen waren extra dorthin gefahren, um den Guss mitzuerleben. "Das war sehr interessant. So etwas erlebt man nur einmal", sagt CDU-Stadtrat und Gemeindeglied Frank Mempel. Die neuen Bronzeglocken werden die beiden aus Stahl ersetzen, die 55Jahre lang im Dorf geläutet haben.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten ist auch der Außenputz entfernt worden. Dabei kam an der Ostseite der Kirche, im Bereich der Sakristei, ein Fenster zum Vorschein, das wahrscheinlich romanischen Ursprungs ist. "In Absprache mit dem Denkmalschutz wurde entschieden, dieses insoweit wieder herzustellen, dass es an der Außenfassade sichtbar wird", berichtet Bernd Roder vom Kirchenvorstand. Eine böse Überraschung gab es auch bei den Sanierungsarbeiten. Im Zuge der Reparaturarbeiten an der Holzschalung ist Hausschwamm entdeckt worden, der bereits große Teile eines Balkens und den äußeren Ringanker befallen hatte. Der Schaden wird derzeit behoben.

Zu den weiteren Vorhaben gehört das Ausbessern der Stuckdecke im Kirchenschiff. Der etwa 100 Jahre alte elektrische Glockenantrieb wird durch glockenschonende Motoren ersetzt. Zudem lässt die Kirchgemeinde die Uhr, um 1900 durch die Zwickauer Firma Hahn eingebaut, restaurieren. Den Auftrag erledigt gerade die Firma Vogler aus Dresden. Als Krönung wird zum Schluss noch die historische Turmspitze von etwa 1870, die lange im Dornröschenschlaf unterm Dach lag, hergerichtet und montiert.

Durch die zusätzlich nötigen Arbeiten gibt es inzwischen ein paar Wochen Bauverzug. Außerdem wird mehr Geld benötigt als ursprünglich angenommen. Die Kirchgemeinde rechnet zurzeit mit insgesamt rund einer halben Million Euro. Von der Landeskirche kommen etwa 100.000 Euro. Außerdem gibt es Fördergelder über das Programm "Leader" , fließen viele Spendengelder in das Vorhaben. Von der Denkmalbehörde komme kein Geld. "Durch die Mehrkosten haben wir gegenwärtig noch eine Lücke in der Finanzierung. Allerdings können wir ja nicht mittendrin einfach aufhören", sagt Bernd Roder.

Während die Handwerker fleißig in und an der Kirche wirken, bereiten Gemeindeglieder bereits ein großes Fest vor. Das soll vom 15. bis 17.September stattfinden. Gestartet wird das Festwochenende am Freitag mit einer Dankeschönveranstaltung für alle an den Sanierungsarbeiten Beteiligten. Für den Samstag ist eine Informationsveranstaltung rund um die Kirchenhistorie geplant. Abends gibt es Tanz im Festzelt. Der Höhepunkt ist dann am Sonntag ein Festumzug, bei dem die prächtig geschmückten neuen Glocken vom Baumplatz an der Arno-Schmidt-Straße durchs Dorf bis zur Kirche gefahren werden, wo die Glockenweihe stattfindet. Dort steigt anschließend ein Dorf- und Familienfest.


Blick in die Historie

Nach neuen Holzuntersuchungen erfolgte wahrscheinlich schon vor 1150 die Weihe als Wegekapelle am Böhmischen Steig - durch Mönche aus Zwickau. Nach Zerstörungen in den Hussitenkriegen gab es 1450 umfangreiche Baumaßnahmen.

Der Peter-Breuer-Altar kam 1509/10 in das Gotteshaus. Er wird

als Peter Breuers liebenswürdigstes Werk bezeichnet. Der Altar ist im Jahr 2000 anlässlich der 850-Jahr-Feier komplett saniert worden.

1846 fand die Weihe der Urban-Kreutzbach-Orgel statt, die 2011 restauriert worden ist. (vim)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...