Sensationsfund in Callenberg: So ein Werkzeug trug Ötzi bei sich

Einen eher unscheinbaren Stein hat vor Jahren eine Hobby-Heimatforscherin aus Callenberg gefunden. Jetzt stellte sich heraus: Es ist ein Klingenkratzer aus der Zeit von 5500 bis 2200 vor Christus.

Callenberg.

Manchmal geht Hobby-Heimatforscherin Elke Eifert aus Callenberg in der Umgebung ihres Wohnortes auf die Suche nach Scherben. Ein unscheinbares Steinchen, das sie schon 2015 im Spielsdorfer Grund fand, wollte sie schon wieder wegwerfen. Jetzt ließ sie es zusammen mit anderen Fundstücken - vor allem tönerne Bruchstücke - von Experten des Landesamtes für Archäologie bestimmen.

Die Sensation war perfekt: Der kleine längliche Stein mit der scharfen Kante ist ein Klingenkratzer, wie ihn schon Gletschermumie Ötzi bei sich trug. Ötzis Todeszeitpunkt wurde per Radiokohlenstoffdatierung auf den Zeitraum zwischen 3359 und 3105 vor Christus datiert. "Der Callenberger Klingenkratzer lässt sich nicht hundertprozentig bestimmen, liegt aber mit Sicherheit zwischen 5500 und 2200 vor Christus", sagt Matthias Conrad vom Landesamt für Archäologie Sachsen.


Mit diesem kaum 4,5 Zentimeter langen und 1,5 Zentimeter breiten Stück aus Feuerstein haben Menschen in der Jungsteinzeit Tierfelle bearbeitet. Mit dem scharfkantigen Stein, der auf einer Seite Retuschen aufweist, konnten unsere Vorfahren schaben, schneiden, kratzen, hobeln, schnitzen und glätten, natürlich auch Nahrung zerkleinern. Ötzi hatte neben solch einem Klingenkratzer weitere Werkzeuge wie einen Bohrer, das Bruchstück einer Klinge und eine 7,1 Zentimeter lange Ahle in seiner Gürteltasche. Dazu Zunder und Spuren von Pyrit, damals benötigt für das Entfachen von Feuer.

Der Fund in Callenberg ist ein weiterer Beweis dafür, dass es nicht erst seit der Besiedlung der Region im 12. Jahrhundert, sondern schon vor mehreren Tausend Jahren menschliche Aktivitäten in der Gegend gegeben hat. Fundstücke, die Matthias Conrad aus dem Fundes des Landesamtes für Archäologie für eine kleine Ausstellung im Kirchgemeindehaus in Callenberg mitgebracht hat, belegen das auch. Eine Steinaxt, die in Oberlungwitz entdeckt wurde, stammt aus der Zeit von 2750 bis 2200 vor Christus, ebenso ein Doppelsteinhammer, der in Hohenstein-Ernstthal zu Tage kam. Ein Steinbeil aus dem Mittel-bis Spätneolithikum hatte ein Fund in St. Egidien zu bieten.

In einem knackevollen Gemeindesaal erlebten rund 70 Zuhörer die Jungsteinzeit noch einmal aus der Sicht der Archäologen. Vor 40.000 bis 50.000 Jahren hatte der Faustkeil ausgedient, fertigte sich der Mensch schon eigene Werkzeuge wie den Klingenkratzer. Andere Fundstücke aus Callenberg konnten die Archäologen genauer einordnen. So die Bodenscherbe eines Gefäßes aus dem 13. Jahrhundert, Randscherben eines großen Topfes aus dem 15. Jahrhundert, das Unterteilfragment eines kleinen Apothekergefäßes aus Waldenburger Steinzeug aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und die Randscherbe einer Kanne mit Dornrand aus dem 14. Jahrhundert. Viele Ausstellungsstücke stammen auch von einem Hof in Wüstenbrand. Manfred Decker, ein historisch interessierter Landwirt, der im vorigen Jahr verstorben ist, hatte sie bei Arbeiten im Hof gefunden.

Drei Tage lang waren die Ausstellungsstücke für 110 Besucher Fotomotive. Darunter ein alter, konischer Pflasterstein, der mit den anderen Stücken nun nach Dresden abwandert. Er wurde auf dem Hof der Pension Prüstel an der Bundesstraße180 gefunden. Für Elke Eifert ist das der Beweis, dass die Semita Bohemica (Böhmischer Steig) einst dort verlief, wo heute der 1797 gebaute Hof steht.

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