So schlimm sieht es hinter der Fassade aus

Die Stadtverwaltung Hohenstein-Ernstthal muss das Haus Friedrich-Engels-Straße 10 aus dem Jahre 1823 wohl abreißen lassen. Ein aktuelles Foto zeigt, wie schlimm es um das historische Gebäude wirklich steht.

Hohenstein-Ernstthal.

Hier lebten einst die Betuchten. 1848 hatte zum Beispiel der stadtbekannte Advokat Johann August Eberlein in dem Gebäude sein Zuhause. Er war eine wichtige Person, saß damals sogar im Stadtrat. Später zogen hier vermögende Handelsmänner und Kaufleute ein. In der Nachbarschaft hatten Schneidermeister oder Webermeister ihre gut gehenden Werkstätten und ihre Wohnungen.

Wir befinden uns am Haus Friedrich-Engels-Straße 10 in Hohenstein-Ernstthal. Von Glanz und Gloria vergangener Jahrzehnte ist hier schon lange nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil. Das Haus Friedrich-Engels-Straße 10, das im Jahre 1823 gebaut wurde, ist nur noch eine Ruine. Von vorn war schon lange offensichtlich, dass der Zustand des historischen Gebäudes besorgniserregend ist. Doch in der vergangenen Woche war die Rückwand eingebrochen ("Freie Presse" berichtete). Ein Foto zeigt jetzt, wie schlimm es um dieses Haus in der Friedrich-Engels-Straße wirklich steht.

Der Hinterhof ist nicht nur zugemüllt. Unkraut schießt hoch aus der Erde hervor. Es sieht hier so aus, als hätte vor Kurzem eine Bombe eingeschlagen. "Wir werden zeitnah entscheiden, ob das Gebäude teilweise oder sogar ganz abgerissen werden muss", sagte Bauordnungsamts-Chefin Birgit Bodach am Dienstag. Am Donnerstag findet eine Art Krisensitzung mit Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU), Prüfstatikern sowie Mitarbeitern von Bauordnungsamt und Verkehrsamt statt. Weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch von der Vorderseite des Gebäudes Teile auf die Friedrich-Engels-Straße fallen können, wurde sie vorsorglich gesperrt. Für die Autofahrer keine gute Nachricht.

Dabei hatte es für das Gebäude, das schon lange vor sich hin gammelte, durchaus Hoffnung gegeben. Im März 2015 kam das Haus, das sich zum damaligen Zeitpunkt in Besitz einer Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen befand, unter den Hammer. OB Lars Kluge war vorsichtig optimistisch. "Wir haben immer ein gesteigertes Interesse daran, dass alte Häuser nicht nur gekauft, sondern dann auch erhalten bleiben", sagte er damals.

Für ein paar Hundert Euro fand sich tatsächlich ein Käufer mit Sitz in Bulgarien. Doch außer ein paar Sicherheitsmaßnahmen passierte nichts. Die Eigentümer wurden so gut wie nie gesehen. Das Haus verfiel weiter - sodass auch das angrenzende Bistro schon in Mitleidenschaft gezogen wurde. Birgit Bodach: "Die Eigentümer haben nicht viel am Haus gemacht. Etwas Wärmedämmung. Das war es dann auch schon. So kann man kein Gebäude erhalten." Immer wieder ist es in den vergangenen Jahren vorgekommen, dass Investoren von außerhalb Gebäude in der Stadt kauften - und sie dann vergammeln ließen.

OB Kluge will, dass wenigstens erst einmal das Dach bzw. Obergeschoss abgetragen wird, damit die Gefahr für Fußgänger und Autofahrer wegfällt. Ein Komplettabriss würde wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

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