Verkauf der Frauenklinik in Lichtenstein steht kurz bevor

Die Volkssolidarität hat den Problem-Bau so gut wie los. Noch dieses Jahr soll er abgerissen werden. Der neue Eigentümer will an den alten Plänen festhalten.

Lichtenstein.

Die jüngere Geschichte der ehemaligen Frauenklinik in Lichtenstein kann eigentlich nur als Trauerspiel bezeichnet werden. Seit dem Jahr 2000 steht das alte Kreiskrankenhaus, in dem jahrzehntelang Mütter aus der ganzen Region ihre Kinder zur Welt gebracht haben, leer und verfällt nach und nach. Doch eine Lösung des Problems steht offenbar unmittelbar bevor.

Ein Investor aus Chemnitz, der namentlich nicht genannt werden möchte, will das mittlerweile zur Ruine verfallene Gebäude nebst dazugehörigem Grundstück kaufen. Das berichtet Benjamin Voigt, Vorstandsmitglied der Kreisverbandes der Volkssolidarität Glauchau-Hohenstein-Ernstthal. Die gemeinnützige Organisation ist seit fast 13 Jahren Eigentümerin des Gebäudes.

In der vergangenen Woche hatte es bereits eine Begehung vor Ort gegeben. Das kaputte Gebäude zu betreten sei laut Voigt mittlerweile lebensgefährlich. So ist etwa eine der Decken im Inneren heruntergekommen, eine Außentür wurde eingetreten und mehrere Fenster zerstört. Der Investor sei daher zu dem Schluss gekommen, dass das Haus nicht mehr zu retten ist und definitiv abgerissen werden muss. Dies soll laut Aussage von Benjamin Voigt noch dieses Jahr geschehen. Der geheimnisvolle Investor halte jedoch an dem Plan fest, auf dem Gelände der ehemaligen Frauenklinik ein Pflegezentrum zu bauen.

Auch die Volkssolidarität hatte in der Vergangenheit immer wieder angekündigt, die alte Klinik in eine moderne Pflegeeinrichtung zu verwandeln. Geschehen ist das aber nie. Eine erteilte Baugenehmigung musste immer wieder verlängert werden. Dabei schwang immer die Hoffnung mit, dass der Schandfleck irgendwann doch mal aus dem Stadtbild verschwinden würde.

"Lichtenstein hat einen mächtigen Hals auf die Volkssolidarität", sagt Benjamin Voigt, der froh ist, dass der Verband das Objekt los ist. Der Verkauf sei so gut wie abgeschlossen, in Kürze stehe der Notartermin an. Der Investor wolle sich zu genaueren Plänen bislang nicht äußern. Derzeitig stehe er noch in Verhandlungen über weitere Grundstückskäufe mit der Stadt Lichtenstein.

Benjamin Voigt ist erst seit zwei Jahren bei der Volkssolidarität. Vieles, was in den letzten 13 Jahren geschehen ist, habe er daher nicht mitbekommen. Warum die Volkssolidarität nie begonnen hat, die geplante Pflegeeinrichtung zu bauen, erklärt er wie folgt: Neue Gesetze hätten die Auflagen für Pflegeheime immer weiter verschärft. Um die Vorgaben etwa für Deckenhöhen oder Rettungswege einzuhalten, wäre ein Umbau des alten Gemäuers nötig gewesen, der die finanziellen Möglichkeiten des Verbands überstiegen hätte. Die Organisation sei ohnehin gerade dabei, Einsparungen vorzunehmen. Darunter fallen Personalaustausch, die Zusammenlegung von Einrichtungen, sowie das Abstoßen von kostenintensiven Objekten wie eben der Frauenklinik.

Bereits seit 2012 hatte die Volkssolidarität alle Jahre immer wieder angekündigt, dort eine stationäre Pflegeeinrichtung mit 60 Plätzen bauen zu wollen. "Jetzt geht es wirklich los", zitierte die "Freie Presse" den Geschäftsführer Thomas Kühn bereits vor acht Jahren. "Die Finanzierung ist gesichert", hieß es dann im Juni 2017. Zuletzt hatte die Volkssolidarität noch eine Verlängerung der Baugenehmigung zum Ende des Jahres 2019 erwirkt, also kurz vor der Entscheidung zu verkaufen.

Eine weitere Baustelle bleibt: Der ehemaligen Frauenklinik gegenüber steht das alte Esda-Fabrikgebäude. Hier, direkt nebenan, wollte ein zweiter Investor eine Pflegeeinrichtung bauen. Der stehe weiterhin in Verhandlungen mit dem Eigentümer der Immobilie, sagt Lichtensteins Bürgermeister Thomas Nordheim. Der gleiche Investor ist auch für den Rewe-Neubau im Schlosscenter zuständig. (mit upa)


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