Vom Homeschooling zum Topabi

Bevor Sarah Rößler an das Gymnasium in Lichtenstein kam, verbrachte sie fünf Jahre mit ihren Eltern in Afrika.

Lichtenstein.

Man könnte fast sagen, Corona hat der besten Abiturientin vom Lichtensteiner Gymnasium etwas in die Karten gespielt - aber nur ein bisschen. "Ich gehöre zu denen, die am besten alleine lernen", sagt die 18-jährige Sarah Rößler. Dafür hatte die Bernsdorferin in den letzten Wochen und Monaten Gelegenheit genug. Denn wegen der Corona-Epidemie entfielen die sonst üblichen Abitur-Vorbereitungskurse. Mit ihren Notenschnitt von 1,2 ist Sarah Rößler mehr als zufrieden. "Vor allem wenn man bedenkt, dass ich erst Ende der zehnten Klasse an die Schule gekommen bin."

Die fünf Jahre zuvor verbrachte sie mit ihren Eltern und den jüngeren Geschwistern im afrikanischen Mozambique. Das war zwischen 2012 und 2017. "Wir haben da in so einer kleinen und ziemlich abgewetzten Hütte gewohnt", erinnert sich Sarah Rößler, die damals gerade einmal zehn Jahre alt gewesen ist. Der Vater und die Mutter, er Zahnarzt, sie Zahnarzthelferin waren auf Hilfseinsatz unterwegs gewesen und kümmerten sich um die Leute vor Ort.

Eine Schule hat es in dem kleinen Ort nicht gegeben. Daher erhielt Sarah ihre Unterrichtsstunden immer direkt von der Mutter. Beim sogenannten Homeschooling gibt es Lernhefte, die helfen, den Unterricht zu strukturieren. Offenbar verlief das insgesamt recht harmonisch: "Der Unterricht mit meiner Mutter hat mir eigentlich immer sehr viel Spaß gemacht", sagt Sarah heute.

Etwas schwieriger verhielt es sich mit dem Kontakt zu Gleichaltrigen. Da hatten die jüngeren Geschwister mehr Glück. Die afrikanischen Kinder in Sarahs Alter mussten häufig bereits im Haushalt oder den Eltern bei ihren Arbeiten helfen. Viel Zeit für gemeinsame Unternehmungen habe es da nicht gegeben. Erst in der neunten Klasse besuchte Sarah seit langer Zeit wieder einen Schule. Das war als ihre Eltern weiter nach Kenia gezogen waren. Auf einem internationalen Internat nahe der Hauptstadt Nairobi lernte Sarah mit Jugendlichen aus 50 Nationen.

"Eigentlich habe ich schon immer gelernt mich schnell anzupassen", sagt sie heute. Sarah bezeichnet sich als durchaus ehrgeizig. Ihre Leistungskurse waren Deutsch und Englisch, gerne hätte sie noch Geschichte dazugenommen, wenn das gegangen wäre. Nach Abschluss des Abiturs nimmt Sarah sich erst einmal ein Jahr frei. Die Zeit möchte sie nutzen - zum Üben. Denn die junge Frau hat einen Traum. Sie möchte klassischen Gesang studieren. Um dafür aber angenommen zu werden, müssen die Bewerber beim Vorsingen glänzen. "Darum trainiere ich das jetzt intensiv mehrmals in der Woche."

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