Wenn der tote Winkel zur Falle wird

Im Jahr 2017 sind auf mitteldeutschen Straßen 51 Radfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen. Ein hohes Risiko geht dabei von Lkws aus. Der 20. Sächsische Verkehrssicherheitstag soll es minimieren helfen.

Oberlungwitz.

Was sieht ein Lkw-Fahrer aus einem Führerhaus tatsächlich? Das sollte jeder Radfahrer selbst einmal testen. Beim Blick aus der Fahrerperspektive wird klar: Im toten Winkel rechts von der Fahrerkabine verschwinden bequem zwei Schulkinder und ein Radfahrer. "Umgekehrt sollten sich aber auch mal Lkw-Fahrer aufs Fahrrad setzen, um die Risiken des Radfahrers kennenzulernen. So können beide die Situation des anderen besser einschätzen", sagt Jens Grohmann von der Fahrzeugsystemdaten GmbH in Dresden.

Die Firma, die beim 20. Sächsischen Verkehrssicherheitstag am kommenden Sonntag auf dem Sachsenring wieder mit am Start ist, entwickelt Fahrerassistenzsysteme. Die können inzwischen auch den toten Winkel "ausleuchten". "Lkw haben zwar vier Spiegel, aber die Fahrer können nicht jede Sekunde alle im Blick haben", sagt Grohmann. Schon gar nicht in einer Zeit, da die Straßen durch erhöhtes Verkehraufkommen "immer enger" werden. Abbiegeassistenten und Kamerasysteme als Totwinkel-Assistenten, die der Gesetzgeber für Lkw bisher nicht vorschreibt, könnten das Risiko minimieren. Das ist bitter nötig: 2017 starben auf den Straßen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 51 Radfahrer, 2626 wurden schwer verletzt. Ein großes Risiko geht von Lkw aus. "Es ist wichtig, dass die Verkehrsteilnehmer Verständnis füreinander entwickeln, viele fahren im Straßenverkehr einfach nur die Ellbogen aus", sagt Grohmann. Deshalb lautet das Motto des 20. Verkehrssicherheitstages "Miteinander nicht gegeneinander".

Vor 20 Jahren ging die Premiere des Verkehrssicherheitstages über die Bühne. Die Geldgeber der Landesregierung waren anfangs skeptisch. Doch der Tag war mit 26 Ausstellern und 6000 bis 8000 Besuchern ein Riesenerfolg. Lehrgeld haben die Organisatoren damals auch gezahlt: Ein Besuchermagnet war der Rettungshubschrauber. Als der wieder abhob, fegte er das ganze Equipment vom Platz. "Heute ist der Verkehrssicherheitstag ein Selbstläufer", sagt Organisationschef Stephan Werner vom Landkreis Zwickau. Die vergangenen 19 Veranstaltungen zählten insgesamt rund 280.000 Besucher. Werner hat jährlich 100.000 Euro für die Veranstaltung zur Verfügung. Mit inzwischen mehr als 50 Partnern stellt er eine Veranstaltung auf die Beine, die ihresgleichen in Deutschland sucht. Dabei kann er sich auf langjährige Partner wie ADAC, Dekra, Polizei, AMC Sachsenring und viele andere verlassen. Von 10 bis 17 Uhr dreht sich im Gelände des Fahrsicherheitszentrums alles um die Verkehrssicherheit. Von der Bikeshow über Technikvorführungen bis hin zu Mitmachangeboten und Fahrten im historischen Bus ist alles dabei.


Das bietet der Verkehrssicherheitstag unter anderem

10.15 Uhr Eröffnung durch Wirtschaftsminister Martin Dulig (Bühne)

ab 10 Uhr: Pkw-/Motorrad-Fahrtrainingsschnupperkurse (Fahrtrainingspisten)

ab 10 Uhr: Fahren mit Lkw und Bus (Fahrerlager 2)

10 Uhr und 13.45 Uhr: Probefahrten mit E-Fahrzeugen Saena GmbH, (Rundkurs Omega), automatisiertes Fahren mit der FSD GmbH (Fahrerlagerkurve bis Queckenberg)

10.35 Uhr und 13 Uhr: Livemusik mit Polizeiorchester Dresden (Bühne)

10.35 Uhr und 13.35 Uhr: Sport & Show mit Pocketbikes, Minibikes und Karts (Start-Ziel-Gerade)

11 Uhr und 14 Uhr: Technische Besonderheiten von Kleinkrafträdern im Vergleich zu anderen Fahrzeugen (Start-Ziel-Gerade)

11.20 Uhr und 14.20 Uhr: Fahrer-Assistenzsysteme wie ASB, ESP, ASR, HUA, LDW, DLC, DTC usw. (Start-Ziel-Gerade)

11.50 Uhr und 15 Uhr: Spiel und Spaß mit Polizeidino Poldi (Bühne)

12.10 Uhr und 15.15 Uhr: Professional Bikeshow mit Hannes Hermann und Marco Thomä (Start-Ziel-Gerade)

12.30 Uhr und 15.45 Uhr: Rundfahrten mit Oldtimerbussen und Spezialfahrzeugen (Grand-Prix-Kurs)

10 bis 17 Uhr: Mitmachprogramme

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