Wie ein Feuerwerk: So war das Stadtfest

Rund 150.000 Menschen haben in Zwickau am Wochenende gefeiert. Das Programm war so bunt, dass jeder seinen ganz persönlichen Höhepunkt finden konnte.

Zwickau.

Der Himmel über Zwickau leuchtet. Als Popsänger Wincent Weiss seinen Hit "Feuerwerk" singt, sausen Raketen in die Höhe. 6500 Menschen stehen in der Nacht zum Sonntag vor dem Popstar im Konfettiregen und singen: "Lass uns leben wie ein Feuerwerk, Feuerwerk, als wenn es nur für heute wär, denn dieser Augenblick kommt nie zurück".

Das war das Zwickauer Stadtfest im Jubiläumsjahr: ein weitgehend friedliches Fest voller Glücksmomente. Einmalig wie ein Feuerwerk. Damit das funktioniert, arbeiten viele Menschen das ganze Jahr über hinter den Kulissen. Grit Weise vom Zwickauer Kulturamt ist Chef-Organisatorin. Wenn - wie am späten Samstagabend - Wincent Weiss die Bühne stürmt und die Masse tobt, dann atmet sie im ruhigeren Bereich hinter der Bühne erst mal durch. "Klar ist man vorher angespannt, man will ja, dass alles klappt", sagt sie.

Seit 17 Jahren organisiert das Kulturamt der Stadt das Fest. Neben der Traditionsfete standen und stehen in diesem Jahr, in dem Zwickau seine Ersterwähnung vor 900Jahren feiert, weitere große Veranstaltungen auf dem Plan. "Vieles läuft irgendwann routiniert, man lernt in jedem Jahr und mit jeder Veranstaltung dazu", sagt Grit Weise. Am Freitagabend habe sie zwar kurz gezittert, als ein Gewitter über der Stadt aufzog, verrät sie. Doch nach einem Schauer war schnell klar, dass das Wetter den Abend nicht verderben würde. So wurde der Auftritt von Popstar Nico Santos auf dem Hauptmarkt doch ein Erfolg.

Am Sonntagabend zeigt sich Grit Weise erschöpft, aber glücklich: "Das Stadtfest war sehr erfolgreich, aufregend und abwechslungsreich." Die Stadt rechnete im Vorfeld mit 150.000 Besuchern, und die Verantwortlichen gehen davon aus, dass diese Zahl erreicht worden ist. Was Petra Schink, Mitarbeiterin des Pressebüros der Stadt, besonders freut: "Das Programm im Muldeparadies für Familien und Kinder ist sehr gut angenommen worden." Beliebt waren das Kistenstapeln und die Möglichkeit, bei der Jugendfeuerwehr Zielübungen mit der Wasserspritze zu machen. Allein: Die vertrockneten Wiesen luden weniger zum Verweilen ein als sonst.

Lars Zschieschang, Leiter des Sachgebiets Stadtordnungsdienst, ist am Sonntagabend ebenso entspannt: "Ab und zu hielten sich Gäste nicht an das Glasverbot, aber das konnte immer im Gespräch geregelt werden", sagt er. Einzelne Flaschen kamen zu Bruch, ernste Verletzungen gab es deswegen aber nicht. Alle anderen Vergehen wie Verstöße gegen den Jugendschutz befänden sich zahlenmäßig im einstelligen Bereich. Willi Kühn, mit seinem Security-Dienst verantwortlich für die Sicherheit auf dem Fest, schließt sich diesem Fazit an: "Kleinere Geschichten, das Übliche", sagt er. Rangeleien zwischen Betrunkenen haben seine Leute genauso geschlichtet wie sie "Mädchen für alles" spielten. "Wir sind oft am einfachsten greifbar, also kommen die Leute auch mit einem Wespenstich erst mal auf uns zu. Und wir helfen gern." Die Polizei selbst zieht ihr Fazit erst ab Montagmorgen.

Zwischen Popmusik, Essen, Trinken und Feiern gab es am Sonntagmorgen einen Moment, der weniger weltlich, aber ebenso gut besucht war: den ökumenischen Stadtgottesdienst auf dem Hauptmarkt. Dekan Markus Böhme (Römisch-katholische Kirche), Pfarrer Frank Bliesener (Evangelisch-lutherische Kirche), Pastor Christian Posdzich (Evangelisch-methodistische Kirche) und Pastor Thomas Eichin (Baptistengemeinde) führten durch den Gottesdienst. Die Bläserchöre Zwickau und die Big Band des Peter-Breuer-Gymnasiums übernahmen die musikalische Gestaltung. Bei der Kollekte kamen 3650 Euro zusammen, die für Menschen in der Zwickauer Partnerstadt Wolodymyr-Wolynskyj in der Westukraine bestimmt sind. Ein Projekt unterstützt Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen, ein zweites ein Waisenhaus, das dringend einen Anbau braucht.

Die Predigt beim Gottesdienst war durchaus politisch. Zwickau sei eine Stadt der Toleranz - gegenüber Religionen und Fremden, sagte Pastor Posdzich. Das gelte für Asylbewerber genauso wie für Studenten, die in die Stadt ziehen. Zwickau könne Heimat für jeden werden, für Gott gebe es keine No-Go-Areas. Ein rührender Gottesdienst, der für die rund 2000 Gläubigen sicherlich ebenso ein kleines Feuerwerk war - wenn auch stiller als die Shows der großen Stars.

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