Zwischenfall am Volkstrauertag hat Nachspiel

Pfarrer Nötzold konfrontiert OB und Stadtrat mit provokantem Auftritt eines AfD-Politikers bei einer Gedenkveranstaltung in Hohenstein-Ernstthal.

Hohenstein-Ernstthal.

Die Ansprache von AfD-Fraktionschef Hartmut Pfau während der städtischen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Hohenstein-Ernstthal hat ein Nachspiel. Pfarrer Frank Nötzold von der Kirchgemeinde St. Trinitatis sagte zur Bürgerfragestunde während der jüngsten Stadtratssitzung, die Rezitation eines Gedichtes, das den deutschen Soldaten in den beiden Weltkriegen eine Heldenrolle zuschreibe, verschiebe den Charakter der alljährlichen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag.

OB Lars Kluge (CDU) hatte dem AfD-Stadtrat auf der Veranstaltung vor zwei Wochen, nachdem einige Stadtratsfraktionen Kränze an dem Denkmal im Silbergäßchen niedergelegt hatten, überraschend das Wort erteilt. Pfau trug daraufhin zwei Strophen eines Gedichtes vor, das laut Pfarrer Nötzold auch von politischen Gruppierungen wie der rechtsextremistischen Kleinstpartei "Der III. Weg" verwendet werde. Pfau ging auf der Stadtratssitzung sofort zum Gegenangriff über. "Das ist nicht justiziabel. Sie können mich ja anzeigen", sagte er zu Pfarrer Frank Nötzold. Pfau fügte hinzu, dass der von der AfD an dem Denkmal angebrachte Kranz später ja auch beschädigt worden sei.

Frank Nötzold beobachtet die Entwicklung mit großer Sorge. Er sagte in einem Gespräch mit der "Freien Presse", dass mit der Reaktion von Stadtrat Pfau auf seine Hinweise die Taktik der AfD augenscheinlich werde. Nötzold: "Zuerst provoziert sie. Diese Partei weiß aber genau, wie weit sie vor einem möglichen strafrechtlichen Hintergrund gehen kann. Dann verschiebt sie mit ihren Äußerungen den Diskurs. Und schließlich suhlt diese Partei sich in einer Opferrolle." Nötzold sagte weiter, dass man mit der AfD im Stadtrat in Sachfragen zwar konstruktiv zusammenarbeiten müsse. Aber man dürfe nicht vergessen, dass sie eine völkisch-nationalistische Partei sei. Der Geistliche zeigte sich aber auch zuversichtlich. "Ich traue der Zivilgesellschaft etwas zu. Sie hat Stärke. Aber sie muss aufwachen."

Vielen Stadträten war der Zwischenfall am Volkstrauertag neu. Sie hatten auf der Stadtratssitzung durch Pfarrer Nötzold zum ersten Mal von dem Vorfall gehört. CDU-Stadträtin Gabriele Dreyer, die als Geschichtslehrerin am Lessinggymnasium tätig ist, sagte der "Freien Presse": "Keine Partei sollte so eine Gedenkveranstaltung für ihre parteipolitischen Zwecke missbrauchen." Die Soldaten seien Opfer verbrecherischer Kriege geworden, die von Deutschland ausgingen.

Der OB wollte sich, nachdem er während der Sitzung von Nötzold auf das Thema angesprochen worden war, nicht umfassender äußern. Kluge: "Zum Inhalt des Gedichtes kann ich nichts sagen." Aber Sachbeschädigungen - damit nahm er Bezug auf den offenbar beschädigten Kranz - finde er nicht in Ordnung.

9Kommentare
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  • 4
    0
    OlafF
    01.12.2019

    @Distelblüte: Danke, dass Sie immer so schön anbeißen. Aber Sie dürfen bitte nicht austeilen, ohne Fakten zu benennen. Sie bleiben ja immer noch den Inhalt des „Corpus Delicti“ auf dem Ihr Kommentar basiert schuldig.
    Politische Aufklärung erfolgt nicht nur durch staatliche Bildungszentralen und Rundfunkanstalten. Sie findet auch in Familien durch Zeitzeugen und Austausch eigener Erfahrungen statt. Inhalte im „fluter“ oder andre Publikationen liefern Informationen aus denen sich die Leser ihre eigene Meinung bilden können, aber Pauschalisierung und Stigmatisierung sollten nicht dazu beitragen Menschen einseitig zu beeinflussen.
    Wenn man mit sich selbst immer einer Meinung ist, sollte man in die Politik gehen. Wenn man glauben möchte, sollte man in die Kirche gehen und wenn man sich jedoch gelegentlich den Luxus leisten kann, eine zweite Meinung einzuholen dann ist das auch okay.
    Warum darf die Einflussnahme des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung nicht kritisiert werden? Sie sind doch sehr belesen und kennen doch George Orwells Roman?
    Über weitere Erkenntnisse aus ihrem Link und diesem Buch kann sich doch jeder Leser seine eigene Meinung bilden?

  • 2
    5
    Distelblüte
    01.12.2019

    @OlafF: Sie klingen recht beleidigt durch das, was Thomas Krüger sagt. Die von Ihnen gewählte kryptische Abkürzung ist sehr speziell - die Bundeszentrale für politische Bildung, deren Präsident Herr Krüger ist wird mit bpb abgekürzt (aber darum ging es Ihnen nicht, stimmts?).
    Und ehrlicherweise gehört es sich, die Quelle für diese Aussage anzuführen - ich werde das hiermit nachreichen: https://www.dnn.de/Nachrichten/Politik/Bundeszentrale-fuer-politische-Bildung-will-mehr-Berufstaetige-erreichen

    Kann es sein, dass Sie nicht über den ersten Satz des Artikels hinausgekommen sind? Das wäre eine tendenziöse Verkürzung des Inhalts. Liest man nämlich weiter, so erklärt Herr Krüger ganz richtig, dass im Gegensatz zu Schülern die Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, "... wiederum sind nicht in formalen Infrastrukturen politischer Bildung eingebunden und haben neben Job und Familie ein relativ geringes Zeitbudget zur Verfügung.".
    Ich halte seine Aussage für richtig - und nicht für einen Grund, beldidigt zu reagieren. Zum Thema politische Erwachsenenbildung bei Menschen zwischen 30 und 50 gäbe es einiges zu sagen. Aber nicht unter diesem Artikel.

  • 2
    0
    Malleo
    30.11.2019

    Lexi..
    Was denn sonst?

  • 6
    1
    OlafF
    30.11.2019

    Präsident der BZfpB Thomas Krüger sieht Berufstärige als Problemgruppe, anfällig für Gefahren des Rechtsextremismus. Schade, dass mir als Mitglied dieser Problemgruppe das Faktum verwehrt wird. Als ich das sehr gepflegte Grab des mit 19 gefallenen Bruders meines Schwiegervaters in Frankreich besuchte, war ich fasziniert vom Respekt und dem Umgang unserer französischen Freunde und Nachbarn. Niemand muss mich belehren, was Krieg und Nationalsozialusmus bedeutet. Wenn mit dem Gedicht der Krieg verherrlicht wurde, dann gehört es nicht verheimlicht.

  • 2
    4
    Lexisdark
    30.11.2019

    @Malleo Ob Sie da wirklich diskutieren würden, wage ich zu bezweifeln.

  • 1
    7
    Distelblüte
    30.11.2019

    @Malleo: Auch da würde ich Ihnen nichts anderes sagen. Und wie vor längerem erwähnt, ich bin an einem Date nicht interessiert.

  • 5
    2
    OlafF
    30.11.2019

    @Distelblüte/bzw.Moderator: Helfen Sie mir bitte. Wie heißt das Gedicht und wer ist
    der Autor ?
    Ich lese 40 Zeilen Schrift, aber finde nichts über das Gedicht, kann nicht beurteilen
    um was es eigentlich geht ?
    Sie haben allem Anschein nach Insiderwissen und können mir aus der Patsche
    helfen ?

  • 5
    5
    Malleo
    30.11.2019

    distel...
    Mit Ihnen würde ich mal unter 4 Augen diskutieren.

  • 6
    9
    Distelblüte
    30.11.2019

    Die afd bemüht sich nach Kräften, zu provozieren und ihr völkisches, deutschnationales und revisionistisches Gedankengut zur Schau zu stellen. Das ist keine bürgerliche Partei. Was für ein verdorbenes Geschichtsbild hier abgegeben wurde, ist zum K.....
    Die verweigerte Stellungnahme des OB ist nicht zu fassen. Aber ist halt CDU Sachsen.



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