Bewegte Geschichte eines beliebten Ausflugsziels

Wie sich Werdau und seine Ortsteile verändert haben. Heute: Koberbachtalsperre (Folge 66)

Langenhessen.

Diese nachkolorierte Ansichtskarte aus dem Jahr 1934 führt uns auf die Fluren des heutigen Werdauer Ortsteils Langenhessen. Sie zeigt die beliebte Ausflugsgaststätte "Seehaus" an der Koberbachtalsperre.

Der Bau der Koberbachtalsperre geht auf eine Initiative des Neukirchener Industriellen Guido Wolf zurück, den Inhaber der "Neger"-Garn-Fabrik nahe der Ortsgrenze nach Crimmitschau und letzter privater Eigentümer des Schlosses Schweinsburg. Die Wasserführung des Koberbaches war sehr schwankend: In trockenen Zeiten stand der Crimmitschauer Industrie nicht genügend Brauchwasser zur Verfügung, während der Koberbach nach starken Regenfällen zu einem reißenden Gewässer anschwoll, das große Schäden anrichtete. Es wurde eine "Talsperren-Aktiengesellschaft Crimmitschau" gegründet, deren Hauptaktionär Guido Wolf war. Im Frühjahr 1926 wurde mit dem Bau der Koberbachtalsperre begonnen. Der Staudamm ist ein 332 Meter langer Erdschüttdamm, der einen Lehmkern im Inneren besitzt - zur damaligen Zeit ein Novum im gesamten Land Sachsen. Der Damm erhebt sich 19 Meter über der Talsohle und ist unten 134 Meter, oben 5 Meter breit. Die Regulierung des Wasserstandes erfolgte über ein Einlaufbauwerk mit einem Schieberturm. An Geldmitteln für den Bau der Talsperre wurden insgesamt 4,5 Millionen Reichsmark benötigt. Dem Bau der Koberbachtalsperre musste auch die alte Vetterleinsche Mühle in Kleinbernsdorf weichen. Mit dem Probestau wurde am 5. Juni 1929 begonnen, die Einweihung erfolgte am 1. September 1929. Der anfängliche Stauinhalt der Koberbachtalsperre betrug 2,6 Millionen Kubikmeter Wasser, die Wasserfläche nahm 47 Hektar ein.


Die Talsperre sollte aber nicht nur als Brauchwasserreservoir und zum Hochwasserschutz dienen, sondern auch als Naherholungsgebiet. Zu diesem Zweck wurde oberhalb des Wohnhauses des Talsperrenaufsehers, das sich direkt am Staudamm befand, 1930 der Grundstein für ein Gaststättengebäude gelegt, das heutige "Seehaus". Die Gaststätte erhielt an der Rückseite eine verglaste Veranda mit Talsperrenblick, und im Außenbereich befand sich ein Gartencafé. Im März 1931 war das "Seehaus" vollendet und wurde am Gründonnerstag 1931 eröffnet. Die Gaststätte war zu diesem Zeitpunkt Eigentum der Wernesgrüner Brauerei. 1933 wurde am Stausee eine Badeanstalt mit Bootsverleih eröffnet. 1933/34 ließ Bernhard Laugkner, der Betreiber des Bades, auf dem Grundstück neben dem "Seehaus" einen Bootsschuppen errichten. Zur gastronomischen Versorgung der Badegäste diente die Gartenkantine "Einkehr zur Koberbachtalsperre", eine Holzkonstruktion, auf der Postkarte links neben dem "Seehaus" zu sehen. 1934 wurde dann auch der Omnibusverkehr zur Koberbachtalsperre aufgenommen. Im Kriegsjahr 1941 brannte dann die Gartenkantine ab. Am 10. Mai 1955 gingen alle Einrichtungen in Volkseigentum über. Das "Seehaus" wurde nunmehr als HO-Gaststätte betrieben und von Pächtern bewirtschaftet. Die HO unterhielt auch noch ein separates Selbstbedienungs-Gartenrestaurant mit Kioskbetrieb. Der weitere Ausbau der Anlagen wurde von der Gemeinde Langenhessen übernommen.

Die anhaltende Trockenheit des Sommers 1964 führte dazu, dass große Teile der Talsperre abgelassen werden mussten, um genügend Brauchwasser zu haben. Dadurch verringerte sich das Stauvolumen vorübergehend auf 0,4 Millionen Kubikmeter Wasser. Im Folgejahr wurde daraufhin eine Pumpstation am Langenbernsdorfer Bach errichtet, die in Notfällen die Talsperre mit Wasser überpumpen sollte.

Im Jahre 1966 wurde das erste Strandfest an der Koberbachtalsperre durchgeführt. In den Folgejahren wurden die Freizeit- und Erholungseinrichtungen auf das gesamte Westufer der Talsperre ausgedehnt. 1967 erfolgten die Erweiterung des alten und die Errichtung eines neuen Zeltplatzes. 1969/70 wurde auf Niederalbertsdorfer Flur eine Vorsperre angelegt. 1970 wurde der Zweckverband "Naherholung Werdauer Wald" gegründet, der 1971 zum Kommunalen Zweckverband "Koberbachtalsperre-Werdauer Wald" erweitert wurde. Der Talsperrenverwaltung wurde der Kleinbus "Libelle" zur Verfügung gestellt. 1971 wurde das Minenleg- und Räumboot "Heidi" der NVA in der kleinen Bucht vor der Badeanstalt aufgestellt, 1976 dann noch ein leichtes Torpedoschnellboot.

1974 war der erste Teil des Bungalowdorfes fertiggestellt. Seit 1969 wurde die Gaststätte "Seehaus" von der Familie Geißler betrieben. Der Kiosk im Gartenrestaurant wurde über viele Jahre von der Familie Böttcher bewirtschaftet, die auch das Restaurant "Zur guten Quelle" in Werdau führte.

Als besondere Attraktion wurde 1981 ein Nachbau der Karavelle "Santa Maria" des Christoph Kolumbus aufgestellt. Jährliche Besucherzahlen bis zu 100.000 und mehr machten die Koberbachtalsperre weit über die Grenzen des Kreises Werdau bekannt. 1991 wurden das Minenleg- und Räumboot und das Torpedoschnellboot verschrottet. Mit der Auflösung des Kommunalen Zweckverbandes oblag die Verwaltung der Talsperre wieder der Gemeinde Langenhessen, seit 1997 der Stadt Werdau. Mit der Entschlammung des Vorstaues gab es 1993 durch sehr niedrigen Wasserstand große Probleme. Im Juli konnte jedoch durch anhaltende Niederschläge das Becken wieder freigegeben werden. Am 16. Juni 1993 erfolgte die Übergabe einer großen modernen Wasserrutsche im Strandbad.

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